Viel Stimmung kam im Wahlstudio nicht auf. Erstens waren nur wenige Ratsmitglieder gekommen. Und von denen, die da waren, hätten sich die meisten ein besseres Ergebnis für ihre Parteien gewünscht. © Johannes Brüne
Bundestagswahl

So stimmte Bergkamen ab: Wenn viele wählen gehen, ist das gut für die SPD

In Bergkamen gibt es anders als im Bund einen klaren Wahlsieger: Die SPD. Die Partei holt in der Stadt über 41 Prozent der Zweitstimmen, die CDU verliert. Die SPD profitiert von der hohen Wahlbeteiligung.

Die Chefs der Ratsfraktionen von CDU und Grünen, Thomas Heinzel und Thomas Grziwotz, sind politisch nur selten einer Meinung. Die ersten Ergebnismeldungen für ihre Parteien bei der Bundestagswahl kommentierten sie aber wortgleich: „Wir hätten uns mehr gewünscht!“ Der Grüne wegen der Umfragen, die zwischenzeitlich deutlich mehr Prozente erwarten ließen. Der Christdemokrat, weil er das Ergebnis, das die CDU auf Bundesebene einfuhr, aus der SPD-Hochburg Bergkamen kennt: Dort holte die CDU bei der Kommunalwahl vor einem Jahr 27,84 Prozent – und damit ein besseres Ergebnis als die Union bei der Bundestagswahl Das sollte den Christdemokraten wirklich Sorgen machen.

Anders als bei der Kommunalwahl vor fast genau einem Jahr, bei der die Bergkamener SPD die absolute Mehrheit in Bergkamen verlor, hatte sie diesmal Grund zur Freude über das Ergebnis.

Im Wahlstudio ist nicht allzu viel los

Jubelschreie blieben aber aus, als um 18 Uhr der Bundestrend auf dem Fernseher im Ratssaal lief. Das lag vor allem daran, dass es ziemlich leer war im Bergkamener Wahlstudio.

Zugelassen waren wegen der Corona-Pandemie ohnehin nur die Mitglieder des Stadtrates und selbst diese kamen keineswegs vollzählig. Vielleicht konnten es die Sozialdemokraten auch gar nicht so recht glauben, dass sich ihr bundesweiter Aufwärtstrend tatsächlich in einem guten Wahlergebnis niederschlug.

Schließlich sah es vor noch nicht allzu langer Zeit in den Umfragen ganz anders aus. Das hat Rünthes Ortsvorsteher Klaus Kuhlmann nicht vergessen. Hätte man ihm vor vier Monaten prognostiziert, die SPD habe die Chance, stärkste Kraft im Bundestags zu werden, hätte er geantwortet: „Du spinnst!“ Fraktionschef Knut Bommer drückte das ähnlich aus. Umso erleichterter waren beide über das gute SPD-Ergebnis – im Bund und in Bergkamen

Der Andrang in den Bergkamener Wahllokalen bei der Bundestagswahl am Sonntag war groß. Tobias Vogt gab seine Stimme im Vereinsheim des Kleingärtnervereins Krähenwinkel ab, Tochter Leonie begleitete ihn. © Johannes Brüne © Johannes Brüne

Dafür hatte SPD-Ratsmitglied Julian Deuse eine Erklärung: „Armin Laschet war unsere bester Wahlhelfer.“ Dem widersprach Christdemokrat Heinzel dann doch. Auf die Frage, ob die Union mit Markus Söder als Kanzlerkandidat mehr Prozente eingefahren hätte, gab er eine eindeutige Antwort: „Nein!“

Deuse wies aber noch auf einen anderen Punkt hin, der die politische Situation in Bergkamen ziemlich genau analysierte. „Wir gewinnen immer dann, wenn die Wahlbeteiligung hoch ist.“ Und die war an diesem Wahlsonntag in Bergkamen hoch. So hoch, dass in einigen Wahllokalen sogar die Wahlzettel ausgingen und nachgeliefert werden mussten. Einige Wähler mussten auf ihre Stimmabgabe warten. Eine möglichen Grund für eine Wahlanfechtung sieht Bürgermeister Schäfer darin aber nicht.

Die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer bei der Bundestagswahl am Sonntag waren angesichts der Pandemie gut geschützt. Petra Hamer, Anika Hartl und Aylin Tietz empfingen die Wähler im Vereinslokal des Kleingartenvereins Krähenwinkel. © Johannes Brüne © Johannes Brüne

Zu der hohen Wahlbeteiligung trugen auch die Briefwähler bei: Von den rund 36.500 Wahlberechtigten stimmten 9863 postalisch ab. Das entspricht rund 27 Prozent.

Auch bei den Briefwählern lag die SPD eindeutig vorne. Und so verbesserte sie ich im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 in Bergkamen um rund zwei Prozentpunkte auf über 41 Prozent und kam dem Kommunalwahlergebnis vom vergangenen Jahr nahe (knapp 43 Prozent). Das galt damals allerdings wegen des Verlustes der absoluten Mehrheit als Dämpfer.

Auch SPD-Wahlkreiskandidat Oliver Kaczmarek holte in Bergkamen mit rund 46 Prozent eine klare Mehrheit. Die Bergkamener CDU blieb unter 20 Prozent und dem ohnehin schwachen Bundesergebnis. Und alle Demokraten freuten sich, dass die AfD verlor und unter zehn Prozent rutschte.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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