Dr. Jan Hoffmann aus Kamen bei seiner Bewerbungsrede für die Bundestagskandidatur 2017: Mit Parteikritik, die es in sich hatte, konnte er nicht überzeugen – 14 Prozent der Delegiertenstimmen holte er damals, Hubert Hüppe die anderen 86 Prozent. © Alexander Heine
Politik im Kreis Unna

Unzufrieden und unbequem: Dr. Jan Hoffmann will für die CDU in den Bundestag

Er versucht es erneut: Dr. Jan Hoffmann (52) will Bundestagskandidat für die CDU im Kreis Unna werden. Obwohl er eigentlich keine Chance hat, denn die Partei will jemand anderen. Was treibt ihn an?

Dass Dr. Jan Hoffmann (52) es wieder tun würde, steht schon lange fest. 2016 unterlag er bei der Abstimmung zum Bundestagskandidaten der CDU für die Wahl 2017 deutlich gegen Hubert Hüppe. Unmittelbar danach kündigte Hoffmann an, sich zur nächsten Wahl 2021 erneut um die Kandidatur im Wahlkreis Unna I zu bewerben. „Das betrifft mich ja dann nicht mehr“, habe Hubert Hüppe ihm damals augenzwinkernd gesagt – und sollte sich täuschen.

Denn statt den politischen Ruhestand zu genießen, den der langjährige Bundestagsabgeordnete Hüppe nach dem Ausscheiden aus dem Parlament 2017 anzutreten schien, mischt der inzwischen 64-Jährige längst wieder mit. 2020 zog der einstige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung in den Kreistag ein, in diesem Jahr will er nun in den Bundestag zurückkehren. Ob er erneut der CDU-Kandidat im Wahlkreis Unna I wird, entscheiden die Delegierten der Partei am 16. April.

Die Kräfteverhältnisse haben sich nicht geändert

Dann kommt es – wie schon 2016 – zur Kampfabstimmung zwischen Hüppe und Hoffmann. Damals behielt Hüppe mit 86 Prozent der Stimmen klar die Oberhand – und es spricht nichts dafür, dass sich die Kräfteverhältnisse seitdem verändert haben.

Hubert Hüppe, hier mit medizinischer Maske während der jüngsten Kreistagssitzung in der Kamener Stadthalle, will 30 Jahre nach seinem ersten Einzug ins Parlament noch einmal in den Bundestag. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Partei mit dem Kreisvorsitzenden Marco Morten Pufke an der Spitze steht hinter Hüppe, was durchaus auch in Zusammenhang mit taktischen Erwägungen hinsichtlich eines möglichst aussichtsreichen Listenplatzes stehen dürfte.

Denn ein Direktmandat für einen CDU-Kandidaten ist im Kreis Unna trotz der bröckelnden Dominanz der SPD weiterhin eher unwahrscheinlich. Zumal mit Oliver Kaczmarek der langjährige „Platzhirsch“ erneut kandidiert.

Hoffmann will ein „Zeichen der Unzufriedenheit“ setzen

Hoffmann weiß das alles natürlich und schätzt seine Chancen entsprechend realistisch ein. „Ich bin kein Träumer“, sagt der Kamener. Er wolle vielmehr ein Zeichen setzen, ein Zeichen der Unzufriedenheit.

Schon seine erste Bewerbung um die Bundestagskandidatur bezeichnete Hoffmann vor fünf Jahren als Ausdruck des Protests. Aber wogegen protestiert Hoffmann eigentlich? Als erstes nennt er im Gespräch mit unserer Redaktion, genauso wie in seinem Bewerbungsvideo auf Youtube, den „Linksrutsch“ der Union unter Kanzlerin Angela Merkel.

Mit der Eurokrise und den Griechenland-Hilfen fing es an

Er wolle ein deutliches Zeichen setzen, etwa „gegen die das Recht beugende Zuwanderungspolitik, den Zustand der Bundeswehr, die unrealistische Energiewende“, zählt Hoffmann, von Beruf Soldat, auf. Außerdem versteht er seine Kandidatur auch als Zeichen für mehr Mitbestimmung der Mitglieder, macht sich für eine Direktwahl des Wahlkreis-Kandidaten durch die Basis stark. „Ich rege auch an, die Aufstellungsversammlung live im Netz zu übertragen“, sagt Hoffmann.

Seine Unzufriedenheit mit der Politik der eigenen Partei unter der 15-jährigen Kanzlerschaft Merkels wurzelt tief, beginnt im Grunde schon in der Finanz- und Währungskrise vor über zehn Jahren. Hoffmann nennt unter anderem „die Schuldenübernahme für die Griechen, das Geld ist weg“. Für ihn ebenso ein Ärgernis wie der „überstürzte Ausstieg aus der Atomenergie, der uns jetzt Milliarden kostet“. Und nicht zuletzt „seit 2015 die illegale Massenzuwanderung in unser Land, da werden viele Rechtsverstöße weiterhin geduldet“.

Nah an der AfD, doch Hoffmann gründete die „WerteUnion“

Statt wie andere enttäuschte CDU-Mitglieder eine neue politische Heimat in der AfD zu suchen, entschied sich Hoffmann zu bleiben und gründete 2017 die selbsternannte konservative Basisbewegung „WerteUnion“ mit.

Über einen Wechsel zur AfD, räumt Hoffmann ein, habe er tatsächlich nachgedacht, als Bernd Lucke dort noch das Sagen hatte und der frühere BDI-Präsident Hans Olaf Henkel eintrat. Er sehe seine Positionen in Teilen der AfD durchaus vertreten, aber eben auch in Teilen der CDU. „Mit einem Friedrich Merz, der fast 50 Prozent der Delegierten bei der Wahl zum Parteivorsitz auf seiner Seite hatte, fühle ich mich nicht falsch in der CDU“, stellt Hoffmann klar.

Im Grunde unterscheidet ihn diesbezüglich gar nicht viel von Kreis-Chef Pufke, der ebenfalls dem konservativen Lager zuzurechnen ist und als Merz-Anhänger gilt.

Auch für Hubert Hüppe, gewiss kein „Linker“ in der Union, hegt Hoffmann durchaus Sympathien, lobt etwa dessen Nein zu weiteren Hilfsgeldern für Griechenland.

Aber Hoffmann wäre wohl nicht Hoffmann, wenn er seinem Parteikollegen deshalb kampflos das Feld überlassen würde. Er sagt: „Ich will ein Zeichen setzen der Unzufriedenheit auf der Ebene, die mir die Möglichkeit dazu bietet. Das ist wirklich so. Das ist auch so ein kleines bisschen Notwehr von mir. Es gibt eben Leute, die wollen ihre staatsbürgerliche Pflicht erfüllen.“

  • Der Wahlkreis Unna I umfasst den südlichen Teil des Kreises Unna mit den Gemeinden Bergkamen, Bönen, Fröndenberg/Ruhr, Holzwickede, Kamen, Schwerte und Unna.
  • Bisher hat diesen Wahlkreis immer die SPD gewonnen, seit 2009 in Person von Oliver Kaczmarek aus Kamen.
Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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