„Starke Frauen“ wollen sich in die Schwerter Politik einmischen

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In ihren Herkunftsländern haben meist Männer politisch das Sagen. In Schwerte wollen diese Frauen aber mitbestimmen. Eine reine Frauenliste kandidiert erstmals für den Integrationsrat.

von Martin Krehl

Schwerte

, 21.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Anspruch ist klar: „Wir sind das Original!“, sagt Serin Kabani und meint damit, dass andere Kandidatenlisten zur Wahl des Integrationsrates am 13. September von Integration und Migration sprechen, nur die Liste „Starke Frauen“ aber überwiegend aus integrierten Zuwanderinnen bestehe. Am Samstag (22. August) machen sie Wahlkampf in der Fußgängerzone.

Sie haben mit leichtem Anschubsen durch die Schwerter Gleichstellungsbeauftragte Birgit Wippermann und ihren „Arbeitskreis geflüchtete Frauen“ allen Mut zusammengenommen, sich zusammengefunden und ein hieb- und stichfestes Wahlprogramm erarbeitet.

Dass es eine reine Frauenliste mit Schwerterinnen aus vielen verschiedenen Nationen geworden ist, ist eine weitere Besonderheit dieser Liste.

Eine reine Frauenliste für Arbeitsbedingungen, Betreuung und Gleichstellung

„Viele Männer denken auch hier in Deutschland, dass allein sie die Wahl haben, oder zumindest die erste“, konstatiert Serin Kabani. „Aber dem ist nach Recht und Gesetz nicht so“. Frauen haben die gleichen Rechte wie die Männer – warum also nicht eine reine Frauenliste?

Noch dazu mit überwiegend geflüchteten Frauen oder Frauen mit Migrationshintergrund? Integrationsarbeit wird doch zum größten Teil von den Frauen geleistet, daran hat sich noch nicht viel geändert.

Serin Kabani aus Syrien steht als Nummer 1 auf der Liste; Nummer 2 ist Esma Sahin. Die Soziologin möchte den Schwerter Arbeitsmarkt für Menschen mit ausländischen Wurzeln weiter öffnen und für eine bessere Kinderbetreuung kämpfen.

Esmas Schwester Betül Sahin kandidiert auf Platz 7. Alin Kalo auf Platz 3 kommt aus Syrien, hat armenische Wurzeln und einen kleinen Sohn. Die Soziologin sagt: „Ich will den Menschen den richtigen Weg zeigen, Migranten und Migrantinnen brauchen sehr, sehr viel Hilfe bei der Bürokratie und Hilfe bei Themen wie Kinderbetreuung, Gleichstellung, häusliche Gewalt“.

Partei-unabhängig und durch Spenden finanziert

Nummer 4 ist Fathya Al Nahar. Die junge Mutter hat in Syrien englische Literatur studiert und sagt: „Ich habe 33 Jahre gegen Ungerechtigkeit und Gewalt gegen Frauen gekämpft, ich werden dafür kämpfen, dass mein Traum auch in Deutschland Wirklichkeit wird“. Rania Kutaet, Platz 5, hat vier Kinder, sie will sich für bessere Chancen auf Sprach- und Integrationskurse einsetzen.

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Die Liste „Starke Frauen“ ist partei-unabhängig und finanziert den munter-frechen Wahlkampf ausschließlich aus Spenden. Gudrun Körber, Christel Timmer, Reingard Coco und Christa Thurau vom Arbeitskreis Schwerter Frauengruppen sowie Martina Först-Schlüter vom Arbeitskreis Asyl unterstützen die Kandidatinnen, besetzen bewusst die hinteren Plätze auf der Liste zusammen mit Christine Fischer (Diakonie) und: „Wir dürfen zwar nicht wählen, aber theoretisch gewählt werden“, sagt Gudrun Körber. Mit so vielen Sitzen im Integrationsrat rechnen die Frauen aber (noch) nicht.

Das sind die Ziele der Kandidatinnen für den Integrationsrat:

Realistisch sind auch ihre Ziele: Für Kinder und Jugendliche muss mehr getan werden. Arbeitgeber müssen zusammen mit der Politik mehr Arbeitsplätze schaffen. Der Zugang zu Informationen muss für alle, auch für die deutschen Schwerter, viel leichter werden. Geflüchtete müssen besser untergebracht und betreut werde.

Der Dialog der Kulturen und Religionen muss weiter gepflegt werden, mehr Teilhabe an der demokratischen Mitgestaltung der Schwerter Kommunalpolitik wird gefordert. Geschützte Räume für Frauen und Männer sowie Jugendliche jeder sexuellen Orientierung, körperlicher Verfassung und Nationalität müssen geschaffen werden.

Gern hätten die Frauen noch Kandidatinnen unter den über 5500 Schwerterinnen und Schwertern mit ausländischen Wurzeln gesucht, aber dazu reichte die Vorbereitungszeit nicht.

Noch mehr Wahlbeteiligung für den Integrationsrat

Am kommenden Samstag und am Samstag, 12. September, stehen die „Starken Frauen“ mit einem Info-Tisch in der Fußgängerzone bei Bücher Bachmann – von 9 bis 13 Uhr erklären sie gern, wer sie sind und was sie wollen. Vor fünf Jahren gingen 800 Wahlberechtigte wählen – diesmal wollen die „Starken Frauen“ für eine höhere Wahlbeteiligung sorgen, durch viel Diskussion und Information.

  • In Schwerte leben ca. 5500 Frauen und Männer sowie Kinder aus über 100 verschiedenen Nationen – sogar aus Trinidad und Tobago, aus Singapur, aus Laos oder Korea.
  • Ihre Interessen soll der Integrationsrat gegenüber Rat und Verwaltung der Stadt Schwerte vertreten. Ziel ist die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in Schwerte am Leben hier.
  • Wählen darf den Integrationsrat nur, wer mindestens 16 Jahre alt ist und eine ausländische Staatsbürgerschaft hat – also auch EU-Bürger, zum Teil Geflüchtete oder Aussiedler.
  • Die Arbeit im Integrationsrat, der alle fünf Jahre neu gewählt wird, lebt von der Vielfalt der Mitglieder und den Anregungen aus der Bevölkerung. Der Integrationsrat hat beratende Funktion, beschließen kann das Gremium nichts.
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