Wegen hoher Inzidenzwerte im Kreis Unna werden am nächsten Montag die Stühle in den Schwerter Klassenräumen auf den Tischen bleiben. © picture alliance/dpa
Corona-Lockdown

Schulleiter zu Schließungen: Klassenarbeiten fallen aus

Der Kreis Unna hat die Notbremse gezogen und geht wegen der hohen Inzidenzwerte wieder in den Lockdown. Die Schwerter Schulen sind also wieder im Distanzunterricht. Was sagen die Schulleiter?

Eigentlich ist Heiko Klanke gar nicht so traurig darüber, dass der Kreis Unna den Präsenzunterricht für die Schulen wegen der hohen Inzidenzwerte wieder ausgesetzt hat. Überrascht ist der Leiter des Friedrich-Bährens-Gymnasiums jedenfalls nicht. „Dass die Zahlen der Infektionen wieder steigen, das war ja schon länger bekannt.“

Viele besorgte Eltern hätten ihn bereits kontaktiert. „Die Ankündigung des Ministeriums, die Schulen am Montag wieder zu öffnen, hatte sowieso niemand nachvollziehen können. Die Befürchtungen waren sehr groß.“

Konzentration liegt auf Abiprüfungen

In der nächsten Woche beginnen am FBG die Abiprüfungen – „da ist es auch für die Abiturienten eine sinnvolle Lösung, wenn das Schulgebäude leerer bleibt.“ Die älteren Schüler seien sicher froh, wenn die Jüngeren dann nicht in der Schule herumwuselten.

Das sieht auch Bärbel Eschmann vom Ruhrtalgymnasium so. „Ich halte es für eine sehr verantwortungsvolle Entscheidung, zu diesem Zeitpunkt in den Distanzunterricht zu gehen.“ Kontakte ließen sich gerade auch auf dem Schulweg nicht vermeiden.

„Die Inzidenz ab 200 verstehe ich sowieso nicht, das ist eine viel zu hohe Zahl“, kritisiert die Schulleiterin. Viele Lehrer an weiterführenden Schulen seien noch nicht geimpft.

Nächste Woche sei es wichtig, die Abiturienten gut zu begleiten. „Die sind schon wegen ihrer Prüfungen nervös, und müssen dann auch noch einen Schnelltest machen“, sagt Bärbel Eschmann. Man habe deshalb empfohlen, sich nach Möglichkeit am Tag vor der Prüfung in einem Testzentrum testen zu lassen.

Distanzunterricht in bestimmten Fächern „gerade wertvoller“

Der Distanzunterricht am FBG, erzählt Klanke, laufe gerade fast besser als der Präsenzunterricht – zumindest, was bestimmte Fächer betrifft. „Nehmen wir Technik oder die zweite Fremdsprache. Diese Fächer werden normalerweise in Kursen unterrichtet, was aber gerade nicht möglich ist.“

Heiko Klanke vom FBG hält die Schließungen für sinnvoll.
Heiko Klanke vom FBG hält die Schließungen für sinnvoll. © Heiko Mühlbauer (A) © Heiko Mühlbauer (A)

In Präsenz könne der Lehrer den Kindern, die ja wegen Corona nur im Klassenverband sitzen dürfen, lediglich Aufgabenzettel zum Bearbeiten geben. „Im Distanzunterricht kann ich eine Videokonferenz mit dem gesamten Kurs machen und richtig mit ihnen arbeiten.“

Bärbel Eschmann geht es mit ihren Lateinkursen genauso. „Was das Kurssystem betrifft, muss es auch noch verbindliche Lösungen geben. Im Moment ist in den Kursen der Distanzunterricht schlicht wertvoller.“

TFG: „Unsere Kinder möchten in die Schule zurück.“

Klar ist: Die Kinder wünschen sich in den Präsenzunterricht zurück. Das sagt auch Eva Brinkhoff von der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule. „Wegen der Sicherheit ist es wichtig, im Distanzunterricht zu bleiben. Aber unsere Kinder möchten in die Schule. Das tut mir unheimlich leid für sie.“

Der Distanzunterricht laufe auch an der TFG sehr gut. Alle Kinder seien mit Endgeräten versorgt, und es gebe viele Videokonferenzen. „Aber das ist natürlich kein Ersatz für die persönliche Begegnung.“

Klassenarbeiten sind erstmal vom Tisch

Abgesehen von den Abiprüfungen: An allen Schulen ist das Thema Klassenarbeiten erstmal vom Tisch. Eva Brinkhoff: „Wir hätten da nächste Woche angefangen, aber man braucht schon einen gewissen Vorlauf mit Präsenzunterricht.“

Bärbel Eschmann vom RTG sagt: „Man muss den Kindern Mut machen.“
Bärbel Eschmann vom RTG sagt: „Man muss den Kindern Mut machen.“ © Bernd Paulitschke (A) © Bernd Paulitschke (A)

Und Bärbel Eschmann weist auf ein weiteres Problem hin: „Klassenarbeiten müssten im Wechselunterricht geschrieben werden. Momentan ändert sich aber jede Woche die Vorgabe, ob die Schulen überhaupt geöffnet haben.“ Am Ende fügt sie noch hinzu: „Arbeiten sind jetzt nicht das Wichtigste. Momentan müssen wir den Kindern Mut machen und sie motivieren.“

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus

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