Tatort Bäckerei: Auf einmal rollte eine blutende Frau in die Filiale

dzProzess gestartet

Als im November eine Angestellte blutend in den Verkaufsraum einer Iserlohner Bäckerei rollte, dachten alle an einen Unfall. Jetzt beschäftigt der Fall das Gericht. Vorwurf: versuchter Mord.

Iserlohn/Hagen

, 22.05.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine 47-jährige Bäckerei-Fachverkäuferin aus Hemer soll im November 2019 versucht haben, in Iserlohn eine Kollegin zu erstechen. Jetzt muss sie sich wegen versuchten Mordes vor dem Hagener Schwurgericht verantworten.

Zu Prozessbeginn wollte sich die Angeklagte nicht zu den Vorwürfen äußern. „Wir werden keine Angaben zur Sache machen“, erklärte Verteidiger Martin Düerkop.

Angeklagte schweigt

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Angeklagte zustach, damit niemand dahinter kommen konnte, dass sie sich kurz zuvor zweimal an den Tageseinnahmen der von ihr geleiteten Bäckerei-Filiale vergriffen hatte.

Am 11. und 15. November 2019 soll die 47-Jährige insgesamt rund 1600 Euro veruntreut und für eigene Zwecke ausgegeben haben. Um zu verhindern, dass ihre Kollegin die Straftat auffliegen lassen könnte, griff sie dann angeblich am 18. November zum Messer.

Laut Anklage bat die Filialleiterin ihre 19 Jahre alte Kollegin, ihr beim Aufräumen einer Abstellkammer zu helfen. In dem engen Zimmer soll sie dann ein Fleischermesser gezückt und es dem völlig überraschten Opfer in den Bauch gerammt haben. Die Klinge drang so tief in den Körper der 19-Jährigen ein, dass selbst Blutgefäße an der Wirbelsäule verletzt wurden. Darüber hinaus wurden die Bauchspeicheldrüse durchtrennt und der Magen perforiert.

Schwere innere Verletzungen

Die mutmaßliche Täterin hatte aber wohl nicht mit dem großen Überlebenswillen des Opfers gerechnet. Die 19-Jährige ließ sich geistesgegenwärtig fallen und rollte so die Treppe herunter in den Verkaufsraum.

Für die dort anwesenden Kunden muss der Anblick der stark blutenden Frau ein echter Schock gewesen sein. Zum Glück konnten die Kunden jedoch erste Hilfe leisten und einen Rettungswagen alarmieren. Im Krankenhaus retteten die Ärzte dann das Leben der jungen Frau mit einer Notoperation.

Der Vater der 19-Jährigen ließ es sich am Freitag nicht nehmen, persönlich im Hagener Landgericht zu erscheinen. Die Frage nach dem „Warum“ lässt ihn seit der Bluttat nicht mehr los. „Ich kann nicht glauben, dass man so etwas tun kann“, sagte er am Rande des Prozesses. „Meine Tochter ist doch ein gutes Kind. Sie hatte immer ein Herz für alle. Warum tut man ihr so etwas an.“

Schmerzensgeld beantragt

Nach Auskunft des Vaters geht es dem Opfer bis heute sehr schlecht. Die Frau befindet sich zwar nicht mehr in stationärer Behandlung, doch die Folgen der Tat werden sie wohl noch sehr lange begleiten. „Es ist überhaupt nicht abzusehen, ob sie je wieder ganz gesund wird“, sagte ihr Anwalt auf dem Gerichtsflur. In dem Prozess wird auch über Schmerzensgeld verhandelt.

Lesen Sie jetzt