Einsturzgefahr: Ruhrtalmuseum hätte nie genutzt werden dürfen

dzStatisches Gutachten

Ergebnisse einer Untersuchung wegen des Umbaus zwischen St. Viktor und alter Marktschänke zeigen, dass das Ruhrtalmuseum schon lange einsturzgefährdet ist. Wie marode es ist, zeigt ein Gutachten.

Schwerte

, 19.11.2020, 12:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das alte Rathaus wurde 1548 und 1549 am Markt neben der St.-Viktor-Kirche gebaut. Es sei ein Zeugnis für die Blüte Schwertes im Mittelalter und früher Neuzeit, schreibt Baukunst NRW. Später wurde das Gebäude auch als Gericht, Gefängnis und Kornwaage genutzt.

Bis 1933, da baute man das alte Rathaus in das Ruhrtalmuseum um. Seitdem haben es Generationen von Schülern besucht, wenn Heimatkunde auf dem Stundenplan stand. Die Sammlung im Obergeschoss und das große Modell der mittelalterlichen Stadt im Untergeschoss waren vor allem Grundschulklassen einen Besuch wert.

Die Standsicherheit ist nicht gewährleistet

Dass in all den Jahren nichts Schlimmes passiert ist, kann man schon als großes Glück bezeichnen. Denn das Gebäude ist nicht sicher. Das ergab eine Untersuchung der Statik, die im Zuge des geplanten Umbaus des gesamten Ensembles in Auftrag gegeben wurde.

Die Gutachter listen auf 30 Seiten Mängel des Gebäudes auf. Am Ende kommen sie zu dem Schluss: Eine Standsicherheit bei der aktuellen Nutzungsart ist nicht gewährleistet. Die Nutzung als Museum kommt nur nach einer aufwändigen Sanierung von Balken und Fundament in Frage.

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Bei ihren Untersuchungen kamen die Statiker dem Pfusch am Bau vergangener Jahrhunderte auf die Spur. Denn bereits als man im frühen 19. Jahrhundert das Treppenhaus erneuerte, wurden entscheidende Fehler gemacht. Und auch als 1933 der Umbau zum Heimatmuseum stattfand und das Dach ausgebaut wurde, blieben Grundsätze der Statik außen vor.

Das wurde auch nicht besser, als man 1952 die Decke im Obergeschoss erneuerte. Ganz im Gegenteil: Beim Einbau der Gauben in das Dachgeschoss wurden Holzbalken durchtrennt, die eigentlich die Last halten sollten.

Durchgebogene Balken und zusätzliche Träger

Teils fing man einen schon durchgebogenen Balken mit einem zusätzlichen Träger ab. Unter den schweren Kamin im Kaminzimmer im ersten Stock wurde ein Unterzug eingebaut.

Ein durchgebogener Deckenbalken.

Ein durchgebogener Deckenbalken. © Werner Bauingenieure

Doch der ist eigentlich nicht in der Lage, die Last zu halten. 1979 bei einer weiteren Sanierung baute man dann zahlreiche Stahlträger ein, um die zum Teil sogar gebrochenen Balken zu stützen. Allerdings ohne darauf zu achten, wie sich das schwere Baumaterial auf die übrige Statik auswirkt.

Selbst das Fundament ist nicht ausreichend

Denn das Museum steht zu allem Überfluss auf einem für den heutigen Baukörper nicht mehr ausreichenden Fundament. Erst ab 1,20 Meter Tiefe ist der Boden unter dem Gebäude ausreichend tragfähig. Die bestehenden Fundamente reichen aber weder so tief noch sind sie groß genug, um die Belastung zu halten.

Eine Stahlstütze wurde im Kaminzimmer eingezogen.

Eine Stahlstütze wurde im Kaminzimmer eingezogen. © Werner Bauingenieure

Der Effekt zeigt sich zum Beispiel in der Mittelwand. Die ist mittlerweile über alle Geschosse abgesackt. Die Träger im Bestand sind bis zu 76 Prozent überlastet.

„Nach heutigem Wissen hätte das Gebäude aus statischen Gründen gar nicht als Museum genutzt werden dürfen.“

Die Fundamente sind nicht in der Lage, die für eine Nutzung erforderlichen Verkehrslasten in den Boden einzuleiten. „Die Standsicherheit ist bei der aktuellen Nutzungsart nicht gewährleistet“, heißt es in einer Vorlage des Stadtplaners Christian Vöcks für den Stadtrat.

„Nach heutigem Wissen hätte das Gebäude in aus statischen Gründen gar nicht als Museum genutzt werden dürfen“, so Vöcks. Auch eine andere Nutzung des Gebäudes für die Öffentlichkeit schließt er aus. „Ohne eine Sanierung der Statik ist der Weiterbau nicht denkbar.“

Auch die Baukosten explodieren

Allerdings ist das nicht das einzige Problem, mit dem sich die Bürgerstiftung, die den Umbau der neuen Mitte betreibt, herumschlagen muss. Denn bereits 2016 hatte man die Fördermittel für das gesamte Ensemble in der Schwerter-Mitte beantragt. Seitdem stiegen die Baupreise gewaltig an.

Insgesamt stiegen die Baukosten für das Schwerter Renommierprojekt, das mit 4,14 Millionen Euro veranschlagt war, um 1.893.945 Euro. Geld, das weder die Stadt noch die Bürgerstiftung Schwerter-Mitte haben.

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Doch ein Abbruch des Projekts ist auch nicht mehr möglich: Denn dann müssen Fördermittel zurück gezahlt werden, Architekten und Baufirmen anteilig entschädigt und nicht zuletzt das ja denkmalgeschützte Ruhrtalmuseum statisch dennoch gesichert werden.

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Die Stadt hat deshalb vorsorglich Fördermittel beim Land beantragt. Dem muss allerdings der Rat am 30. November noch zustimmen.

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