Architekt hat eigene Ideen für Pferdekämpers Wiese – Wohnraum soll woanders entstehen

dzNordwall-Karree

40 neue Wohnungen soll es in der Innenstadt geben, dafür soll eine große Grünfläche weichen. Ein Architekt aus Schwerte hat andere Pläne: Wohnraum könne leichter an anderer Stelle entstehen.

Schwerte

, 15.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus Pferdekämpers Wiese soll bald das Nordwall-Karree werden. Rasen und Obstbäume auf gut 5400 Quadratmetern weichen dann neuen Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 40 Wohnungen.

Zumindest hat der Rat das Thema am vergangenen Mittwoch zurück auf die Agenda geholt. Das Projekt ist umstritten, mehrfach wurde es zuvor abgelehnt. Und auch viele Bürger fürchten, dass man mit der Bebauung von Pferdekämpers Wiese eine der letzten richtigen Grünflächen in der Stadt versiegelt wird.

Werner Remscheid ist einer von ihnen. Der Architekt aus Schwerte wünscht sich, dass die Fläche anders genutzt würde – beispielsweise von Schulklassen.

Schüler sollen die Fläche für Biologie-Unterricht oder AGs nutzen können

Dafür hat er schon Pläne ausgearbeitet: „Man kann die Obstwiese, alle Bäume, die Stadtmauer und den alten Bungalow als Studienobjekt für Schüler freigeben. Nicht nur für die vom RTG, sondern für alle.“ Für Fächer wie Biologie und Ökologie sei das sinnvoll, er denkt an Insektenhotels, vielleicht sogar Bienenstöcke.

Remscheid schlägt vor, den Bungalow so umzubauen, dass er als Klassenraum genutzt werden könne, in dem Schüler dann experimentieren und ihr Material lagern.

Den Vorteil, den er dabei sieht: Man müsse nichts groß verändern, Pferdekämpers Wiese kann weiterhin das Stadtbild prägen. „Nur die Nutzung des Geländes wird statt durch Autos und Tiefgaragen weiterhin durch Schüler und Lehrer belebt.“

„Man muss dort bauen, wo es sinnvoll ist.“

Ein Architekt, der keine baulichen Veränderungen wünscht? „Nein, ich bin natürlich nicht gegen den Wohnungsbau. Aber man muss ja dort bauen, wo es auch sinnvoll ist.“ Und da gebe es sicherlich andere Möglichkeiten, die leichter zu realisieren sind.

Werner Remscheid – der sein Büro mitten im künftigen Nordwall-Karree hat – hat bereits Vorschläge, wo in Schwerte viel leichter Wohnraum entstehen könnte.

Da wäre zum Beispiel Looks Wiese, das Grundstück zwischen Bahnhofstraße und Senningsweg. Platz für 80 Wohneinheiten gebe es dort, also doppelt so viele wie am Nordwall-Karree entstehen sollen.

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Parkplätze und Gewerbeflächen überbauen statt neu bauen

60 weitere Einheiten könnten zwischen Fleitmannstraße und Holzener Weg entstehen, auf einem Grundstück der Nickel AG. „Im Nutzungsplan ist die Fläche als Erweiterung für die Nickelwerke ausgezeichnet. Aber sie wird dafür gar nicht gebraucht“, weiß der Architekt.

Diese Pläne hat Werner Remscheid schon für eine eventuelle Bebauung am Bahnhof/Senningsweg entworfen.

Diese Pläne hat Werner Remscheid schon für eine eventuelle Bebauung am Bahnhof/Senningsweg entworfen. © Aileen Kierstein

Generell wäre es immer besser, in die Höhe statt in die Breite zu bauen, sagt Remscheid. Man könne vorhandene Gewerbeflächen oder Parkflächen nutzen und sie einfach überbauen, wie etwa Askania oder den Parkplatz von Rewe und Aldi an der Margot-Röttger-Rath Straße.

Investorenwünsche vor öffentlichem Interesse?

Seine Pläne hat Remscheid außerdem den Fraktionen im Stadtrat und dem städtischen Planungsamt vorgelegt. „Vielleicht kann man ja so noch etwas bewegen“, hofft er. „Gerade stehen die privaten Investorenwünsche über dem öffentlichen Interesse. Das kann nicht sein.“

Jedenfalls seien schon viele Nachbarn und andere Schwerter auf ihn zugekommen, hatten ihren Widerwillen gegen die Pläne zum Nordwall-Karree deutlich gemacht.

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Bis aber endgültig Bagger und Kräne auf Pferdekämpers Wiese stehen, muss das Vorhaben noch einige Hürden nehmen. Denn bislang ist lediglich der Bauplan auf den Weg gebracht worden. Was noch fehlt ist die Feinabstimmung mit Behörden, Investoren und Anwohnern. Und schlussendlich muss die Stadt noch die Baugenehmigung erteilen.

Dass bis dahin sowieso noch viel Zeit vergehe, da ist sich Werner Remscheid sicher. Erst Mal will er weiter an seinen Plänen arbeiten und zeigen, wo in Schwerte neuer Wohnraum viel einfacher zu realisieren wäre. „Schwerte ist doch Kommune für ökologische Vielfalt. Das muss sich auch mal zeigen.“

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