Ruhrtalmuseum ist einsturzgefährdet – Umbaupläne vorerst gestoppt

dzSchwerter Mitte

Ein Statik-Gutachten für den Umbau brachte es an den Tag: Das Ruhrtalmuseum ist schon länger nicht mehr sicher. Das bedeutet: Man muss deutlich mehr Geld für die Schwerter Mitte investieren.

Schwerte

, 25.09.2020, 11:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein neuartiges Museumskonzept, ein Ensemble mit Museum, Marktschänke und St. Viktor — am Marktplatz will die Bürgerstiftung große Räder drehen. Doch das Projekt hakt. Bereits seit März sind alle Planungen gestoppt. Wann es wieder los gehen kann, das liegt auch in der Hand der Schwerter Kommunalpolitik.

„Anfang des Jahres standen wir eigentlich kurz vor einer Baugenehmigung“, erzählt Stiftungsvorstand Ulrich Halbach. Doch dann entdeckte man die Ergebnisse schlecht ausgeführter Renovierungsarbeiten aus den Jahren 1979 und 1980. Ein zusätzlich erstelltes Statik-Gutachten ergab Erschreckendes.

Das Ruhrtalmuseum ist im Inneren einsturzgefährdet. Man hätte es eigentlich schon früher weder als Museum noch als Stadtarchiv nutzen dürfen. Zu dieser Einschätzung kommt ein 30 Seiten langes Gutachten.

Mindestens 1,5 Millionen Euro teurer

Die böse Überraschung bedeutet: Die Renovierung von Schwertes guter Stube wird teurer. 1,5 Millionen Euro mindestens. Vielleicht auch mehr, je nachdem was man noch an Problemen findet. Schließlich stammt das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert.

Doch die Sanierung des Alten Rathauses, wie das Museum eigentlich heißt, ist mehr oder weniger alternativlos. Das Gebäude hatte der städtische Kultur- und Weiterbildungsbetrieb (KuWeBe) in die neue Bürgerstiftung mit eingebracht. Der ist als Anstalt Öffentlichen Rechts zwar mit der Stadt eng verwoben, aber als städtischer Betrieb auch selbstständig.

Vor allem aber ist der KuWeBe chronisch unterfinanziert und deshalb nicht in der Lage, in seine Gebäude zu investieren. Von dieser Seite ist also keine Abhilfe zu erwarten.

Politiker, Stiftungsvertreter und Stadtverwaltung beraten

Am 20. August trafen sich daher Vertreter der Stadtverwaltung, der Ratspolitik und der Bürgerstiftung, um über das Problem zu beraten. Die Stadt zeigte einen Weg auf, wie man zumindest mit einem blauen Auge aus der Klemme kommen könne.

Denn im großen Fördertopf für die Innenstadt, dem sogenannten ISEK, sind vermutlich noch 1,5 Millionen Euro übrig – selbst dann, wenn man den Marktplatz umgestaltet. Das würde zumindest im günstigsten Fall ausreichen.

Corona macht es auch Spendensammlern schwer

Aber auch die Stadt und die Bürgerstiftung sind mit kleinen Eigenanteilen mit im Boot. Für die Stiftung ist das aktuell schwierig. „Beim Fundraising stößt man in Coronazeiten schnell an seine Grenzen“, so Halbach. Viele Firmen, die sonst gerne die Stiftung unterstützen, kämpfen derzeit selbst ums wirtschaftliche Überleben.

Die Parteien immerhin haben bislang mit großer Mehrheit signalisiert, dass sie dem Plan der Stadtverwaltung zustimmen.

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Andere Möglichkeiten gibt es auch kaum. Denn zum einen muss man bereits erhaltene Fördermittel zurückzahlen, wenn nicht weiterbaut. Und diese Kosten würden an der Stadt hängenbleiben. Die beantragt nämlich die Fördermittel vom Land und reicht sie direkt an die Stiftung weiter.

Zudem hätte man dann eine Bauruine direkt am Marktplatz. Bislang sind für den Bau der neuen Schwerter Mitte immerhin 3,6 Millionen Euro Fördermittel zugesagt. 20 Prozent davon müssen Stadt und Bürgerstiftung aufbringen. Der Rat hatte in einem Beschluss seinerzeit den Anteil der Stadt gedeckelt.

Neue Ausstellung und ein Treffpunkt
So könnte das Ruhrtalmuseum in zwei bis drei Jahren nach dem Umbau aussehen: Die ersten Pläne für die Umgestaltung für die Ausstellung unter dem Motto "heimat.verrückt" hat der Stuttgarter Museumsarchitekt Hannes Bierkämper vorgelegt.

So könnte das Ruhrtalmuseum in zwei bis drei Jahren nach dem Umbau aussehen: Die ersten Pläne für die Umgestaltung für die Ausstellung unter dem Motto "heimat.verrückt" hat der Stuttgarter Museumsarchitekt Hannes Bierkämper vorgelegt. © Bierkämper

Die Bürgerstiftung, die übrigens mittlerweile „Bürgerstiftung Schwerter Mitte“ heißt und St. Viktor aus ihrem Namen gestrichen hat, plant in dem Gebäude eine ganz neue Ausstellung zu etablieren. Der Name „heimat.verrückt“ soll auf neue Weise den Heimatbergriff erkunden.

Außerdem soll in der ehemaligen Marktschänke ein Gebäude entstehen mit Räumen, die verschiedene Gruppen nutzen können und durch das, das neue Museum erschlossen wird.

Kommentar

Warum die Schwerter Mitte gebaut werden muss

Egal wie das Problem mit dem Ruhrtal-Museum geregelt wird: Es wird nicht billig. Das Risiko, dass man beim Bauen in historischen Gebäuden auf unliebsame Überraschungen stößt, ist nun mal hoch. Es mag Kritiker geben, die von Anfang an Probleme mit dem Bau eines Ensembles haben. Doch heute weiß man: Das Museum und das Stadtarchiv hätte man schon seit langem nicht mehr nutzen dürfen. Wenn man alles beim Alten belassen hätte, hätte das nichts geholfen. Das Grundproblem ist ein Geburtsfehler des Kulturbetriebs der Stadt. Der sollte sich durch seine Gebäude finanzieren. Da bleibt per se wenig für größere Sanierungsmaßnahmen übrig. Als dann die städtischen Zuschüsse noch im Zuge der Haushaltssanierung immer weiter zurückgefahren wurden, blieb kein Geld übrig. Doch die Weiterführung des Projekts Schwerter Mitte ist nahezu alternativlos. Zum einen müsste man Fördermittel zurückzahlen, wenn man nicht weiterbaut. Zum anderen will niemand eine Bauruine in der Innenstadt, schon gar nicht die eines historisch so bedeutenden Wahrzeichens der Stadt. Vor allem aber: Es ist ein Projekt mit großer Bürgerbeteiligung, das gemeinsam mit dem neugestalteten Markt Schwerte deutlich voran bringen würde. Was passiert, wenn man nichts macht, kann man ein paar Meter weiter auf der Hüsingstraße sehen: beim verfallenen Alt Schwerte.
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