Rotes Kreuz aus Schwerte hilft bei Corona-Massentests in Gütersloh

dzCorona-Ausbruch in Fleischfabrik

Die Bundeswehr war im Einsatz - das Rote Kreuz aus Schwerte auch. In Gütersloh fuhren die Helfer mit ihren Teststäbchen zu den Häusern von Corona-Verdächtigen. Es gab wichtige Spielregeln.

Schwerte

, 01.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Bundeswehr von Haus zu Haus. In Vollschutzkleidung, die vor jeder Tür gewechselt wurde. So einen Einsatz wie bei den Corona-Massentests in Gütersloh haben die Helfer vom Roten Kreuz aus Schwerte noch nicht erlebt. „Das war für jeden von uns Neuland“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Martin Kolöchter, der selbst bislang zweimal die Großaktion nach dem Corona-Ausbruch im Fleischbetrieb Tönnies unterstützt hat.

Kolöchter fühlte sich „sicherer als beim Einkaufen“

Ob ihn ein unwohles Gefühl beschlich, wenn er sich mit dem Teststäbchen den potenziellen Corona-Infizierten näherte? „Nein“, betont der gestandene Rotkreuzler, der seit 40 Jahren dabei ist. Und ist überzeugt: „Das war sicherer als beim Einkaufen.“ Man müsse sich nur an die Spielregeln halten, vor allem jedes Mal den Anzug wechseln. Vor allem an Hitzetagen ist das nicht einfach: „Das geht nur zu Zweit.“

Bei den Corona-Massentests in Gütersloh engagierten sich Helfer vom Roten Kreuz aus Schwerte. In manchen Straßenzügen waren bis zu 15 Proben-Entnahmeteams im Einsatz bei den Fleischfabrik-Mitarbeitern und deren Kontaktpersonen.

Bei den Corona-Massentests in Gütersloh engagierten sich Helfer vom Roten Kreuz aus Schwerte. In manchen Straßenzügen waren bis zu 15 Proben-Entnahmeteams im Einsatz bei den Fleischfabrik-Mitarbeitern und deren Kontaktpersonen. © Martin Kolöchter

Als Vorsichtsmaßnahme mussten die Helfer auch nicht in die Häuser hinein, in denen die Verdachtsfälle wohnten. Mit Listen in der Hand holten die Bundeswehr-Soldaten die Bewohner heraus. Es seien nur die Haushalte gewesen, die unter Quarantäne standen oder Kontaktpersonen waren, berichtet Martin Kolöchter. Wie viele dort auf engem Raum zusammenlebten, darf er nicht sagen. Doch eine Schilderung verdeutlicht: „In einem Straßenzug mit mehreren großen Häusern waren 15 Fahrzeuge mit Teams im Einsatz.“

Bundeswehr überprüfte die Personalien

Mit einer Art verlängertem Wattestäbchen nahmen die Helfer die Proben aus Mund, Nase und Rachen. Anschließend wurden die in einem Glasröhrchen verschlossen und an ein Großlabor verschickt. Die Überprüfung der Personalien und die Dokumentation übernahm die Bundeswehr. „Die Leute waren alle sehr kooperativ“, sagt Martin Kolöchter: „Die hatten alle Angst, waren doch Opfer.“

Auf einem Parkplatz in Gütersloh warteten die versammelten Einsatzfahrzeuge auf die Zuteilung ihrer Einsatzgebiete.

Auf einem Parkplatz in Gütersloh warteten die versammelten Einsatzfahrzeuge auf die Zuteilung ihrer Einsatzgebiete. © Martin Kolöchter

Eine dreistellige Zahl von Helfern beteiligte sich Tag für Tag bei den Massentests. Das Schwerter Rote Kreuz war bei der Aktion, die noch mindestens bis zum 5. Juli dauert, schon an fünf Tagen dabei. Die Ehrenamtlichen hatten sich teilweise Urlaub genommen, um der Bitte des Kreises Gütersloh zu folgen. Die Anfrage war vom DRK-Landesverband Westfalen-Lippe über den Kreisverband Unna schließlich in der Ruhrstadt angekommen.

Als Belohnung gab es eine Schnitzelsemmel

„Auch die Ortsverbände Selm, Bergkamen und Werne waren dabei“, berichtet Martin Kolöchter. Man traf sich auf einem Rastplatz, um in Kolonne nach Gütersloh weiterzufahren. Dort erhielt man in einer Schule eine kurze Einweisung und die Adresslisten der Corona-Verdächtigen nach dem Motto: „Im Haus Nummer sowieso sind vier Personen, die musst du testen.“ Als Dankeschön spendierte der Kreis Verpflegung. Am ersten Tag im Fleischerei-Umfeld ausgerechnet eine Schnitzelsemmel, später auch warmes Essen und einen Eisstand.

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