Eine Echobox namens Alexa unterm Weihnachtsbaum. Finden viele großartig. Manchmal möchte man das Gerät aber am liebsten knebeln. © Martina Niehaus
Alexa

„Soll ich furzen?“ Wie Alexa Familien an den Rand der Verzweiflung bringt

Alexa kann Licht einschalten, Fragen beantworten und Musik abspielen. Doch Vorsicht ist geboten: Damit der Nachwuchs nicht auf dumme Gedanken kommt. Und kostenpflichtige Furzpakete bestellt.

Eigentlich heißt die neue Mitbewohnerin vieler Haushalte ja gar nicht Alexa, sondern „Sprachlautsprecher Echo“ von Amazon. Aber sowas sagt ja keiner. Also heißt Alexa, wie sie heißt. Und bringt nicht nur die Familien zur Verzweiflung, die ihre Tochter genauso genannt haben.

So wie die Mitschülerin meines Sohnes. Die Achtklässlerin nennt sich jetzt Lexa, weil sie einfach keinen Bock mehr darauf hat, dass alle sie ständig auffordern, das Licht einzuschalten oder die Uhrzeit zu sagen. Aber das ist nur ein persönliches Schicksal am Rande.

Achtung: Schon Kinder können shoppen

Was alle Familien, die sich den schlauen Lautsprecher zulegen, wissen sollten: Alexa kann nicht nur die Entfernung vom Mond zur Erde berechnen (356.000 Kilometer), Einkaufslisten erstellen und die Wettervorhersage runterleiern.

Sie kann auch einkaufen. Als Amazon Prime-Kunde geht das ganz flott, per Spracherkennung. Nicht nur Erwachsene können hier nach Belieben shoppen – auch Kinder können das.

Das hat auch Jasmin B. festgestellt. Die 31-Jährige, die als Reiseverkehrskauffrau in Schwerte arbeitet, hat zu Weihnachten eine „Alexa“ bekommen. Zur Freude ihrer dreijährigen Tochter Anna. Die tätigt in einem unbeachteten Moment den ersten Online-Einkauf ihres Lebens.

„Willkommen bei Megafurz!“

Jasmin B. erinnert sich daran, was ein paar Tage nach Heiligabend passiert ist. „Ich habe mich mit meinem Bruder unterhalten. Im Hintergrund habe ich gehört, wie die Kleine unsere Echobox aufgefordert hat, zu pupsen. Aber ich habe nicht weiter darauf geachtet.“

Was genau ihre Tochter mit Alexa bespricht, kann Jasmin B. später im Verlauf auf ihrem Handy nachlesen. Anfangs ziert sich der Lautsprecher bei der Pups-Aufforderung noch.

„Mir selbst ist das unangenehm.“

Das hört sich ja zunächst ganz vornehm und kindgerecht an. Doch dann beschließt Alexa offenbar, in die Offensive zu gehen. Und bietet der Dreijährigen einen kleinen Wettbewerb an.

„Darum starte ich einen Skill für dich. Willkommen bei Megafurz. Soll ich furzen?“

Wie kann ein dreijähriges Kind so ein verlockendes Angebot ausschlagen? Die Antwort von Jasmins Tochter lautet natürlich: „Ja.“ Und Alexa steigt ein. Mit diversen Geräuschen, die alle sehr unterschiedlich klingen. Das Kind ist begeistert.

„Das war einer der Marke lang und ratternd! Frag mich doch mal nach einem langen und zischenden Furz! Oder sag ,zufällig‘!“

„Großartig!“

Weil Mama Jasmin immer noch abgelenkt ist, wird ihr nicht bewusst, dass die Echobox ihrer Tochter irgendwann einen Einkauf vorschlägt. „Auf einmal hörte ich, wie Alexa irgendwas sagte wie ‚Großartig. Du hast ein Erweiterungspack gekauft.‘ Da habe ich erst mal nachgeschaut.“

So einfach geht das. Selbst Dreijährige können schon
So einfach geht das. Selbst Dreijährige können schon „Ja“ sagen. © privat © privat

Und was ihre Tochter da für ein Paket gekauft hat.

„Großartig! Du hast das Erweiterungspack ‚Oberkrasse Fürze‘ gekauft.“

Die Shopping-Lust am besten sperren lassen

Im Sprachverlauf sieht Jasmin B., dass die Einkaufsaktion relativ glimpflich abgelaufen ist. Das Pack (Alexa spricht es als „Erweiterung-Spack“ aus) kostet nur 1,60 Euro. Und immerhin kann sich ihre Tochter mit diesem Einkauf Drachen-Fürze anhören oder sich von Alexa „Happy Birthday“ furzen lassen. Das hat nicht jeder. Alexa würde sagen: Großartig!

Ein Screenshot des nicht ganz freiwilligen Furz-Einkaufs
Ein Screenshot des nicht ganz freiwilligen Furz-Einkaufs © privat © privat

Im Nachinein muss Jasmin B. über die Aktion lachen. „Wir haben dann erstmal in den Einstellungen den Spracheinkauf gesperrt.“ Damit ist die Familie auf der sicheren Seite. Man weiß ja nicht, ob eine Dreijährige irgendwann beschließt, fünfzig Kilo Hundefutter oder andere „oberkrasse“ Dinge zu bestellen.

Zweifelhafter Musikgeschmack?

Und auch bei älteren Kindern sollte man auf der Hut sein, wenn sie der kleinen grauen Box Befehle erteilen. Als mein gelangweilter Dreizehnjähriger vor einiger Zeit partout nicht wusste, was für Musik er hören wollte, schlug er der Echobox vor: „Alexa, spiel irgendwas. Spiel Huga Tschacka!“

Alexa kam der Aufforderung gerne nach. Und spielte „Huga Tschacka Töff Töff“, ein Lied aus der Feder der Duisburger Satire-Punkband „Eisenpimmel“. Mit einem Refrain, bei dem selbst hartgesottenen Müttern die Ohren abfallen.

Alexa! Stopp!!!

Sie haben Kinder UND eine Alexa? Großartig! Auf diese drei Dinge sollten Sie achten:

  • 1. Shopping-Touren verhindern

Um zu verhindern, dass die lieben Kleinen allein auf ausgedehnte Shopping-Touren gehen, kann man in den Einstellungen die Option „Spracheinkauf“ abschalten – oder einen PIN-Code einrichten. Doch Vorsicht: Wenn man die PIN vor dem eigenen Einkauf laut spricht, hört das der Nachwuchs natürlich auch.

  • 2. Hausaufgaben-Schummelei

Alexa ist hilfsbereit. Manchmal zu hilfsbereit. Natürlich ist es egal, ob die Kinder nach der Mondentfernung googeln oder den Lautsprecher fragen. Aber Alexa ziert sich auch nicht, wenn der Drittklässler nach den Lösungen für die Mathe-Aufgaben fragt. Also: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser.

  • 3. Furzgeräusche und Schimpfwörter

Auch wenn Alexa grundsätzlich eine höfliche Natur hat: Wenn der Junior sich ein Lied wünscht, spielt sie es ohne zu zögern ab. Und wenn das die unanständigen Texte der Punkband sind, dann ist das halt so. Eine Kindersicherung gibt es nicht. Wenn man abends auf der sicheren Seite sein möchte, kann man in den Einstellungen natürlich auch die Zeit anwählen. Und Alexa bleibt stumm.

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus

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