Sport im Lockdown ist eine große Herausforderung. Manche Lehrer haben sich richtig etwas einfallen lassen, um Kinder und Jugendliche in Bewegung zu halten. © Martina Niehaus
Sportunterricht

Schulsport: Kreative Lehrer bieten Alternativen zu Völkerball und Co.

Schulsport im Lockdown? Wie soll das gehen? Wir haben mit einer Schülerin und einem Schüler gesprochen, die ihren Sport vermissen. Und mit zwei Lehrern, die sich einiges einfallen lassen.

Sie schwimmt so gerne. Die 14-jährige Lina Peetz hat vor Corona regelmäßig im Schwerter Stadtbad ihre Bahnen gezogen. Im Schwimmverein und im Sportunterricht. Ihr Mitschüler Linus Scheib (15) ist begeisterter Fußballspieler. Wie Lina „sportelt“ er im Verein, und wie Lina besucht er die Klasse 9d der Gesamtschule Gänsewinkel.

Dann kam der erste Corona-Lockdown. Und kurz darauf der zweite. Seit Monaten sind Turnhallen und Schwimmbäder geschlossen. Basketbälle und Volleybälle liegen in ihren Kisten zwischen Turnmattenstapeln und Gymnastikgeräten.

„Sport war immer die Abwechslung“

Auch in Schwerte gibt es den Sportunterricht nicht mehr so, wie die Schülerinnen und Schüler ihn kannten. Kein Abwerfen mehr beim Völkerball, kein Abklatschen nach dem gelungenen Badminton-Match.

Lina vermisst besonders das Zusammensein mit ihrer Klasse. „Das fehlt wirklich. Gerade im Sportunterricht konnte man mal herumalbern und so. Sport war immer die Abwechslung von den anderen Fächern.“ Linus ist traurig, weil ihm gerade die Ballspiele fehlen. „Fußball, Völkerball, Brennball. Diese Sportarten haben mir immer am besten gefallen. Es ist schade, dass das gerade nicht geht.“

Doch irgendwie geht es weiter. An der Gesamtschule Gänsewinkel haben sich zwei Lehrer einiges einfallen lassen, um den Unterricht „umzustricken“. Andreas von Maier (36) ist Sport- und Physiklehrer. Zusammen mit seinem Kollegen Joel Ahrens (34, Sport und Latein) erzählt er, wie man es als Pädagoge schafft, die Kinder und Jugendlichen weiter in Bewegung zu halten.

„Es ist schon schwierig: Man kann das Curriculum ja nicht verschieben oder ändern“, erzählt von Maier in einer Videokonferenz, in der auch sein Kollege Joel Ahrens sowie Lina und Linus zugeschaltet sind.

Eigene Trainingspläne erstellen

Nun gehören von Maier und Ahrens zur jüngeren Generation Sportlehrer, die schon vor dem Corona-Virus großen Wert auf theoretische Anteile gelegt haben – und die ihre Schüler nicht im Kreis rennen lassen, während sie sich auf die Bank setzen, um die Zeitung zu lesen.

„In der Oberstufe ist es leichter. Da sind die Schüler es gewohnt, dass man die praktischen Elemente mit Theorie verknüpft“, erzählt von Maier. Unter Anleitung der Sportpädagogen entwerfen die Oberstufenschüler ihren eigenen Trainingsplan, den sie dann nach und nach absolvieren.

Der Lehrer auf der Isomatte

Eine Herausforderung sei es, die jüngeren Schüler der Sekundarstufe I flott zu halten. „Da muss man kreativ werden“, erzählt Andreas von Maier. Dazu gehöre es auch schon mal, die Technik von Ballwürfen im Video vorzuführen oder selbst auf die Isomatte zu steigen. „Das habe ich schon öfter gemacht, das sorgt bei Eltern und Kindern immer für gute Laune“, erzählt von Maier und lacht.

Der Kopfstand an der Wand ist bei Übungen in Videokonferenzen allerdings tabu. „Beim Sport auf Distanz ist auch der Versicherungsschutz ein Thema“, erklärt Andreas von Maier. So dürfen nur Übungen durchgeführt werden, die keine Unfälle nach sich ziehen können (siehe Anhang).

