So funktioniert ein Besuch im Autotheater: Zeitig kommen, Radio kennen

dzKultur in Schwerte

Wie ist ein Besuch im Autotheater, lohnt sich das? Muss ich was beachten? Wie früh muss ich da sein? So läuft ein Besuch im Autotheater Ruhr ab.

Schwerte

, 30.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie früh muss man eigentlich da sein, um einen guten Platz zu bekommen? Gibt es Probleme bei der An- und Abreise? Wie läuft das mit dem Ton? Und wie fühlt sich Theater ohne Applaus an? Fragen, die sich den meisten Besuchern des Autotheaters an der Ruhr stellen. Schließlich ist es für viele das erste Mal. Das war es am Freitag auch für mich.

15 Minuten vor Beginn ist man schon letzter

Kleinkunst in der Rohrmeisterei, das ist klar. Man hat ein Ticket, geht auf den reservierten Platz und kann von fast allen Plätzen gleich gut sehen. Aber Kleinkunst auf dem Plateau? Wir entscheiden uns 15 Minuten vor Beginn anzureisen. Schließlich ist es die zweite Vorstellung an diesem Abend. Und damit die Kunden der Musikfamilie Feuerstein wieder abreisen können, passieren wir die Ruhrstraße um 19.45 Uhr. Um es kurz zu machen, da sind wir schon das letzte Fahrzeug, das für diesen Abend durch die schmale Schleuse mit der Kamera zur Kennzeichenerfassung fährt.

Folglich muss man sich hinten einreihen. Doch die Helfer des Theaters an der Ruhr sorgen dafür, dass alle so stehen, dass ein freier Blick auf die Bühne geregelt ist. Der Ton kommt aus dem Autoradio: Achtung, besser ist es vorher zu klären, wie man sein Autoradio ohne Zündung betreiben kann. Schließlich soll der Batteriestrom auch noch für Warnblinker und Lichthupe reichen. Die sind nämlich anstelle von Applaus vorgesehen. Und am Ende soll der Wagen auch noch anspringen.

Und natürlich ging es auch auf Tuchfühlung mit dem Publikum.

Und natürlich ging es auch auf Tuchfühlung mit dem Publikum. © Heiko Mühlbauer

Nach einigen Versuchen, am Ende musste man nur den Fuß von der Kupplung nehmen, kann es losgehen. Vorne moderiert Schwertes Welttheater-Macher Holger Erich in seinem alter Ego als Roger vom Duo Diagonal gemeinsam mit seiner Partnerin und Ehefrau Deana den besonderen Kleinkunstabend.

Gäste machen es sich im Auto gemütlich

Die Gäste machen es sich in ihren Autos gemütlich. Manche haben ihr Picknick selbst dabei, andere bestellen bei der Rohrmeisterei. Das macht man auf einem Zettel, der an der Einfahrt verteilt wird. Das Personal der Rohrmeisterei serviert an der Autoscheibe. Nur wer dringend mal muss, darf aussteigen. Das Klo befindet sich in der Rohrmeisterei.

Ingo Oschmann alleine auf der großen Bühne.

Ingo Oschmann alleine auf der großen Bühne. © Heiko Mühlbauer

Die Stimmung ist irgendwie besonders. Durch die Autoscheiben sieht man zwar die Nachbarn - unsere haben die Sitze leicht nach hinten gestellt. Ihre Position erinnert ein wenig an die heimatliche Couch. Ich kann sehen, dass sie offensichtlich Spaß haben.

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Was fehlt , ist das ansteckende Lachen im Saal, das Comedy-Veranstaltungen auszeichnet. Der Sound ist super, man kann gut sehen, aber in der insgesamt vierten Reihe ist die Bühne doch weit weg. Das macht bei Helmut Sanftenschneider und Ingo Oschmann, die komplett auf Wort und Musik setzen, gar nichts. Schwierig ist, die im kleinen Saal großartige Körperkomik des Duos Diagonal zu erkennen. Ein besonders gut präparierter Besucher hat sich mit einem Fernglas ausgerüstet. Das erkennen aber auch die Akteure auf der Bühne, und so wird er zumindest verbal zu einem Teil der Show.

Zum Abschied winken die Akteure

Um 21.30 Uhr geht langsam die Sonne unter, und die Darsteller kommen zum Finale. Dann werden die Autos wieder ausgewiesen, damit sie nicht die schmale Einfahrt verstopfen. Die Darsteller verabschieden sie mit Winken an der Ausfahrt. Auch das geht schnell und reibungslos. Nach zehn Minuten ist das Plateau wieder leer.

Die Darsteller verabschiedeten ihr Publikum durch Winken.

Die Darsteller verabschiedeten ihr Publikum durch Winken. © Heiko Mühlbauer

Fazit: Es war ein sehr unterhaltsamer Abend, der ein wenig Normalität in diese Zeit zurückholt. Die 20 Euro (pro Auto) waren gut angelegt. Und sind wir ehrlich, die Alternative hätte vermutlich Fernsehgucken daheim bedeutet.

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