Tobias Bäcker bleibt Stiftungsvorstand und wird Geschäftsführer der Rohmeisterei GmbH. © Bernd Paulitschke (Archiv)
Neues Konzept

Siebenstellige Umsatzverluste durch Corona: Rohrmeisterei teilt Betrieb auf

Die Coronakrise hat die Rohrmeisterei schwer getroffen mit Umsatzverlusten in siebenstelliger Höhe. Jetzt gibt es eine Lösung – durch eine klare Trennung, die bislang als unmöglich galt.

Einen siebenstelligen Umsatzverlust hat der Corona-Lockdown der Rohrmeisterei beschert. Quasi keine Einnahmen, aber weiterhin die Kosten für das Denkmal und den Betrieb. Dazu keine Hilfen vom Staat, denn die Gastronomie gehörte zur Bürgerstiftung und die betreibt die Gastronomie. Da gab es nichts für Selbstständige und Betriebe und zu Beginn auch nicht für Kulturschaffende. Die Mischform verhinderte die Coronahilfen.

„Nach dem öffentlichen Aufruf ‚Gemeinsam Rohrmeisterei‘ im April 2020 hatten viele Freundinnen und Freunde der Bürgerstiftung geholfen – mit Spenden, Zustiftungen, dem Erwerb von Genuss-Scheinen, Ticket- und Gutscheinkäufen. Diese Welle der Unterstützung und der Beitrag des weiterhin in Kurzarbeit befindlichen Teams halfen der Rohrmeisterei über den Sommer“, sagt Rohmeisterei-Vorstand Tobias Bäcker. Doch das alleine hätte nicht geholfen.

Gastronomie und Stiftung sind jetzt getrennt

Deshalb wurde die Gastronomie jetzt aus der Stiftung ausgegliedert. Eine neu gegründete, kapitalstark ausgestattete Gesellschaft, die Rohrmeisterei GmbH, führt zukünftig den Gastronomie- und Bankettbetrieb als Mieterin der Bürgerstiftung Rohrmeisterei, die ihrerseits das denkmalgeschützte Gebäude erhält und weiterhin kulturell-gemeinnützig nutzt.

Die neue „Rohrmeisterei GmbH“ wird von sechs Gesellschaftern getragen, die als Freunde der Rohrmeisterei aus Schwerte und der Region, die Zukunft der Rohrmeisterei sichern wollen. Dazu mussten die Gesellschafter, zu denen laut Bäcker Privatpersonen und Unternehmen gehören, zunächst Geld in die Hand nehmen. Denn die GmbH mietet das Restaurant dauerhaft und bucht auch ein festes Kontingent an Zeiten in der Halle. Und das ab sofort.

Die Rohrmeisterei: Ein neues Konstrukt soll das wirtschaftliche Überleben mit und nach Corona sichern. © Foto Archiv © Foto Archiv

Nur so konnten wir die im Frühjahr aufgelaufenen Verbindlichkeiten bedienen“, erklärt Bäcker. Auch wenn es im Herbst, nicht zuletzt durch die neue Konstruktion, Hilfen gab.

GmbH soll Profit erwirtschaften und zahlt Miete

Die neue Gastronomie-GmbH wird profitabel ausgerichtet sein und über ihre festen Mietzahlungen die Bürgerstiftung stützen und entlasten. Sie übernimmt das bestehende Gastronomie-Team und führt den Restaurant- und Bankettbetrieb, den bisherigen gewerblichen Teil der Bürgerstiftung, nahtlos in eigenständiger Form weiter.

Damit sind auch die Geschäftsbereiche klar getrennt. Die Bürgerstiftung mit ihren zwei Beschäftigten und einem ehrenamtlichen Vorstand ist für die Kultur und die Stiftungszwecke zuständig. Die Gastronomie mit ihren 35 Festangestellten soll Profit erwirtschaften.

Die Bürgerstiftung wird weiterhin von Michael Schade und Tobias Bäcker als – rein ehrenamtlichem – Vorstand geleitet. Tobias Bäcker übernimmt zusätzlich die Geschäftsführung der neuen GmbH, stellvertretende Geschäftsführerin und Betriebsleiterin wird Sonja Schmolke. Wer die sechs Gesellschafter sind, das will Tobias Bäcker vorerst nicht sagen. „Die sollen sich in naher Zukunft selbst vorstellen“, erklärt er.

Für den Besucher wird sich nichts ändern

Für den Besucher der Rohrmeisterei werde sich durch die Umorganisation nichts ändern, verspricht Bäcker. Denn Gastronomie und Halle arbeiten weiterhin eng zusammen. Zudem ändere sich auch nichts an der personellen Besetzung.

Klar ist auch: Der Rohrmeisterei stehen noch fordernde Monate bevor. Bis der Betrieb wieder den Umfang „vor Corona“ erreicht hat, wird die Kurzarbeit andauern. Und auch danach wird die Bewältigung der wirtschaftlichen Herausforderungen im Vordergrund stehen.

Als Stiftung ohne den Wirtschaftsbetrieb hat die Rohrmeisterei, der ja weiterhin das denkmalgeschützte Gebäude gehört, einen Förderantrag für das Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ gestellt. Die Stadt Schwerte sichert per Ratsbeschluss bereits ihre Unterstützung bei der Akquise von Fördergeldern zu.

Externe Gastronomen kamen nicht in Frage

Warum hat man keine externe Gastronomie beauftragt? „Da hätte es in Coronazeiten vermutlich keinen Interessenten gegeben“, so Bäcker. Und schon gar keinen, der sofort Miete in voraus zahlt. Die meisten Gastronomen verhandeln eher um Mietnachlässe oder Stundungen angesichts des Lockdowns.

Diese Neuausrichtung sei mehr als eine Rettung über die Zeit, betont Bäcker. Sie klärt die Rollen und verteilt die Risiken neu zwischen der Gastronomie-GmbH als wirtschaftlichem Standbein und der Stiftung als gemeinnütziger Einrichtung: „Doppelt hält besser.“ Und wahrscheinlich, sei man auch ohne Corona auf Dauer zu dieser Lösung gekommen. Die wurde übrigens auf Initiative von Stiftungsvorstand Philipp Halbach entwickelt.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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