Schwerter Operettenbühne im Autotheater - Liveauftritte ganz anders

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Statt in die Zuschauermenge schauten die Protagonisten der Schwerter Operettenbühne in 30 Scheinwerferpaare: So läuft das alternative Corona-Konzertkonzept auf dem Autositz.

Schwerte

, 13.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schlagermusik zum Mitsingen, bunte Kostüme und unterhaltsame Moderation: Die Schwerter Operettenbühne um ihren Tenor, Entertainer und Direktor Gunther Gerke präsentierte am Freitagabend auf der Autotheater-Bühne hinter der Rohrmeisterei ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Programm. „Mitsingen ist unbedingt erwünschtund strengstens erlaubt, wir wollen die Autos wackeln sehen“, motivierte Gunther Gerke die in rund 30 Fahrzeugen „versteckten“ Besucher.

Die Idee zum „Autotheater Ruhr“ hatte das Team vom Theater am Fluss (TaF), das gemeinsam mit dem Veranstaltungsdienstleister Mainmix um Andreas Burghardt und der Rohrmeisterei das gesamte Konzept und die Organisation auf die Beine oder besser „auf die Bühne“ stellte. „Wir wollten auch in der schweren Corona-Zeit kulturelle Live-Auftritte mit ‚echten‘ Künstlern und vor Zuschauern ermöglichen – das Projekt geht jetzt in die vierte Woche“, erklärte Sabrina Fehring vom TaF-Vorstand das Autotheater-Konzept. „Und wir haben natürlich gerne unsere Teilnahme zugesagt“, ergänzte Gunther Gerke für die Schwerter Operettenbühne.

Die Kleinen nach vorne

Auch logistisch ist das Konzept eine neue Herausforderung für die Theatergruppe, dieaktiv an der Umsetzung und Abwicklung der kompletten Veranstaltungsreihe beteiligtist: Die Eintrittskarten, beziehungsweise ‚Einfahrtskarten‘ abscannen sowie die jeweils aktuellen Corona-Auflagen bei den Fahrzeugbesetzungen kontrollieren und die Fahrzeuge auf dem Plateau der Rohrmeisterei einweisen – optimale Bühnensicht inklusive. Und alles auf Abstand und vor allem in ehrenamtlicher Tätigkeit!

Alle Besucherfahrzeuge fanden auch am Freitag ihre Positionen – „Die Kleinen möglichst nach vorne“, wie im richtigen Leben. Besondere Logenplätze hatten natürlich bei dem Sonnenwetter die Zuschauer in den geöffneten Cabriolets – das war echtesOpen-Air. Auch einige schicke Oldtimer waren mit dabei: „Das passt ja richtig zu unserem heutigen Lieder-Programm“, kommentierte Sänger Michael Blaszyk mit einem Augenzwinkern.

Parkplatz-Feeling ade!

Das gesamte Operettenbühnen-Programm konnte live in Stereo-Qualität im Autoradio mitgehört werden – 88,4 Megahertz, so die Zauberformel für die UKW-Frequenz. Undauch ein Transistorradio war mit dabei – eine sinnvolle Akustik-Alternative bei zum Beispiel autoradiolosem Fahrzeug.

Kein Publikum direkt vor der Bühne, dafür viele Autos - die Schwerter Operettenbühne performte am Freitag hinter der Rohrmeisterei.

Kein Publikum direkt vor der Bühne, dafür viele Autos - die Schwerter Operettenbühne performte am Freitag hinter der Rohrmeisterei. © Bernd Paulitschke

War vor Beginn des Konzertes noch ein gewisses Parkplatz-Feeling auf dem Rohrmeisterei-Plateau zu spüren, änderte sich dieser Zustand spontan mit Beginn der Bühnenshow: Die Fahrzeuge waren irgendwie zum Leben erwacht – Beifallsbekundungen wurden durch Hupen und Lichtsignale übermittelt, emotionale Freudentränen durch die Scheibenwaschanlage dargestellt und Zuwinken via Scheibenwischer gezeigt. Okay, einige klatschende und winkende Hände waren auch durch die geöffneten Schiebedächer und Seitenfenster zu sehen.

Da war schon der Eröffnungs-Song „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“ das Motto für den turbulenten Musikabend: Publikumsliebling Thorsten ‚Toto‘ Bartke hatte ein schwungvolles Programm zusammengestellt.

Reise ohne Beschränkung

So waren Medleys von Rex Gildo, Chris Roberts und Karel Gott mit dabei – alles Lieder zum Mitsingen und Mit-Klatschen. Und Martin Badist entführte mit dem Catarina-Valente-Song „Komm‘ ein bisschen mit nach Italien“ die Autotheater-Besucher mit auf eine musikalische Reise durch Italien – alles ohne Corona-Einschränkungen. Da durften auch die beiden reisefreudigen „Zwei kleinen Italiener“, interpretiert von Michael Blaszyk und Nils Jacobi, nicht fehlen. Und natürlich war auch der Udo-Jürgens-Hit „Ich war noch niemals in New York“ auf der imaginären Reise mit dabei – vielleicht momentan als reales Reiseziel nur bedingt empfehlenswert.

Resonanz vom Publikum gab es trotzdem.

Resonanz vom Publikum gab es trotzdem.

Eingeschränkt waren allerdings die ansonsten überaus bewundernswerten und zeitschnellen Verkleidungskünste der Operettenbühne: Als Garderobe diente am Freitagabend provisorisch der Gitterzaun hinter der Bühne – die Protagonisten machten das Beste daraus, eigentlich fehlte nichts.

Tolle Stimmung

„Das mit dem Autotheater war mal etwas ganz anderes, eine neue Erfahrung für uns – und trotz Vorstellung vor Autos war die mitreißende Stimmung der Zuschauer in den Fahrzeugen bis hinauf auf die Bühne zu spüren – eine Geschichte, die man noch lange weitererzählen kann, wir sind sehr zufrieden“, fasste Gunther Gerke den Musikabend zusammen. „Mega-cool, ihr ward wieder spitze“, hörte man die Begeisterung aus offenen Autofenstern und mit eifrigem hupen und Lichtsignalen bedankten sich die Besucher bei den Künstlern – und sogar Konfetti-Knaller wurden zum Dank aus einigen Schiebedächern geschossen, während das TaF-Team die Autos mit den Besuchernsicher vom Rohrmeisterei-Plateau begleiteten.

Autotheater in Schwerte

  • Veranstaltungsort: Auf dem Plateau hinter der Rohrmeisterei an der Ruhrstraße 20.
  • Mit aufgenommen in das Autotheater wurde das Kinderprogramm „Grüffelo“ mit drei Vorstellungen: 21.6., 27.6. und 5.7.2020 jeweils nachmittags.
  • Weitere Informationen (Programm, Termine, Preise, Eintrittskarten) unter www.theateramfluss.de
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