„Mit dem Kreis Unna immer gut informiert“ – das trifft zumindest in Sachen Inzidenzzahl nur bedingt zu. Der ehemalige Landrat Michael Makiolla (r.) und Uwe Hasche, Dezernent für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Straßenverkehr, Gesundheit und Verbraucherschutz, informierten im März über die Corona-Situation im Kreis Unna. Jetzt, in der zweiten Welle, sind die Auswirkungen deutlich größer als noch im März/April. © Alexander Heine (Archiv)
Pandemie

Statistik-Panne beim Kreis Unna: Inzidenz-Berechnung mit ungenauen Daten

Wer wissen will, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt, der blickt insbesondere auf die 7-Tage-Inzidenzwerte. Das Problem: Die Berechnung dieses Wertes war im Kreis Unna höchst ungenau.

Es ist der Wert, mit dem auch der Bund und die Länder den Erfolg im Kampf gegen die Corona-Pandemie messen. Die 7-Tage-Inzidenz soll wieder unter den Wert von 50 fallen, damit die Gesundheitsbehörden Kontakte wieder nachverfolgen und Infektionsketten unterbrechen können.

Der Kreis Unna, so schien es zuletzt, war davon noch sehr weit entfernt. Am Donnerstag ergab die Berechnung der 7-Tage-Inzidenz auf Grundlage der neu gemeldeten Corona-Fälle in den sieben Tagen davor einen Wert von 203,09.

Selbst berechneter Inzidenzwert nahezu wertlos

Inzwischen steht fest: Dieser berechnete Wert, den auch der Kreis Unna bis zum Mittwoch noch selbst veröffentlichte, ist nahezu wertlos. Der Kreis verweist in seinem werktäglichen Update inzwischen selbst auf die Daten des Landeszentrums Gesundheit (LZG). Und dort wird für den Kreis Unna ein Inzidenzwert von 125,6 genannt – er liegt also fast 80 Punkte unter dem Wert, der sich durch die Berechnung der Fallzahlen ergibt.

Aber wie kann das sein? Eine Nachfrage bei Kreispressesprecher Max Rolke bringt Erstaunliches zutage. Demnach ist nicht nur der schon früher von offizieller Seite oft angeführte Meldeverzug das Problem. Viel schlimmer: Die Daten, die für die Berechnung genutzt werden, sind noch nicht näher durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kreisgesundheitsamt analysiert worden.

Unzureichende Datengrundlage

Die Fallzahlen, die der Kreis Unna in seinem täglichen Update nennt, sind also eher so etwas wie eine Rohmasse. Die Aufsummierung der jüngsten Corona-Fälle soll stets möglichst aktuell sein – deswegen fließen alle bekannten Neumeldungen mit ein.

Die Zahlen, die der Kreis Unna schließlich an das LZG und darüber auch an das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet, sind eine qualitativ deutlich hochwertigere Datengrundlage. Und auf Basis dieser Daten berechnet das LZG die Inzidenz für den Kreis Unna.

Beispiel macht Problem deutlich

Ein konstruiertes Beispiel: Der Kreis Unna meldet in seinem Update 100 Neuinfektionen. Bei der Analyse dieser neuen Fälle stellt sich im Gesundheitsamt heraus, dass einige Infizierte gar nicht mehr im Kreis Unna wohnen, sondern etwa in Dortmund. Hinzu kommen Fälle, bei denen sowohl das Labor wie auch ein Arzt oder Krankenhaus oder der Infizierte selbst über ein und dieselbe Infektion informieren. Am Ende bleibt nach erfolgter Analyse eine Zahl von 80 Fällen übrig, die an das LZG gemeldet werden.

Das Beispiel zeigt das Problem: Die Zahl 100, auf deren Grundlage der Kreis oder auch unsere Redaktion die Inzidenz berechnet hat, ist falsch: Die Inzidenz ist in der eigenen Berechnung höher als in der des LZG, das von 80 Fällen ausgeht.

Kreis zieht Konsequenzen und rechnet nicht mehr

In der Konsequenz verzichtet der Kreis Unna inzwischen ganz auf die eigene Berechnung von Inzidenzen, verweist stattdessen auf die Internetseite des Landeszentrums. Dort sind die Inzidenzen bis auf die Landkreis-Ebene veröffentlicht. Eine Aufschlüsselung der Werte für Städte und Gemeinden gibt es nicht, eine solche Berechnung ist lediglich auf Basis der vorläufigen Corona-Fallzahlen möglich – und damit ungenau.

Die Statistik-Panne macht aber auch deutlich, dass das Kreisgesundheitsamt Unna tatsächlich am Rande der Belastung arbeitet. Als die Fallzahlen noch kleiner waren – also unter dem Wert von 50 – war die Abweichung noch deutlich geringer. So starke Diskrepanzen, wie sie aktuell vorliegen, sind zudem eine ungenügende Grundlage für die Entscheidungen, die in den einzelnen Städten und Gemeinden des Kreises Unna getroffen werden.

Über den Autor
Redaktion Unna
Gebürtiger Mendener, inzwischen in Werne an der Lippe zuhause. Jahrgang 1975. Seit April 2010 im Zeitungsverlag Rubens. Liebt das Lokale und den Kontakt zu den Menschen. Privat Gladbach-Fan, Hühnerhalter und Vater einer Tochter.
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Dirk Becker

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