Schwertes letzte Gräfin starb einen Tag vor ihrem 84. Geburtstag

dzUrsula Gräfin von Stosch

Geboren und aufgewachsen war Ursula Gräfin von Stosch in einem märchenhaften Rahmen: Im Wasserschloss Haus Ruhr, das ihre Mutter als Hochzeitsgeschenk erhalten hatte.

Schwerte

, 03.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die letzte Gräfin der Ruhrstadt lebt nicht mehr. Ursula Gräfin von Stosch ist am 28. August nach langer Krankheit gestorben - einen Tag vor ihrem 84. Geburtstag. Mit ihr ist die Schwerter Linie der Adelsfamilie erloschen. Ihre Schwester Erika, mit der sie viele Jahre an der Alten Lay in Villigst zusammenlebte, ist schon vor neun Jahren zu Grabe getragen worden.

Es muss märchenhaft gewesen sein, als Ursula Gräfin von Stosch im Jahre 1935 auf dem Wasserschloss Haus Ruhr in Wandhofen geboren wurde. Das Herrenhaus mit dem englischen Landschaftsgarten, 1455 von dem Erbburgmann Jan von Boyle aus Wetter errichtet, war als Hochzeitsgeschenk in den Besitz der Familie gekommen. Ihre Mutter Gräfin Luise von Wedel, die aus Haus Sandfort in Olfen stammte, erhielt es als Mitgift, als sie 1930 mit dem aus Schlesien stammenden Graf Henning von Stosch vor den Traualtar trat. Aus dem schlesischen Grünberg zog das Ehepaar ins Haus Ruhr, wo ihm drei Töchter geboren wurden. Letzte Überlebende ist Margitta Traunfelder, die bürgerlich heiratete und nach Laasphe zog.

Legende rankt sich um die mächtige Kastanie im Schlosshof

Bis Mitte der 1970er-Jahre wohnte die Grafenfamilie auf dem Schloss, dessen heutige Gebäude aus dem 17. und 19. Jahrhundert stammen. Jahrhundertelang verkehrte dort der Adel. Einem Besucher, dem preußische Gesandten Graf von Nesselorde, wird die Legende um die mächtige Kastanie im Innenhof zugeschrieben. In seiner Satteltasche soll er einige Kastanien aus Persien mitgebracht haben. Eine fiel beim Absteigen heraus und keimte. Wie dem auch sei: Der mächtige Baum gilt als älteste Rosskastanie in Westfalen und als „Mutter“ aller Kastanien in Schwerte.

Beisetzung findet am Mittwoch in Villigst statt

Für die kleiner werdende Familie von Stosch wurde das alte Gemäuer aber langsam zu groß. Außerdem verschlangen - wie Graf Henning von Stosch damals der Zeitung sagte - allein Unterhaltung und Steuern jährlich 15.000 Mark. Deshalb zog die Familie in ein neues Heim am Beckhausweg in Villigst. Das Haus Ruhr wurde anschließend von einem Jugendhilfe-Träger als Heim für schwer erziehbare Jugendliche genutzt. Seit Mitte der 1980er-Jahre dient sie der Ruhr Akademie als malerische Ausbildungsstätte für Design, Kunst und Medien.

Nach einem Schlaganfall lebte Ursula Gräfin von Stosch zuletzt in dem Pflegeheim Klara-Röhrscheidt-Haus an der Ostberger Straße. Die Trauerfeier findet am Mittwoch, 4. September, um 13.30 Uhr in der Friedhofskapelle in Villigst, Rote-Haus-Straße, statt. Danach wird die letzte Gräfin der Stadt beigesetzt.

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