Apothekerin Sonja Wahlhäuser prüft die Daten unseres Reporters. Der Start für die Ausgabe der digitalen Impfausweise verlief am Montagmorgen nicht nur in der Holzwickeder Allee-Apotheke holprig. Die bereitgestellte Software lief zunächst nicht wie gewünscht. © Greis
Impfzertifikat

Start mit Hindernissen: kein digitaler Impfpass für Frühaufsteher

Mit Wochenstart sollte er verfügbar sein: der digitale Impfpass. Wer aber wie unser Reporter in Holzwickede am Morgen eine Apotheke besuchte, musste vertröstet werden – die Technik spielte nicht mit.

Komplett ertraglos war der Besuch am Montagmorgen in der Holzwickeder Allee-Apotheke nicht: Immerhin sind meine Daten vor Ort hinterlegt und darf ich Hoffnung haben, dass ich zeitnah eine Email zugeschickt bekomme, die den begehrten QR-Code enthält. Mit dem lässt sich dann wiederum per Smartphone entweder über die Corona-Warn-App oder die Covpass-App der digitale Impfausweis erstellen.

Am Frühstückstisch war ich hoffnungsfroh, denn meine Corona-Warn-App auf dem Handy bot die Option „Impfzertifikat hinzufügen“ nach einem Update an. Somit brauchte es nur noch den QR-Code, für den selbst im vergleichsweise kleinen Holzwickede am Montagmorgen um 9 Uhr in der Allee-Apotheke von Sonja Wahlhäuser schon ein halbes Dutzend Menschen anstanden. Für alle Anwesenden inklusive mir galt letztlich: Den QR-Code für den digitalen Impfpass gab es vorerst nicht.

Portal bricht in den ersten Stunden zusammen

„Wir konnten uns heute Morgen einen Account anlegen, aber danach ging nichts mehr“, erklärt Apothekerin Sonja Wahlhäuser, warum sie am Montagmorgen zunächst nur die analogen Impfpässe samt Personalausweis prüfen konnte. Anschließend konnten Kunden entscheiden, ob sie das Dokument mit den benötigten QR-Codes ausgedruckt zu einem späteren Zeitpunkt abholen oder sich per Email zuschicken lassen wollten.

Insbesondere bei älteren Kunden sorgte das für Verwirrung und war geduldige Aufklärungsarbeit seitens Wahlhäusers nötig. Die eigentliche Ausgabe des notwendigen QR-Codes für den digitalen Impfpass ist dabei eigentlich ein Sache von Minuten: Als Bewohner der Dortmunder Nordstadt habe ich am ersten Juni-Wochenende die Impfaktion der Stadt genutzt und wurde mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft.

Anstehen mit Abstand für den digitaler Impfpass: In der Allee-Apotheke wurde ein gesonderter Schalter für die Prüfung und Ausgabe eingerichtet. © Greis © Greis

Über den Impfpass sowie die Corona-Impfunterlagen in meiner KVWL-Mappe kann die Apothekerin nachvollziehen, dass ich auch tatsächlich zum angegebenen Zeitpunkt meine Spritze bekommen habe. „Wobei ich durchaus dazu auffordern würde, das Kunden ortsnah ihre Stamm-Apotheke aufsuchen“, so Wahlhäuser. Das erleichtere letztlich die Kontrolle. „Ich kenne die Unterschriften der hiesigen Ärzte, ich kenne hier fast alle meine Kunden persönlich“, sagt die Apothekerin.

Während sie meine Daten eingibt, fragen weitere Kunden an den benachbarten Tresen, wie das denn funktioniere mit dem digitalen Impfpass. Wahlhäusers Kolleginnen geben den pragmatischen Tipp: „Wenn Sie den Impfpass jetzt nicht dringend auf dem Handy brauchen, dann machen Sie es irgendwann die Tage.“

Deutschlandweit technische Probleme in den Apotheken

Mit den technischen Problemen ist die Allee-Apotheke am Montagmorgen nicht allein – deutschlandweit melden Filialen, dass das genutzte Portal des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) aufgrund der hohen Zahl an Zugriffen überlastet und zusammengebrochen sei.

Auch die DAV-Übersichtsseite www.mein-apothekenmanager.de, die auflistet, welche Apotheken den digitalen Impfpass ausstellen, brach am Montagvormittag immer wieder zusammen. Mit Stand zu Wochenbeginn bietet neben der Allee-Apotheke auch die Rathaus-Apotheke von Christian van Bremen den Impfpass-Service.

Die Corona-Warn-App ist für das Scannen des nötige QR-Codes vorbereitet. Aber am Montagmorgen konnten viele Apotheken den Code nicht ausgeben, weil die zugehörige Software zunächst streikte.

Ein Anruf bei ihm gegen Mittag ergab: „Auch wir hatten zunächst Probleme, aber mittlerweile funktioniert es.“ Dennoch bittet auch er Kunden, sich möglichst nicht sofort um den digitalen Impfpass zu kümmern und zunächst auch online einen Termin auf der Webseite der Apotheke zu vereinbaren – so ist es auch in der benachbarten Allee-Apotheke gewünscht. Zumal auch der analoge Nachweis im Impfpass zwei Wochen nach der letzten Impfung als Zugangs- und Teilnahmeberechtigung für Veranstaltungen und Aktivitäten weiterhin anerkannt wird.

Apotheker kritisiert fehlende Vorbereitungszeit

„Wir müssen uns auch erst an die Abläufe gewöhnen. Wir haben die Software auch das erste Mal heute morgen zu Gesicht bekommen“, sagt van Bremen – für ihn eigentlich ein Unding. Rund ein Viertel der Deutschen haben mittlerweile ihren vollständigen Impfschutz und rückwirkend einen Anspruch auf den digitalen Impfpass, den Apotheken und auch Ärzte ausstellen. Wer künftig geimpft wird, soll den QR-Code direkt nach der vollständigen Impfung im Impfzentrum oder beim Arzt bekommen.

Eine Pflicht für Ärzte und Apotheken, die Codes für den Impfpass nachträglich auszugeben, gibt es nicht. Wer sich aber beteiligt, bekommt seinen Einsatz bezahlt: Laut Impfverordnung liegt die Vergütung zwischen 2 Euro und 18 Euro pro Prüfvorgang.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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