Die Zählerstände haben den Stadtwerken gezeigt: Durch Homeoffice ist der häusliche Energieverbrauch der Kunden messbar gestiegen. © Reinhard Schmitz
Stadtwerke-Rechnung 2020

Teures Homeoffice: Arbeitnehmer zahlen spürbar drauf bei Strom und Gas

Jetzt haben die Schwerter es Schwarz auf Weiß: Homeoffice ist für Arbeitnehmer ein teures Vergnügen. Sie verbrauchen zu Hause mehr Strom, Gas und Wasser. Die Stadtwerke schicken Rechnungen.

Der Rechner, der sonst im Büro läuft, hing an der eigenen Steckdose. Die Heizung zu Hause musste den ganzen Tag ohne Temperatur-Absenkung durchbullern. Auch die Klospülung in der Wohnung wurde öfter abgezogen als normal. Homeoffice, durch die Corona-Krise vielerorts erzwungen, ist für Arbeitnehmer eine teure Angelegenheit. Das bekommen die Schwerter deutlich zu spüren, wenn sie in diesen Tagen den Brief mit den Jahresabrechnungen 2020 der Stadtwerke öffnen. Sie sehen die Zahlen Schwarz auf Weiß.

Zwei Drittel der Stadtwerke-Kunden müssen jetzt nachzahlen

„Die Pandemie hat Auswirkungen auf die Verbräuche in den Haushalten“, berichtet Kati Blumenrath aus der Unternehmenskommunikation der Stadtwerke auf Anfrage. Die Auswertungen haben unzweifelhaft gezeigt: „Durch Homeoffice, ausgebliebene Reisen, Kinderbetreuung zu Hause sowie entfallende Freizeitaktivitäten ist der Haushaltsverbrauch für Strom, Gas und Wasser gestiegen.“

Beim Arbeiten im Homeoffice zahlen die Mitarbeiter in Sachen Energiekosten kräftig drauf.
Beim Arbeiten im Homeoffice zahlen die Mitarbeiter in Sachen Energiekosten kräftig drauf. © dpa © dpa

Die Quittung für den nach Hause verlagerten Arbeitsplatz ist: Zwei Drittel der Stadtwerke-Kunden müssen nachzahlen, weil ihre monatlich vorausbezahlten Raten für Strom, Gas und Wasser nicht ausgereicht haben. Denn die Abschläge waren wie üblich nach dem Verbrauch aus dem vorangegangenen Jahr kalkuliert worden, als noch niemand die Corona-Krise ahnen konnte. „Die Gesamtnachforderungen stehen im Zusammenhang mit der Pandemie und dem veränderten Verbrauchsverhalten“, sagt Kati Blumenrath klipp und klar. Und das, obwohl die Stadtwerke die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent – von der Bundesregierung als Hilfsmaßnahme eigentlich nur von Juli bis Dezember 2020 beschlossen – sogar für das gesamte Jahr an die Kunden weitergegeben haben.

Mehrverbrauch beim Strom liegt im Schnitt mindestens bei 3 Prozent

Das zusätzliche Energiefressen der Elektrogeräte können die Stadtwerke sogar in konkreten Zahlen messen. „Der Mehrverbrauch beim Strom liegt durchschnittlich bei rund 3 Prozent“, erklärt Kati Blumenrath. Für einen dreiköpfigen Musterhaushalt, der im Jahr rund 2400 Kilowattstunden Strom bezieht, macht das auf der Jahresrechnung schon im günstigen Ruhrpower-Sondertarif rund 24 Euro brutto aus – also ohne Mehrwertsteuer. „Ist die ganze Familie zu Hause und arbeitet daheim, kann der Mehrverbrauch auch höher ausfallen“, sagt die Sprecherin des heimischen Energieversorgers. Denn es werde mehr selbst gekocht, wenn das auswärtige Essen in Kantinen, Imbissen oder Restaurants wegfällt.

„Der Stromverbrauch stieg zudem durch die zusätzliche Nutzung digitaler Medien“, berichtet die Stadtwerke-Sprecherin. Haupt-Stromfresser seien dabei allerdings aber gar nicht das Tablet für das Homeschooling oder der Laptop für das Homeoffice: „Verstärkter Einsatz von Fernsehen, Playstation, X-Box und Co. erhöhen den alltäglichen Stromverbrauch.“ Darüber hinaus summierten sich viele kleine Nutzungen, die sonst im Büro stattfinden, auf der Rechnung: vom Einschalten des Wasserkochers oder der Kaffeemaschine bis hin zur Mikrowelle.

Heizung brauchte mehr Gas – obwohl das Jahr wärmer war als 2019

Aber es ist nicht nur der Strom allein, der im Familien-Etat teurer zu Buche schlägt. „Das durch die Pandemie geänderte Verhalten der Verbraucher hat in der Regel auch Auswirkungen auf den Gasverbrauch“, weiß Kati Blumenrath. Das heißt: Die Heizung verschlang mehr Brennstoff, obwohl das Jahr 2020 nach Angaben der Stadtwerke eigentlich im Schnitt sogar um 0,5 Grad wärmer war als das Jahr 2019.

Ein Drittel der Stadtwerke-Kunden dürfen sich mit der Jahresabrechnung über Gutschriften freuen. Die Zahlen lassen vermuten, dass viele der Glücklichen weiterhin die meiste Zeit im Betrieb arbeiten konnten oder vielleicht auch schon im Ruhestand sind.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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