Das komplette Innere der Diskothek For You hat Ernst Montenbruck ausgemalt, unter anderem mit dem Bilderzyklus „Neptun und seine Gespielinnen" auf Glas an der Theke. © Reinhard Schmitz (A)
Koryphäe und Vorbild

Spuren in Kneipen: Wie Architekten vom Maler Montenbruck profitierten

Spuren in Schwerte hat der Architekt und Künstler Ernst Montenbruck hinterlassen. Er beeinflusste eine Generation von Baumeistern. Friedrich Sieberg (75) lernte ihn als Lehrling kennen.

Die Lehrlinge drehten ihre Köpfe: Da kam er wieder. Alle paar Wochen schritt der Künstler Ernst Montenbruck über den Hof des Baugeschäfts Frage an der Freiherr-vom-Stein-Straße, um mit den Inhabern Karl und Theodor Frage weitere Projekte zu besprechen.

„Das waren Koryphäen. Man hat zu diesen Leuten aufgeschaut“, sagt Architekt Friedrich Sieberg (75), der von 1965 bis 1968 bei der Firma eine Maurerlehre absolvierte. Der legendäre Polier Caspar Rose brachte ihm – wie vielen anderen Architekten seiner Generation – auch das Eisenbiegen und Zimmern bei. Denn ohne handwerkliche Ausbildung von der Pike auf gab es keine Zulassung zum Studium.

In vielen Lokalen hat Ernst Montenbruck seine Spuren hinterlassen

„Das, was die geschaffen haben, das möchte ich auch schaffen“, hatte sich Friedrich Sieberg vorgenommen. Die Architekten Carl H.J. Schmitz, dessen Stern in Schwerte mit dem Bau des Neuen Rathauses aufgegangen war sowie dessen Berufskollegen Karl und Theodor Frage hätten das Stadtbild positiv geprägt. Auch Ernst Montenbruck sei nicht nur ein begabter Freskenmaler, sondern auch guter Architekt – vor allem für den Innenausbau – gewesen. In den Schwerter Gaststätten habe man die Vier oft beim gemütlichen Umtrunk und Erfahrungsaustausch antreffen können.

Hoch über den Dächern von Ergste hat der Architekt Friedrich Sieberg (75) an der Kirchstraße sein Büro. Als junger Mann hat er noch den Künstler Ernst Montenbruck kennengelernt, der überwiegend als Innenarchitekt tätig war.
Hoch über den Dächern von Ergste hat der Architekt Friedrich Sieberg (75) an der Kirchstraße sein Büro. Als junger Mann hat er noch den Künstler Ernst Montenbruck kennengelernt, der überwiegend als Innenarchitekt tätig war. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

In manchen Lokalen hinterließ Ernst Montenbruck sogar seine Spuren an den Wänden. Schöne Freskenmalereien seien in der ersten Etage von Haus Menzebach an der Ostenstraße zu finden gewesen, erinnert sich Friedrich Sieberg. Die Bilder sind allerdings im Laufe der Jahre verschwunden. Dagegen wacht der Blechritter, den „Monti“ einst zu Reklamezwecken für den Wirt von Alt Schwerte schuf, immer noch über der längst geschlossenen Kneipe in der Fußgängerzone. Und ein Gesamtkunstwerk ist das Innere der Diskothek For You an der Unnaer Straße.

Einen großen privaten Partykeller im Schwerter Norden hat Ernst Montenbruck rundherum ausgemalt. En einer Ecke verewigte sich „Monti“ per Selbstporträt.
Einen großen privaten Partykeller im Schwerter Norden hat Ernst Montenbruck rundherum ausgemalt. En einer Ecke verewigte sich „Monti“ per Selbstporträt. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Auch die große Wartehalle im Bahnhof Schwerte hatte der Künstler Ende der 1950er-Jahre mit Werbemotiven für heimische Wirtschaftsbetriebe ausgemalt. Sie kamen vor zehn Jahren kurzzeitig ans Licht, als bei einer Renovierung eine Holzverkleidung abgerissen wurde – bevor Anstreicher alles wieder hinter einer Schutzschicht verschwinden ließen.

Auf die Wände der großen Bahnhofshalle malte Ernst Montenbruck Werbung für Schwerter Wirtschaftsunternehmen wie die Gießerei Hundhausen. Mit einer Schutzschicht konserviert, sind sie hinter einem Neuanstrich verschwunden.
Auf die Wände der großen Bahnhofshalle malte Ernst Montenbruck Werbung für Schwerter Wirtschaftsunternehmen wie die Gießerei Hundhausen. Mit einer Schutzschicht konserviert, sind sie hinter einem Neuanstrich verschwunden. © Reinhard Schmitz (A) © Reinhard Schmitz (A)

Friedrich Sieberg, der selbst allein 50 Häuser in seinem Heimat-Ortsteil Ergste errichtete, zählte zur nächsten Generation der Schwerter Architekten. „Zu erwähnen sind hier die Fachkollegen Rainer Viehoff, Klaus Künkler, Werner Remscheid, Eugen Weimann, Peter Krajewski, Udo Pitussi und Willi Cramer“, sagt er. Alle hätten sie bei Frage gelernt und vom Schaffen ihrer Vorgänger profitiert. „Das ist ein schöner Beruf: Man sieht seine Schandtaten“, erklärt der 75-Jährige: „Wer das nicht will, muss Tiefbau studieren.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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