Stadt Schwerte ist zurückhaltend bei Luftreinigern gegen Corona

dzVerbrauchertipp

Das Land hat ein Finanzprogramm zur Anschaffung von Luftreinigern für Schulen aufgelegt. Bislang ist Schwerte zurückhaltend. Doch was können die Geräte eigentlich?

Schwerte

, 08.11.2020, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die zuständigen Dezernenten der Städte hätten sich kreisweit abgesprochen, erklärt Schwertes Erster Beigeordneter Tim Frommeyer auf Anfrage der Grünen in der jüngsten Ratssitzung. Das Ergebnis: Bislang wisse man nicht, was diese Geräte wirklich können und wofür man Sie dann brauche. So lange wolle man abwarten und zunächst mal keine Geräte anschaffen.

Auch die Verbraucherzentrale hat sich mit den angeblichen Wundergeräten beschäftigt und kommt ebenfalls zu ernüchternden Erkenntnissen. Die Geräte können zwar beim Corona-Schutz helfen aber...

Was tun gegen Aerosole in der Luft?

In den kühleren Tagen im Herbst und Winter verlagert sich das Leben wieder mehr in die Innenräume. Damit steigt auch die Sorge vor Ansteckung mit dem Corona-Virus in Schulen, Büros oder Cafés. Insbesondere in geschlossenen Räumen können die virenübertragenden Aerosole über einen längeren Zeitraum in der Luft verbleiben.

Jetzt lesen

Als sinnvolle Lösung zur Verringerung des Infektionsrisikos stößt man neben regelmäßigem Lüften und dem Einhalten der AHA-Regeln (Abstand halten, Hygienemaßnahmen und Alltagsmaske) oft auf mobile Luftreiniger. Doch kann deren Einsatz wirklich dabei helfen, geöffnete Fenster in den kalten Tagen zu vermeiden?

Mobile Luftreiniger kein Corona-Wundermittel

Die Schwerter Beratungsstelle der Verbraucherzentrale warnt davor, sich für die kommenden Monate auf den mobilen Luftreiniger als Wundermittel gegen die Corona-Verbreitung zu verlassen.

„Damit wiegen sich die Menschen in falscher Sicherheit. Denn die Geräte können laut Umweltbundesamt nur eine unterstützende Maßnahme sein.“, erklärt Angelika Weischer von der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in Schwerte. „Regelmäßiges Lüften und das Einhalten der AHA-Regeln können sie dagegen nicht ersetzen.“

Jetzt lesen

Beim Kauf eines Luftreinigers solle man zudem nicht blind auf die Werbeaussagen der Hersteller vertrauen, raten die Verbraucherschützer. „Vor allem Werbeaussagen in Bezug auf Virenabwehr sollten unter realitätsnahen Bedingungen von unabhängigen, seriösen Stellen bestätigt sein.“ Vor dem Kauf und Einsatz von Luftreinigern sollten daher mehrere Punkte beachtet werden.

Lüften bleibt das A und O

Der Verbraucherschutz rät trotz des Einsatzes eines Luftreinigers die geltenden Lüftungsregeln zu beachten – insbesondere in Räumen, in denen sich mehrere Menschen aufhalten. So könne die mögliche Virenkonzentration in der Raumluft reduziert werden.

Sollte keine eingebaute Lüftungsanlage vorhanden sein, empfiehlt die Verbraucherzentrale das klassische Lüften mit weit geöffnetem Fenster. Für einen schnellen Luftaustausch sei eine Querlüftung mit Durchzug optimal. Dauerhaft oder zeitweise gekippte Fenster seien dagegen nur wenig wirksam.

Außerdem seien nicht alle Filter gleichermaßen dafür geeignet, virushaltige Partikel aus der Luft zurückzuhalten. „Die üblicherweise eingesetzten Filter (F7 bis F9) können keine mit Viren beladenen Tröpfchen filtern.“, heißt es in einer Pressemitteilung der Verbraucherzentrale. Nützlich seien dagegen nur Modelle mit einem sogenannten HEPA-Filter. Zudem müsse darauf geachtet werden, die Luftfilter regelmäßig durch geschultes Personal auswechseln zu lassen.

Richtiges Modell und richtige Position

Wichtig für den richtigen Einsatz des mobilen Luftreinigers sei auch seine Ausrichtung im Raum. „Die gefilterte Luftmenge sollte auf die Raumgröße und -Belegung abgestimmt werden“, rät die Verbraucherzentrale. Ist die Saugrichtung des Luftreinigers nicht richtig positioniert, könne der Luftreiniger die Raumluft nicht ordnungsgemäß ansaugen. Stattdessen werde die virenbeladene Luft nur weiter im Raum verteilt.

Bei der Wahl des richtigen Modells raten die Verbraucherschützer zur Vorsicht: „Luftreiniger, die mit Ozon arbeiten, können die Raumluft mit diesem Reizgas belasten und neue gesundheitsschädliche Stoffe entstehen lassen.“

Andere Geräte-Typen, die die Luft im Raum ionisieren, können Viren nicht wirksam unschädlich machen. Dabei werde zudem Ozon gebildet, das nur bei einigen Geräten bereits beim Luftreinigungsvorgang in harmlosere Verbindungen umgewandelt wird. Wiederum andere Luftreiniger arbeiten mit einem UV-C-Licht, also sogenannter ultravioletter Strahlung. UV-Technik sei prinzipiell in der Lage, Viren unschädlich zu machen. Ob die handelsüblichen Geräte dafür geeignet sind, ist laut dem Bundesumweltamt allerdings noch nicht bestätigt.

Weitere Informationen zu gesunder Raumluft finden Sie unter www.verbraucherzentrale.nrw/schadstoffe sowie telefonisch unter (02304) 942260.
Lesen Sie jetzt