Ein 24 Jahre alter Mann aus Schwerte soll einen 15-jährigen gezwungen haben, für ihn fünf Kapseln Amphetamin zu verkaufen. © Werner von Braunschweig
Landgericht Hagen

Rote Kapseln: Sollte 15-Jähriger als Drogenkurier missbraucht werden?

Ein drogenabhängiger Mann (24) aus Schwerte soll versucht haben, einen 15-Jährigen als Drogenkurier zu missbrauchen. Vor Gericht erzählt der Angeklagte dagegen eine ganz andere Geschichte

Mehr als ein Jahr nach einem „Volltreffer“ am Rande einer Drogenrazzia in einer Mietwohnung in Westhofen, muss sich ein 24-jähriger Mann aus Schwerte seit Montag (11.1.) vor dem Hagener Landgericht verantworten. Und das gefundene Marihuana ist dabei nicht einmal das größte Problem des Angeklagten.

Denn es geht außerdem auch um den mutmaßlichen Versuch des Schwerters, einen neun Jahre jüngeren Schüler mit Gewaltandrohungen in die Rolle eines Drogenkuriers zu zwingen. Allein deswegen steht eine Mindeststrafe von drei Jahren Haft im Raum.

Angeklagter legt Teilgeständnis ab

Zum Prozessauftakt legte der Angeklagte am Montag ein Teilgeständnis ab. Den Fund von 122 Gramm Marihuana am 28. November 2019 in seiner Westhofener Wohnung nickte der 24-Jährige als richtig ab.

„Was soll ich auch anderes sagen: Das Gras, was die Polizei bei mir gefunden hat, war sozusagen mein Vorrat“, gab der Angeklagte zu. „Weil ich neben Wasserpfeife auch bis zu zehn Joints täglich geraucht habe, hatte ich mir einen kleinen Vorrat angelegt. Damit ich nicht immer wieder neu loslaufen muss.“

Mit dem schweren Vorwurf, einen Minderjährigen durch Drohungen zum Drogenverkaufen gedrängt zu haben, will der 24-Jährige Schwerter dagegen nichts zu tun haben.

Rote Kapseln waren angeblich im Safe

„Das mit den Bedrohungen stimmt nicht“, erklärte der 24-Jährige. Er kenne den 15-Jährigen zwar und habe auch das eine oder andere Mal mit ihm in seiner Wohnung „gechillt“. Zum Drogenverkaufen habe er den Schüler aber sicher nicht geschickt.

Die bei dem 15-Jährigen seinerzeit sichergestellten fünf roten Tablettenkapseln müsse der Teenager ihm kurz zuvor in einem unbeobachteten Moment aus einem Möbelsafe geklaut haben.

Dabei habe es sich, so der Angeklagte weiter, anders als es in der Anklageschrift steht, auch nicht um Amphetamine, sondern um verschreibungspflichtige Morphium-Tabletten gehandelt, die er für seine krebskranke Mutter im Safe aufbewahrt habe.

Belastungszeuge mit Corona-Symptomen

Und auch auf die Frage, warum der 15-Jährige ihn bei der Polizei zu Unrecht belastet haben könnte, hatte der Angeklagte eine Antwort: „Das war wohl eine Racheaktion, dafür dass ich kurz davor Streit mit seinem Bruder hatte und den bei mir aus der Wohnung geworfen habe.“

Der Belastungszeuge ließ sich früh morgens bei Gericht mit Coronavirus-Symptomen entschuldigen und soll nun an einem Fortsetzungstermin erneut vorgeladen werden. Neben einer Haftstrafe geht es in dem Prozess auch um die Prüfung der Frage, ob der 24-Jährige als so genannter Hangtäter einen Teil der Haftstrafe in einer geschlossenen Drogenentziehungsanstalt verbüßen soll.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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