Schwerter wollen der Corona-Krise mit Solidarität trotzen – private Hilfe für Risikogruppe

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Streit um Hamsterkäufe, geklaute Desinfektionsmittel - die Corona-Krise hat unschöne Begleiterscheinungen. Doch in Westhofen und anderswo gibt es auch Beispiele für neue Solidarität.

Schwerte

, 16.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem gebotenen Abstand trafen sich die ersten Aktivisten am Samstag im Bürgerpark Amtswiese in Westhofen. Ein Handschlag war natürlich nicht erlaubt. Aber da das Wetter es gut meinte, war zumindest ein persönliches Gespräch machbar. Was können die tun, die keiner Risikogruppe angehören, um gefährdete Mitbürger in diesen Zeiten zu unterstützen? „Eines gewiss nicht, abwarten“, da ist sich Gaby Weck sicher. Die Westhofenerin hatte zu dem Treffen eingeladen.

Am Freitagmorgen war noch alles easy

Wie sie auf die Idee kam? „Als Schöffin war ich Freitag noch am Landgericht“, erzählt sie. „Da war noch alles easy,.“ Doch als sie zuhause ankam, schien es, als ob sich alles geändert hätte, weil das öffentliche Leben ab sofort brachliegt. „Da habe ich gedacht, wir müssen was tun.“ Es gebe ja auch ältere Menschen, deren Kinder und Verwandte nicht hier leben. Gabi Wecks Idee: Freunde und Bekannte auf die Amtswiese einladen und Ideen sammeln.

Im Ehepaar Hanné gut vernetzte Mitstreiter gefunden

Zu denen, die helfen wollen, gehört auch das Ehepaar Hanné, das spontan Hilfe anbot. Der Plan: Helfer und Menschen, die helfen wollen werden zusammengebracht. Außerdem sammelt man auch weitere Vorschläge, wie man in Zeiten von Corona solidarisch sein kann. Im Zentrum des Netzwerks sitzt Petra Hanné, die unter der Rufnummer 0152 09813147 am Telefon Vorschläge, Nachfragen und Angebote entgegennimmt.

„Wir müssen natürlich sehen, was wir wie lange noch machen dürfen“, betont Dirk Hanné. Aber bis dahin wolle man ein nachbarschaftliches Netzwerk aufbauen. Und mit dem Holzener Ferdinand Ziese habe man jemanden in den Reihen, der zusätzlich viele Kontakte hat. Die hat Hanné selbst auch, weil er in vielen Vereinen in Westhofen und Holzen bestens vernetzt ist.

Damit das Projekt gelingt, müssen natürlich jetzt Regeln eingeführt werden. Weil sich die Leute ja nicht kennen. „Wenn wir alles beieinander haben, wollen wir ein zweites Treffen auf der Amtswiese abhalten, um den Rest zu klären“, so Gabi Weck.

SPD ruft auch zu solidarischem Netzwerk auf

Auch die SPD hatte dazu aufgerufen, ein solidarisches Netzwerk in der Stadt aufzubauen – zugunsten all jener, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Gesundheitssituation die Corona Epidemie besonders fürchten. „Alte oder kranke Schwerter haben zunehmend Angst, das Haus zu verlassen, auch für kleinere Besorgungen“, so SPD-Parteichefin Sigrid Reihs. Hier könnten Freiwillige einspringen, telefonisch die Wünsche aufnehmen und die Besorgungen vor der Haustür abstellen. „Gegenseitige Rücksichtnahme und Hilfe sollte die Antwort Schwertes auf die zunehmende Verbreitung des neuen Virus sein“, erklärte sie.

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Die SPD Schwerte möchte anregen, dass die Verwaltung, zum Beispiel die Stelle für das Ehrenamt möglicherweise in Kooperation mit dem Freiwilligenzentrum Die Börse, dieses Hilfsnetzwerk aufbaut und koordiniert. Sowohl Freiwillige, die gerne helfen möchten, wie auch Menschen, die Unterstützung brauchen, sollten sich dort melden können. Wir freuen uns, wenn unser Bürgermeister diese Anregung aufgreifen würde.

Privatinitiativen über Facebook

Auch in Facebook gab es Unterstützungsangebote: von Privatleuten: Ich als Lehrer werde in den kommenden Wochen nicht die ganze Zeit in der Schule sein. Klar, die eignen Kinder müssen betreut werden. Aber es wird Zeit bleiben, um andere Leute zu unterstützen. Solltet ihr also ältere/ kranke Menschen kennen, für die eingekauft werden muss, schickt mir ne PN, schreibt jemand in einer Schwerter Facebook-Gruppe.

Aktion der Ruhr Nachrichten: Wir halten zuasammen

Die Ruhr Nachrichten haben eine Seite mit einem Formular zum Download entworfen. Wenn Sie keiner Risikogruppe angehören und Ihren Nachbarn helfen wollen, füllen Sie das Formular aus und hängen es im Treppenhaus auf. Bitte nicht an Laternen kleben.

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