Schwerter Landwirt muss für krankes Pferd zahlen

Bakterien im Silo-Futter

Mehrere Pferde auf einem Hof in Schwerte waren erkrankt. Der Grund: Im Futter hatten sich Bakterien angesiedelt. Die Eigentümer eines der Tiere verklagten daraufhin den Landwirt, denn er hatte das Futter selbst hergestellt. Nun bekamen sie vom Gericht Recht: Landwirte sind für ihre Produkte haftbar - auch wenn es Naturprodukte sind.

SCHWERTE

, 23.05.2017, 14:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schwerter Landwirt muss für krankes Pferd zahlen

Landwirte ernten Futterpflanzen ab und lagern die Tiernahrung in Silos. Als Produzenten sind sie für die Qualität der Ware haftbar.

Wie das Oberlandesgericht Hamm am Montag mitteilte, muss der Landwirt für die entstandenen Schäden durch einen Fehler in den Naturstoffen seines Silo-Futters haften. Unabhängig davon, ob er die Belastung der selbst hergestellten Silage hätte erkennen oder gar verhindern können. 

Die Fütterung von Pferden mit Silage, also vergorenem Gras, ist in der Reiter-Szene durchaus umstritten. Denn die Belastung des Grases mit Erde oder Kadavern von Hasen oder Mäusen kann beim Gärungsprozess zur Vermehrung von Bakterien führen, die das Gift Botuliumtoxin produzieren.

15.700 Euro gefordert

Die Kläger stammten aus Hemer. Laut Gerichtssprecher Christian Nubbemeyer sind sie Eigentümer eines 1999 geborenen Westernreitpferdes. Das war auf einem Hof, den der Schwerter in Iserlohn unterhält, untergebracht. 2011 erkrankte der Wallach genau wie einige andere Tiere aus dem Stall. Sie alle waren mit der betreffenden Silage gefüttert worden, die, wie sich später herausstellte, mit Botulismuserregern belastet war.

Die Behandlung des Pferdes kostete etwa 15.700 Euro, die die Besitzer von dem Landwirt erstattet haben wollten. Der Fall landete zunächst in Hagen vor Gericht, vor dem der Landwirt verlor. Er wurde zur Übernahme der Tierarztkosten verurteilt und legte Berufung ein. Weil auch die laut Gerichtsbeschluss keine Chance auf Erfolg hatte, nahm der Landwirt Ende vergangenen Jahres seine Berufung zurück.

Gericht entscheidet aufgrund des Produkthaftungsgesetz

Der Beklagte hafte auch ohne eigenes Verschulden für die Botulismus-Erkankung der ihm anvertrauten Tiere, so die Richter in Hamm. Das ergebe sich aus dem Produkthaftungsgesetz. Denn auch die Silage sei ein Produkt im Sinne dieses Gesetzes. Der Landwirt habe schließlich das Gras gemäht, gesammelt und in seinem Betrieb verarbeitet. Damit hafte er auch verschuldensunabhängig für Fehler des von ihm hergestellten Produktes. Und die Belastung mit Botulismus-Erregern sei ein solcher Fehler.

Bis zum Jahr 2000 mussten Landwirte allerdings nicht haften, weil Grundstoffe für Naturprodukte von dieser Art der Haftung ausgenommen waren.

Die Gefahr sei bekannt gewesen

Die Gefahr einer Kontamination der Silage, die zur Entstehung von Botulintoxin führen könne, sei zum damaligen Zeitpunkt bekannt und dem Beklagten auch bewusst gewesen, so das Gericht. Es sei unerheblich, ob er die Kontamination mit vertretbarem Aufwand habe erkennen können.

Das Gift führt bei Pferden zu einer dramatischen Erkrankung mit Lähmungserscheinungen, die in 70 Prozent aller Fälle tödlich endet.

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