Stolpersteine in Schwerte wurden aufpoliert

Erinnerung an NS-Verbrechen

In Schwerte gibt es rund 50 Stolpersteine, die der deportierten, verfolgten, ermordeten oder in den Suizid getriebenen Opfer des Nationalsozialismus gedenken. 29 davon reinigten Mitglieder der Schwerter SPD mit prominenter Begleitung am Samstag, die übrigen sollen folgen.

SCHWERTE

von Niklas Voß

, 09.11.2016, 05:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Samstag reinigten Mitglieder der Schwerter SPD 29 der 50 in Schwerte existierenden Stolpersteine, die an die NS-Verbrechen erinnern sollen. Beginn der Reinigungstour war vor dem Schwerter Rathaus – dort befinden sich die Stolpersteine von Ilse Rentzing und Julian Banas. Erstere deportierten die Nationalsozialisten, weil sie in Briefkontakt mit einem französischen Zwangsarbeiter stand. Aus Angst, dass ihre jüdische Abstammung ans Licht kommen könnte, erhängte sie sich in ihrer Zelle. Diese ist nur eine der 29 grausamen Geschichten, die Claudia Becker-Haggeney zu jedem der Steine zu erzählen hatte.

Symbolische Verbeugung

Während sie die in Schwerte geschehenen Gräueltaten vortrug, polierten die übrigen Mitglieder der SPD die Steine. Sie sollten wieder glänzen, um ihren Zweck richtig zu erfüllen: Den Menschen ins Auge fallen, damit sie stehen bleiben und auf die Steine herabschauen. Dadurch entsteht eine symbolische Verbeugung der Passanten vor den Ermordeten. Durch das Lesen der Gravur werden aus den abstrakten Zahlen menschliche Schicksale. Der Künstler, der hinter den Stolpersteinen steckt, heißt Gunter Demning. Ihm war es wichtig, dass die Menschen nicht nur mit den Füßen, sondern vor allem „mit Kopf und Herz stolpern“.

Dass es in Schwerte Stolpersteine gibt, geht auf eine Initiative von Christin Nickles und Claudia Becker-Haggeney zurück. Die beiden sind auch für die Recherche der Hintergrundgeschichten zuständig. „Es ist nie zu Ende mit der Recherche“, beschreibt Claudia Becker-Haggeney ihre Nachforschungen. Denn es werde „immer noch Aktenmaterial ausgewertet“. Doch das Rechercheteam beschränkt seine Arbeit nicht nur auf das Durchforsten von Akten. Wenn möglich werden auch die Hinterbliebenen der Opfer kontaktiert.

Neuer Stein soll her

Bereits beim Polieren der Steine trat der erste Erfolg der Putzaktion zutage: Einige Schwerter stoppten, schauten oder fragten, was denn hinter der Aktion stecke. Ein Passant fragte auch nach einem Stolperstein für seine ehemaligen Nachbarn. Dieser soll mit Hilfe des Passanten bald realisiert werden.

Prominente Begleitung erhielt der Putztrupp aus Schwerte vom SPD-Landtagsabgeordneten Hartmut Ganzke. Dieser half nicht nur aktiv bei der Reinigung der Steine, sondern regte auch eine Stolpersteinlegung für Karl Gerharts an. Der ehemalige SPD-Kommunalpolitiker wurde von den Nationalsozialisten deportiert und 1945 ermordet. Heinz Haggeney zu Folge war er Zeit seines Lebens ein „aufrechter Kämpfer gegen den Faschismus“.

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