Yoga als Einstieg in den Tag

Yoga zum Beispiel. „Mit meiner Neunerklasse mache ich gerade Yoga-Übungen“, erzählt Joel Ahrens. Natürlich sei Yoga nicht gerade die Lieblingssportart pubertierender Jungs. „Das sind nicht unbedingt die größten Fans.“

Für Kinder sei Yoga ein guter Weg, um der Anspannung im Corona-Lockdown zu begegnen. „Im Distanzunterricht ist der Stress für Kinder hoch. Sie sind dauernd digital erreichbar, sitzen viel und sind verspannt. Die Atemtechniken und die Achtsamkeit, die im Yoga vermittelt werden, sind da ein guter Einstieg in den Tag.“

Stundenlanges Sitzen am Laptop - da verspannt man. Yogaübungen können helfen.
Stundenlanges Sitzen am Laptop – da verspannt man. Yogaübungen können helfen. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Das findet auch Linus – er hat im Yogaunterricht einiges gelernt. „Ich musste erst einmal üben, mich richtig zu dehnen. Was ich aber gut finde ist, dass Yoga auch super den Gleichgewichtssinn trainiert.“ Für Lina waren die Übungen anfangs auch gewöhnungsbedürftig. Jetzt sagt sie: „Wenn man vorher so viel gesessen hat, tut einem der Rücken weh. Und man spürt die Beine nicht mehr. Yoga hilft da tatsächlich.“

„Wohlwollen“ bei der Hausaufgaben-Kontrolle

Und wie kontrollieren die Lehrer, ob auch alle ihre „Sport-Hausaufgaben“ machen? „Wir beurteilen das gerade sehr wohlwollend“, formuliert es Joel Ahrens. Das gelte vor allem dann, wenn Schüler als „Beweis“ Videomaterial einreichen. „Manche möchten das nicht, und das ist auch völlig okay“, sagt von Maier. „Wir gehen verantwortungsvoll mit dem Material um und löschen auch alles sofort. Aber es darf kein Druck entstehen.“

Yoga in der Videokonferenz - warum eigentlich nicht? Atemtechniken und Entspannungsübungen kommen bei den Schülern gut an.
Yoga in der Videokonferenz – warum eigentlich nicht? Atemtechniken und Entspannungsübungen kommen bei den Schülern gut an. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Manche Schüler würden, wenn sie zum Beispiel Tanzschritte vorführen sollen, auch nur einen Videomitschnitt ihrer Beine einschicken. „Dann muss ich natürlich darauf vertrauen, dass das auch die Beine des Schülers sind“, sagt Ahrens und lacht.

Hoffen auf Präsenzunterricht auch nach Ostern

Einen Vorteil habe der Sportunterricht auf Distanz dann doch: Gerade bei Tanzübungen oder anderen Dingen, die man sonst in der Turnhalle vor der Klasse vorführt, besteht weniger die Gefahr, sich zu blamieren. „Die Kinder schicken das Video erst ab, wenn alles perfekt sitzt“, sagt Andreas von Maier.

Trotzdem hoffen beide Lehrer – und auch ihre Schüler – dass der Unterricht auf Distanz bald vorbei ist – und dass die Kinder auch nach den Osterferien weiter in den Präsenzunterricht zurückkommen dürfen. Andreas von Maier: „Der Gemeinschaftsgedanke, das Sozialgefüge: Das ist nicht nur im Sport unheimlich wichtig, sondern im gesamten Schulalltag. Und das war jetzt so lange weggebrochen.“

Achtung beim „dreifachen Rittberger“: Versicherungsschutz im Distanzunterricht

Das Schulministerium NRW und die Unfallkasse NRW haben gemeinsam Hinweise zum Versicherungsschutz im Distanzunterricht für das Fach Sport erstellt. Denn was den gesetzlichen Unfallschutz betrifft, ergeben sich verschiedene rechtliche Anforderungen.

  • Lieber Yoga als Salto: In Videokonferenzen, in der die Schüler direkt von der Lehrkraft angeleitet werden, ist grundsätzlich ein Versicherungsschutz vorhanden. Doch die Übungen sollen „den Räumlichkeiten angemessen“ sein. Außerdem muss die Lehrkraft die Kinder genau unterweisen, da ja kein direktes Eingreifen möglich ist. Beispiele für angemessene Übungen sind Kraftübungen, Aerobic, Yoga, Jonglage oder Dehnen etc. Zudem sollten während der Unterweisung wichtige Telefonnummern (als Rettungskette) besprochen werden, und die Eltern sollten über den Sportunterricht ihres Kindes informiert sein.
  • Vorsicht vor der Bananenschale: Bei Sportaufgaben, die in Eigenverantwortung und ohne direkte Einwirkmöglichkeit der Lehrer durchgeführt werden, besteht kein Versicherungsschutz. Das sind zum Beispiel Ausdauerläufe oder eigenverantwortliches Fitnesstraining.
  • Wenn der kleine Hunger kommt: Private Tätigkeiten, z.B. etwas essen oder auf die Toilette gehen, sind ebenfalls nicht versichert.
  • Wenn man Hanteltraining auf hat und die Hantel auf dem Fuß landet? Hausaufgaben sind ebenfalls nicht versichert, da sie „seit jeher
    dem privaten Verantwortungsbereich der Kinder und Jugendlichen zuzurechnen sind“, informiert das Ministerium. Im Schadensfall greift bei der Ausübung der Hausaufgaben die eigene Krankenversicherung.
Über die Autorin
Redakteurin
Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
Zur Autorenseite
Martina Niehaus

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.