Fast fotorealistisch hat der Graffiti-Künstler sein Werk auf die straßenseitige Fassade des ehemaligen Güterschuppens an der Margot-Röttger-Rath-Straße gesprüht. © Reinhard Schmitz
Freiluft-Galerie

Stadt sperrt Graffiti-Halle am Bahnhof: Betreten verboten

Zur Freiluft-Galerie gestalten durften Graffiti-Künstler die Güterhalle am Schwerter Bahnhof. Das sollte Aktionen an anderen Fassaden verhindern. Doch jetzt verbietet die Stadt das Betreten der Halle.

Berlin hat seine East-Side-Gallery, Schwerte seine Güterhalle an der Margot-Röttger-Rath-Straße. Fotorealistisch, wie auf dem überdimensionalen Abzug von einem Kodak-Schwarzweißfilm, rappen zwei Sänger auf der Backsteinfassade in ihre Mikrofone. Daneben schaut auf einer eisernen Schiebetür das Porträt einer jungen Frau – es könnte die Mona-Lisa von Schwerte sein – in die Ferne.

Stadt: Man sollte vermeiden, sich auf dem Grundstück aufzuhalten

„Hier entsteht großartige Kunst“, sagt Peter Blaschke vom Verein für Soziale Integrationshilfen (VSI): „Für Schwerter Jugendliche und Graffitikünstler ist das ein ganz besonderer Standort.“ Doch der ist jetzt nur noch eingeschränkt nutzbar. „Es gibt ein Betretungsverbot für das Gebäude“, sagt Stadt-Pressesprecher Ingo Rous: „Man sollte auch vermeiden, sich auf dem Grundstück aufzuhalten.“

Hunderte leere Spraydosen und sogar Farbeimer liegen hinter der früheren städtischen Salzhalle an der Margot-Röttger-Rath-Straße herum, deren Fassade zum legalen Besprühen freigegeben war.
Hunderte leere Spraydosen und sogar Farbeimer liegen hinter der früheren städtischen Salzhalle an der Margot-Röttger-Rath-Straße herum, deren Fassade zum legalen Besprühen freigegeben war. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Zumindest Ausstellungen im Inneren des Güterschuppens aus der Kaiserzeit, der eines der ältesten Gebäude im Bannkreis des Bahnhofs ist, sind damit nicht mehr möglich. Vor einigen Jahren hatte ihn die Stadt zusammen mit anderen Immobilien entlang der Schienen gekauft und im Frühjahr 2018 zum legalen Besprühen freigegeben.

„Das bietet Künstlern die Möglichkeit, im öffentlichen Raum ihrer Kunst Ausdruck zu verleihen und verhindert Graffiti an anderen Orten“, erklärt Peter Blaschke. Mit einer Einschränkung: Das sogenannte Taggen, also die wilden Kritzeleien in der Stadt, lasse sich damit nicht stoppen. Man könne einfach nicht alle erreichen.

Große Pläne für den Treffpunkt „Gleis 7“ verschwanden wieder

Zu den Sprühdosen-Virtuosen gesellten sich Moped-Fans, die unter dem Vordach ihre Zweiräder reparierten. Manchmal machten auch bis zu 60 Jugendliche einfach Party an der Rampe. 2018 kam sogar die Idee auf, den Schuppen zu renovieren und als Treffpunkt für Jugendliche und die sogenannte Stadtpark-Szene zu nutzen. Sogar einen Namen hatte das Projekt schon: Gleis 7. Doch nach dem Wechsel auf dem Bürgermeistersessel im Rathaus verschwand es.

Im Frühjahr 2018 hatte die Stadt erlaubt, die frühere Güterhalle an der Margott-Röttger-Rath-Straße zum legalen Sprühen von Grafftis zu benutzen.
Im Frühjahr 2018 hatte die Stadt erlaubt, die frühere Güterhalle an der Margott-Röttger-Rath-Straße zum legalen Sprühen von Grafftis zu benutzen. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Schon auf den ersten Blick von außen erscheint die Halle heute ziemlich marode. Dass sie vom städtischen Bauhof längere Zeit als Lager für Streusalz genutzt wurde, war der Substanz sicherlich auch nicht unbedingt förderlich. Richtig in Schuss gehalten wurde sie zuletzt wahrscheinlich nur, als sie von den 1970er-Jahren bis 1989 von der damaligen Fruchtbörse Limberg als Ladenlokal genutzt wurde. Doch dann zog die in einen Neubau an der Beckestraße, wurde später Rewe und machte schließlich Platz für den Jawoll-Markt.

Hunderte leere Sprühdosen liegen in der Landschaft herum

Die Kehrseite der bunten Graffiti-Bilder springt vor allem auf der Rückseite der Güterhalle hässlich ins Auge. Hunderte ausgedienter Sprühdosen und sogar Farbeimer liegen auf dem Streifen zu den Bahngleisen weggeworfen im Schotter. „Wenn wir die Müll-Problematik besser in den Griff bekämen…“, sagt Peter Blaschke fast schon mit einem Seufzer: „Wir wirken immer in die Szene, haben sogar schon Müllbeutel hingehängt.“

Doch – so räumt er ein – es gebe auch Uneinsichtige. Es werde aber bald wieder aufgeräumt, des erzieherischen Aspekts wegen am besten zusammen mit den Sprühern. Vielleicht ist aber die Stadt schneller. „Wir nehmen solche Hinweise auf Vermüllung ernst. Es wird nachgeschaut und aufgeräumt“, sagt Ingo Rous.

Die Mona-Lisa von Schwerte: Richtige Graffiti-Kunst ist auf dem großen Schiebetor des früheren Güterschuppens an der Margot-Röttger-Rath-Straße entstanden. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Die Sprüher-Szene hat noch zwei weitere Orte in der Stadt, wo sie legal nach ihren Vorstellungen gestalten kann. Wände dazu seien am Spielplatz Friedrich-Hegel-Straße und an der Ruhrstraße aufgestellt, weiß Peter Blaschke. Außerdem konnten in den Ruhrwiesen ein Jahr lang mit einer Sondergenehmigung die Betonpfeiler der Ruhrtalbrücke der Autobahn 45 bunt gestaltet werden. Die Erlaubnis sei aber danach nicht verlängert worden. Als gemeinsames Projekt mit der Stadtwerken könnten jetzt fünf Stromhäuschen gestaltet werden.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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