Werner Conrad sucht nach einer Ausstellungsmöglichkeit für seine Scherenschnitte und einen Nachfolger im Geiste. © Holger Bergmann
Eine vergessene Kunst

Scherenschnitte: Werner Conrad möchte seine Kunst weitergeben

Werner Conrad hat eine Kunst ausgeübt, die er praktisch für sich selbst erfunden hat. Jetzt, mit 83 Jahren, spielen seine Augen nicht mehr mit. Er will den nächsten Schritt machen.

Scherenschnitte kennt jeder. Formen und Motive, in aller Vielfalt, geschnitten aus schwarzem Papier auf weißem Grund. Sie faszinieren durch ihre Kontur-Schärfe, durch ihre unerklärliche Detailverliebtheit.

Scherenschnitte kann man sich auf Jahrmärkten kaufen. Dort fertigen Künstler Portraits, Schattenrisse von Besuchern an. Oder man kauft Scherenschnitte im Geschäft, Landschaften oder Märchenmotive.

Diese aufwendigen Motive sind aber keine echten Scherenschnitte, sie sind in der Regel von Maschinen ausgestanzt. Die Scherenschnitte in Werner Conrads (83) Wohnung sind nicht ausgestanzt oder auf einem Jahrmarkt schnell ausgeschnitten worden.

Scherenschnitt ohne Schere

Immer wieder, wenn er eines seiner Werke verschenkt, höre er die Frage: „Mit welcher Schere hast du das denn ausgeschnitten?“, erzählt der Ergster. Doch mit einer Schere kann man diesen Detailgrad nicht erreichen. Nein, Werner Conrad benutzt Rasiermesser.

Nur so kann er kleinste Formen in das Papier einarbeiten und die maschinengemachten Vorlagen übertreffen. Vorlagen, denn Werner Conrads Meisterwerke sind Kopien.

Kopien von Scherenschnitten, die er sein Leben lang gesammelt hat. Immer wenn er die Möglichkeit hatte, pauste er Scherenschnittmotive ab und machte aus diesen Vorlagen seine ganz eigenen Werke.

Eine selbst angeeignete Technik

Die Technik die er dabei benutzt, dürfte einmalig sein. Als Kind musste Werner Conrad 1953 ins Krankenhaus. Weil der Heilungsverlauf seines Beinbruches schwierig war, blieb er lange dort.

Und lernte auch dort den Scherenschnitt kennen. Als Material durfte er überbelichtetes also schwarzes, Foto-Papier, das eigentlich für Röntgenaufnahmen gedacht war, verwenden.

Als er das Krankenhaus verließ, bekam er eine ganze Packung von diesem Papier mit nach Hause. Wie sich herausstellen sollte, ein Vorrat für das ganze Leben. Obwohl er all die Jahre Scherenschnitte auf seine Art herstellte, hat er noch heute Papierbögen aus dieser Original-Packung übrig.

Filigrane Technik

„So ein Papier gibt es heute nicht mehr“, ist sich Werner Conrad sicher. Doch jetzt liegt das Material ungenutzt zuhause rum. „Die Augen wollen nicht mehr so, die Hand ist nicht mehr so ruhig“, sagt Werner Conrad.

An die filigranen Details der Scherenschnitte traut er sich nicht mehr heran. Das gute Papier und die Vorlagensammlung will er aber auch nicht verkommen lassen. Und auch nicht die noch nicht verschenkten Scherenschnitte.

Deshalb sucht er einen Nachfolger im Geiste. Jemanden, der die Kunst des Scherenschnitts erlernen möchte. Außerdem würde Werner Conrad gerne seinen Bestand ausstellen. Wer einen geeigneten Ausstellungsraum kennt, oder Scherenschnitte zu seinem Hobby machen möchte kann unter Tel. (02304) 729 33 anrufen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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