Tod nach Prügel-Angriff auf Bauernhof: „Die letzte Lebenskraft ist aus ihm herausgeströmt“

dzLandgericht Hagen

Auf einem Bauernhof in Schwerte prügeln sich zwei Männer. Dann ist einer plötzlich tot. Jetzt hat der Fall das Gericht erreicht. Das Urteil könnte härter ausfallen, als zunächst gedacht.

Schwerte/ Hagen

, 10.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser Fall ist tragisch: Vor knapp zwei Jahren haben sich zwei unter Betreuung stehende Männer auf einem Bauernhof in Schwerte wild geprügelt. Dann war der Ältere plötzlich tot. Herzinfarkt. Seit Freitag beschäftigt das Drama das Hagener Landgericht.

Der Mann auf der Anklage ist 29 und psychisch schwer krank. Die vergangenen zwei Jahre hat er in verschiedenen Kliniken verbracht, davor bewohnte er ein Zimmer eines Bauernhofs an der Brunnenbergshöhe in Ergste. Einer seiner Zimmernachbarn war mit 64 Jahren zwar schon deutlich älter, trotzdem verstanden sich beide offenbar ganz gut. Die Interessen waren allerdings auch übersichtlich: Alkohol und Fernsehen. Aus viel mehr hat er Tagesablauf kaum bestanden.

"Ich weiß, dass ich ihn geschlagen habe"

Genau so war es auch in der Nacht auf den 3. April 2017. Doch diesmal gab es Streit. Worum es ging, ist nicht mehr aufzuklären. „Ich weiß noch, dass ich ihn geschlagen habe – auf den Kopf“, sagte der 29-Jährige zum Prozessauftakt. „Dann ist die letzte Lebenskraft plötzlich aus ihm herausgeströmt.“

Rund anderthalb Stunden hat der Schwerter danach noch weitergetrunken, dann rief er die Polizei. „Ich habe mich irgendwie schuldig gefühlt.“ Ob er wusste, dass der 64-Jährige schwer herzkrank war, ist nicht ganz klar.

Die Staatsanwaltschaft hat die Tat als gefährliche Körperverletzung angeklagt. Weil es nach einem medizinischen Gutachten so aussieht, dass nicht nachgewiesen werden kann, dass die Schläge für den Tod verantwortlich waren. Doch inzwischen gibt es Zweifel. Selbst der 29-Jährige ist sich nicht sicher. „Der hatte zwar einen Herzinfarkt“, sagte er den Richtern. „Aber vielleicht wäre das sonst nicht passiert.“

Angeklagter hört Stimmen

Am Ende des Prozesses könnte deshalb auch eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge stehen. Die volle Härte des Gesetzes würde er aber wohl ohnehin nicht zu spüren bekommen.

In der Anklage ist bereits von verminderter Schuldfähigkeit die Rede. Der 29-Jährige hört nach eigenen Angaben Stimmen, die ihm angeblich einreden, dass er alles falschmache. „Ich habe wegen der Stimmen sogar schon meine Freundin geschlagen“, sagte er den Richtern.

Mindestens zehn Mal soll er auf seinen Zimmernachbarn eingeschlagen haben. Die Ärzte hatten später einen Nasenbeinbruch, einen Riss der Ohrmuschel und mehrere Rippenbrüche festgestellt. Über zwei Promille Alkohol hatte der Angeklagte damals intus, beim Opfer wurden rund 1,6 Promille gemessen.

Die 1. Strafkammer des Hagener Landgerichts hat für den Prozess zunächst noch zwei Verhandlungstage bis zum 22. Januar vorgesehen.

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