Schwarzfahrer springt vor der Ampel aus dem Taxi

dzKriminalität in Schwerte

Termindruck, immer wieder Nachtschichten. Taxifahrer wie Martin Fischer müssen sich einiges gefallen lassen in ihrem Job. In jüngster Zeit macht ihm eine neue Masche der Kunden zu schaffen.

Schwerte

, 02.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An den Wänden drohen Plakate mit dem erhöhten Beförderungsentgelt. Schaffner gehen durch die Waggons, um die Fahrkarten zu kontrollieren. Oder es steigt gleich ein ganzer Trupp Kontrolleure zu. Großen Aufwand betreiben Verkehrsunternehmen, um Schwarzfahrern das Leben schwer zu machen. Doch nicht nur die Betreiber von Zügen und Straßenbahnen haben mit dem Problem zu kämpfen. Zunehmend trifft es auch das Taxigewerbe, klagt Fahrer Martin Fischer: „Es passiert immer häufiger, dass Leute einsteigen und hinterher sagen, sie haben kein Geld.“

Am Ziel in Hörde wollte der Kunde nicht zahlen

Noch am vorletzten Wochenende musste der Schwerter, seit 20 Jahren im Job, so einen dreisten Fall erleben. Durch Erfahrungen misstrauisch geworden, hatte er den Fahrgast sogar schon vor dem Einsteigen gefragt, ob er Geld habe. Das sei bejaht worden. Und weil es nur auf Kurzstrecke nach Hörde gehen sollte, war keine Vorkasse üblich. Doch als die Uhr am Ziel 22,70 Euro anzeigte, musste sich Martin Fischer plötzlich anhören: „Ich hab´ kein Geld.“ Also erstmal zur Polizei, damit die Adresse für den Chef dokumentiert war.

Anzeigen bei der Polizei kosten viel Arbeitszeit

Ein ärgerlicher und teurer Aufwand. „Du bist dann eine Stunde aus dem Verkehr, die Einnahmen gehen verloren“, verdeutlicht Martin Fischer. Noch schlimmer ist es, wenn die Fahrgäste auch noch aggressiv werden. Manche versuchten sogar, bei einem Halt vor einer Ampel oder einer Kreuzung aus dem Wagen zu springen und wegzulaufen: „Dann kannst du nicht hinterher, weil du das Auto nicht stehen lassen kannst.“ Das war dem Taxifahrer schon einmal in Leverkusen passiert - 150 Euro futsch. „Das ist mit ein Grund, warum die Unternehmen keine Fahrer kriegen“, ist der Schwerter überzeugt.

Die Polizei spricht von Beförderungs-Erschleichung

Wer in ein Taxi einsteigt, um sich von A nach B fahren zu lassen, signalisiere damit, dass er auch bezahlen wolle, erklärt Polizei-Pressesprecherin Vera Howanietz (Unna). Wenn der Fahrgast dann seine Rechnung nicht begleicht, macht er sich der Beförderungs-Erschleichung schuldig. Als Tatort gilt dabei der Feststellort, also das Ziel. Dort erstatten die Taxifahrer ihre Anzeigen. Für Schwerte gibt es in diesem Jahr noch keine in der Polizeistatistik.

Taxi-Bundesverband empfiehlt Bestellung über Handy-App

Die Taxiverbände haben sich mit dem Problem offensichtlich noch nicht weiter beschäftigt. „Wir erhalten keine Rückmeldungen darüber, ob Fahrgäste bezahlen oder nicht“, heißt es vom Taxi-Verband NRW (Düsseldorf), der auf den Bundesverband Taxi und Mietwagen in Berlin verweist. Dessen Geschäftsführer Michael Oppermann empfiehlt die sicherere Möglichkeit, das Taxi per App bestellen zu lassen: „Dann kommt der Kunde nicht mehr drumherum.“

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt