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So pünktlich ist die Bahn wirklich: Der Selbstversuch zwischen Schwerte, Dortmund und Essen

dzVerspätungen der Bahn

Pendler schimpfen oft über unpünktliche Züge. Der Nahverkehrsverband behauptet, 94 Prozent der Verbindungen seien pünktlich. Wir machten einen Selbstversuch und kamen auf ein anderes Ergebnis.

Schwerte

, 17.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Pendeln mit der Bahn - für viele kein Vergnügen. So auch für Andreas Richter aus Ergste, der sich per Mail an unsere Redaktion wandte. Er fährt über Schwerte nach Essen zur Arbeit und berichtet, dass die RB 53 nach Dortmund gefühlt jeden zweiten Tag zu spät kommen würde. „Sie sollten sich mal eine Woche morgens um kurz nach 7 Uhr auf den Bahnsteig stellen und sich das Schauspiel ansehen“, so Richter weiter.

Ich horchte bei dieser Mail auf, denn ich pendele den umgekehrten Weg von Essen nach Schwerte. Mein Arbeitsplatz ist die Lokalredaktion der Ruhr Nachrichten. Hier bin ich als Volontär tätig, absolviere also meine journalistische Ausbildung. Nach der Mail beschloss ich, Buch darüber zu führen, wie pünktlich die Bahn denn tatsächlich ist und habe alles protokolliert.

Zwei Wege von Essen nach Schwerte

Insgesamt habe ich 59 Fahrten ausgewertet. Am Essener Hauptbahnhof beginnt mein Arbeitsweg. Es gibt zwei Möglichkeiten nach Schwerte zu gelangen: Entweder über Dortmund oder über Hagen.

Nach Dortmund fahren unterschiedliche Züge, beispielsweise der RE 1/6/11. Diese Strecke ist eine der unzuverlässigsten auf dem Weg zu meiner Arbeit. Von 21 Fahrten waren gerade mal 12 pünktlich. Das heißt: Fast jeder zweite Zug kam zu spät, einmal fiel die Bahn aus. Die Verspätung betrug drei Mal bis zu fünf Minuten, vier Mal bis zu zehn Minuten und ein Mal sogar bis zu 15 Minuten.

Eine Verspätung von fünf Minuten hört sich zunächst nicht weiter tragisch an. Meine Umsteigezeit in Dortmund beträgt jedoch nur neun Minuten. Umso wichtiger wäre eine pünktliche Ankunft. Vor allem, weil der RB 53, mit dem ich nach Schwerte weiter fahre, die mit Abstand pünktlichste Verbindung auf meinem Weg ist. Von 21 Fahrten waren 18 auf die Minute pünktlich. Zwei Mal verspätete sich der RB 53 bis zu fünf Minuten, ein Mal fiel die Bahn aus.

Paradoxerweise bezog sich die Beschwerde von Andreas Richter auf die RB 53. Gut möglich, dass der Zeitraum eine Rolle spielt. Richters Nachricht erreichte uns am 2. Oktober. Meine Beobachtungen beziehen sich auf den Zeitraum 17. Oktober bis 6. Dezember und sind natürlich nicht repräsentativ.

Der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), der für diesen Streckabschnitt zuständig ist, konnte uns auf Nachfrage keine Auskunft zu aktuellen Verspätungen erteilen. Michael Hergarten, verantwortlich für den Bereich Verkehrsplanung, verwies auf den jährlich erscheinenden Qualitätsbericht des NWL. Aus diesem geht hervor, dass 94,4 Prozent aller Fahrten des RB 53 pünktlich waren. Damit liegt diese Verbindung über dem Durchschnittswert des NWL von 89,9 Prozent.

Der RE 16 schneidet am schlechtesten ab

Eine weitere Bahnverbindung von Essen nach Schwerte führt über Hagen mit dem RE 16. Auf diese Route weicht Andreas Richter auch aus und sagt: „Das klappt in der Regel gut.“ Diese Verbindung erwies sich laut meiner Erfahrung allerdings am unzuverlässigsten.

Von zehn Fahrten waren gerade mal vier pünktlich, also weniger als jede zweite. Die Verspätung betrug jeweils zwei Mal bis zu fünfzehn Minuten.

Laut dem Verkehrsbericht des Verkehrsverbundes Rhein Ruhr haben „die Fahrgäste 2017 im Durchschnitt beinahe zwei Minuten später ihr Ziel erreicht.“ Durchschnittswerte sind jedoch insofern tückisch, weil einzelne hohe Verspätungen nicht daraus hervorgehen.

Anschlusszüge leiden unter Verspätungen

Die Verspätungen auf dieser Route wirkten sich wiederum auf meine Anschlussverbindungen in Hagen aus, weil meine Umsteigezeit im Hagener Hauptbahnhof 8 Minuten beträgt, wenn ich den RE 17 in Richtung Schwerte nehme. Einige Male habe ich die Anschlussverbindung verpasst und bin aus dem Grund auf den RE 7 oder RE 13 ausgewichen.

Die Verbindungen von Hagen nach Schwerte gehörten zu den pünktlicheren. Von sieben Fahrten kamen fünf auf die Minute, zwei verspäteten sich bis zu fünf Minuten.

Auffällig war, dass Direktverbindungen von und nach Schwerte am pünktlichsten waren. Wer also von Schwerte nach Dortmund oder Hagen pendelt, wäre bei 31 Fahrten 26 Mal pünktlich gewesen. Die meisten Verzögerungen resultierten durch Verspätungen am Essener Hbf. Von 29 Fahrten waren 13 unpünktlich.

Zusammengefasst waren von 59 Fahrten, die ich insgesamt ausgewertet habe, 39 pünktlich. Neun Züge verspäteten sich bis zu fünf Minuten, sechs bis zu 10 Minuten, drei bis zu 15 Minuten und zwei Züge sind ausgefallen.

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