Neue Preispolitik der Tankstellen: Wer normales Super tankt, fährt jetzt billiger

dzBenzinpreise in Schwerte

Zeitweise war der Liter Biosprit Super E10 bis zu vier Cent günstiger als herkömmliches Super. Das sollte den Verkauf der Sorte ankurbeln. Jetzt gibt es oft keinen Preisunterschied mehr.

Schwerte

, 15.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer nur dem herkömmlichen Superbenzin vertraut, freut sich beim Blick auf die Leuchttafeln. Wer das bislang billigere Super E10 mit größerer Biosprit-Beimischung wählt, dagegen nicht.

Der Preisunterschied zwischen den beiden Kraftstoffsorten, der zwischenzeitlich bis auf vier Cent ausgedehnt worden war, ist an ersten Schwerter Tankstellen verschwunden. 1,34 Euro pro Liter verlangte beispielsweise am Freitagabend die Anzeigesäule der Jet-Tankstelle an der Schützenstraße für beide Sorten.

Gesetzgeber fordert seit Jahresbeginn mehr Absatz von Biosprit

Der Grund für die neue Preispolitik der Mineralölkonzerne lasse sich nicht hundertprozentig sicher sagen, erklärt der Sprecher des Allgemeinen Automobilclubs für Deutschland (ADAC) in Westfalen, Tobias Scheffel.

Seit Jahresbeginn gebe es aber eine neue gesetzliche Vorgabe, um den Umsatz von Biokraftstoff zu erhöhen. Musste der 2015 noch 3,5 Prozent des gesamten verkauften Sprits ausmachen, soll der Anteil über 4 Prozent im Jahre 2017 jetzt auf 6 Prozent steigen. Deshalb sei die Nachfrage nach Bioethanol gestiegen, was den Preis erhöhe.

Jet verweist auf die Gesetze der Marktwirtschaft

Auf die Gesetze der Marktwirtschaft verweist auch Jet-Pressereferent Niels Wick (Hamburg): „Wenn man Kraftstoff günster anbietet, kommen mehr Kunden und man kann höhere Umsätze erzielen.“

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Grenzen setzten dabei die Beschaffungskosten: „Ursache für die gegenwärtigen Verschiebungen in den Preisabständen zwischen Super E10, Super und Dieselkraftstoff ist somit auch der Wettbewerb zwischen den Anbietern am Markt beziehungsweise in den jeweiligen Teilmärkten vor Ort.“ Man versuche dabei immer, günstiger als die Konkurrenz in unmittelbarer Nähe zu sein.

Verbrauch steigt beim Tanken von Super E10

Als Super E10, das zu zehn Prozent aus Biosprit besteht, im Jahre 2011 auf Druck der Politik an die Zapfsäulen gebracht wurde, musste man die Autofahrer mit finanziellen Anreizen ködern. „Als das E10 auf den Markt kam, war man sehr skeptisch“, weiß der ADAC-Sprecher. Viele befürchteten, dass die neue Sorte den Motoren schaden könnte: „Jetzt tanken sie mehr Leute freiwillig.“ Und der Markt bestimme eben den Preis.

Biosprit führt zu einem erhöhten Benzinverbrauch

Allerdings: Der Biosprit führt wegen seiner anderen Zusammensetzung zu einem erhöhten Benzinverbrauch. „Er liegt leicht höher“, sagt Tobias Scheffel: „Ungefähr ein halber Liter auf 100 Kilometer.“ Damit ist bei gleichen Preisen jetzt aber klar im Vorteil, wer die Zapfpistole mit dem herkömmlichen Super in den Einfüllstutzen steckt.

Tankstellenbetreiber: „E10 hat sich nicht durchgesetzt“

Das tun nach den Erfahrungen von Alfons Peters, der die Freie Tankstelle an der Hagener Straße betreibt, sowieso die meisten Kunden. Der Marktanteil von Super E10 sei „ganz wenig“. Lediglich zwischen 100 und 250 Liter davon verkaufe er am Tag: „Das hat sich nicht durchgesetzt.“

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An seiner eigenen Station wartet Peters erst einmal ab und beobachtet, was der Wettbewerb macht. Die Markenstationen, die er zum Vergleich nimmt, hätten derzeit noch den 2-Cent-Preisunterschied beibehalten. Also hält er es zumindest vorerst auch noch so.

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