Teure Standgebühr und wenig Platz: Verlassen Händler bald den Wochenmarkt?

dzSchwerter Wochenmarkt

Der Wirbel um den Markt in Schwerte hört nicht auf. Auch nach der Übernahme durch die Marktgilde gibt es Streit. Manche Händler denken sogar darüber nach, den Markt zu verlassen. Aber warum?

Schwerte

, 13.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Mario Schwiderowski ist sauer, man hört es seiner Stimme direkt an. Immer sei alles gut gewesen auf dem Schwerter Wochenmarkt - zumindest bis vor sechs Wochen.

Seit dem 1. Juni 2019 liegt die Verantwortung für den Wochenmarkt in Schwerte in den Händen der Deutschen Marktgilde. Und bis auf ein kleines Bäumchen-Wechsel-Dich der Händlerstandorte auf dem Marktplatz sollte sich mit dem neuen Betreiber auch eigentlich nicht viel ändern.

„Wie kann es dann sein, dass ich plötzlich die dreifache Standgebühr zahle?“, fragt sich Mario Schwiderowski. Genau 10,90 Euro hat er unter der damaligen Leitung der Markthandel Schwerte GmbH für seine 20 Quadratmeter Stellfläche gezahlt. Genervt zieht er die Quittung vom Mittwoch aus der Hosentasche - 29,20 Euro stehen drauf. Zuzüglich 4,20 Euro Strom. Pro Markttag.

Standgebühr ist zu teuer für viele Händler

Auch anderen Kollegen ginge es so. Einer hätte den Markt bereits verlassen - von 54 auf rund 130 Euro habe die Marktgilde die Gebühren zuvor angehoben. Auch Mario Schwiderowski denkt darüber nach, mit seinen Reibekuchen mittwochs bald auf anderen Märkten zu stehen. Den Markt-Samstag habe er für sich schon gecancelt - die Standgebühr sei für ihn schlichtweg zu teuer. Noch einmal 10 Euro wären pro Samstag hinzugekommen.

Teure Standgebühr und wenig Platz: Verlassen Händler bald den Wochenmarkt?

Mario Schwiderowski ist unzufrieden mit dem neuen Marktbetreiber. © Manuela Schwerte

Und er sei nicht der einzige Händler mit diesen Plänen. „Wenn die Situation länger so bleibt, lohnt es sich kaum noch für uns“, sagt Schwiderowski.

Bei schönem Wetter sei der Umsatz in Ordnung. Aber bei schlechtem Wetter: „Da gehe ich mit 50 oder 60 Euro nach hause - ziehen Sie die 30 Euro Standgebühr ab und dann noch das Material. Dann mache ich fast 80 Euro Minus“, rechnet er seinen Verlust vor.

Vorher gab es keine einheitliche Ordnung - Preise ungerecht verteilt

Ihre Einnahmen können die Markthändler nur auf eine Weise erhöhen, sagt Schwiderowski: „Wir müssen die Preise anziehen. Das kann aber natürlich auch dazu führen, dass weniger Kunden kommen.“ Überhaupt sei der Markt seit der Umstellung Anfang Juni weniger besucht, haben der Reibekuchenhändler und seine Kollegen festgestellt.

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Die Deutsche Marktgilde, die seit wenigen Wochen den Wochenmarkt in Schwerte betreibt, will mit den Vorurteilen aufräumen: „Als wir den Markt übernommen haben, lag keine einheitliche Gebührenordnung vor. Da haben Händler mit großen Ständen auch mal weniger bezahlt als kleinere Händler“, sagt Vorstandsassistent Ingo Johnson.

Schon kurz vor der Übernahme hatte die Marktgilde angekündigt, die Stände neu zu vermessen - und zwar nicht mehr nach laufendem Meter, sondern nach Quadratmetern. Weil das eben gerechter sei.

Was ist aus den Rettungswegen geworden?

„Von unserer Seite sind alle Stände neu und korrekt vermessen worden. Auf die Standgebühren vorher hatten wir keinen Einfluss“, sagt Johnson. „Jetzt zahlen halt alle Händler den gleichen Quadratmeterpreis.“ Außerdem gebe es bestimmte Rabatte für Händler, die an beiden Markttagen kommen. Oder für die, die einen Jahresvertrag abschließen. Bis zu 40 Prozent können das sein.

Doch da gibt es eben noch ein Problem auf dem Wochenmarkt: Die Rettungswege mit einer Breite von 3,50 Metern - weshalb die Stände überhaupt neu angeordnet werden mussten - müssen eingehalten werden.

Mario Schwiderowski: „Die Gastronomie rückt mit Tischen und Stühlen immer weiter nach vorne. Das sind nie im Leben noch die vorgegeben Maße.“ Schwiderowski ärgert sich - bei einem Feuer oder einem Herzinfarkt zähle für die Rettungskräfte eben jede Sekunde.

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„Das Ordnungsamt läuft hier regelmäßig vorbei - aber die schauen gar nicht nach, ob die Rettungswege eingehalten werden.“ So auch übrigens während des Gespräches mit dieser Redaktion.

Doch auch damals hieß es schon von Seiten des neuen Organisators, dass man nicht mit dem Zentimetermaß nachmessen werde.

„Alles schön und gut - aber genug ist genug“, sagt Schwiderowski und bekommt zustimmendes Nicken von ein paar Marktkollegen. Für ihn sind das nichts als Ausreden. Und auch wenn die noch so plausibel sein mögen: Das spüle ihnen auch nicht genug Geld in die Kasse, um die neuen Standgebühren zu bezahlen.

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