Tekin Kalayci von der muslemische Ditib Gemeinde erklärt, wie Ramadan in Zeiten von Corona funktioniert. © Foto: Bernd Paulitschke (Archiv)
Fastenzeit

Ramadan in Corona-Zeiten: „Gesundheit steht über allem“

Keine Essensausgabe, kein Fastenbrechen: Zum zweiten Mal infolge steht der Fastenmonat Ramadan im Zeichen der Corona-Pandemie. Die Muslime in Schwerte müssen auf einiges verzichten.

Ramadan ist für Muslime der heiligste Monat des Jahres. Während der Fastenzeit wird nach dem Sonnenuntergang gemeinsam gegessen und gebetet. Zum zweiten Mal in Folge steht Ramadan in diesem Jahr aber wieder im Zeichen der Corona-Pandemie.

Kein Fastenbrechen mit der Gemeinde

„Soziale Kontakte sind während Ramadan besonders wichtig.“, berichtet Tekin Kalayci, Vorsitzender der Schwerter Ditib Moschee. „Ramadan soll das geistliche und soziale im Menschen in den Vordergrund rücken.“ Dazu gehöre nicht nur das gemeinsame Beten und Fastenbrechen mit Freunden und Familie, sondern auch soziale Projekte wie Spendenaktionen und eine Essenausgabe für Bedürftige.

Ramadan, der heilige Fastenmonat, hat in diesem Jahr am Abend des 12. April begonnen. Beendet wird die Fastenzeit am 13. Mai mit dem Ramadanfest, was viele Deutsche unter dem Namen Zuckerfest kennen. „Normalerweise werden an diesem Tag Verwandte in Krankenhäusern und auf Friedhöfen besucht.“, so Kalayci. „Man isst zusammen, feiert zusammen und beschenkt sich.“

Ausgangssperre erschwert die Situation

In der Zeit vor Corona trafen sich während Ramadan täglich 200 bis 300 Gemeindemitglieder zum Fastenbrechen und anschließendem Abendgebet. In diesem Jahr wird nichts davon stattfinden können. „Gotteshäuser sind von der Pandemie besonders betroffen. Ohne die Menschen sind Kirchen, Moscheen und Synagogen nicht das gleiche.“

Die kürzlich angeordnete Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr verschärfe die Situation für Muslime noch einmal. Da das Fastenbrechen mit dem Sonnenuntergang einhergeht, können die Gläubigen nur Zuhause im kleinsten Familienkreis gemeinsam essen -auch das Abend- beziehungsweise Nachtgebet in der Moschee bleibt vorerst aus.

Einen besonderen Stellenwert habe zudem das Freitagsgebet in den Moscheen. Zumindest das gemeinsame Beten kann unter Hygienemaßnahmen weiterhin stattfinden. „Wer zum Beten in die Moschee kommt, trägt Maske, hält Abstand und bringt auch seinen eigenen Gebetsteppich mit.“, erklärt der Moschee-Vorsitzende.

Alles rundherum bleibe aufgrund der Pandemie leider geschlossen. Dazu gehöre nicht nur das Teehaus der Gemeinde. Der Koranunterricht am Wochenende, an dem rund 180 Kinder teilnehmen, wird derzeit als Distanzunterricht weitergeführt. Zudem fallen alle sozialen Veranstaltungen und Projekte der Gemeinde ins Wasser: Kinderfeste, Blutspenden, Essensausgabe, Almosensammlungen und auch Kulturreisen mit Gemeindemitgliedern.

Hoffnung im Hinblick auf das Ramadanfest

Auch wenn die derzeitige Pandemielage wenig Optimismus auf schnelle Besserung hergibt, hofft Tekin Kalayci, dass sich die Situation bis zum Ramadanfest am 13. Mai zumindest etwas lockert: „Im letzten Jahr haben wir uns noch gesagt, dass wir da jetzt für ein Jahr durchmüssen, damit wir in diesem Jahr wieder gemeinsam feiern können.“ Verdruss kommt beim Vorsitzenden der Ditib-Moschee dennoch nicht auf: „Gesundheit steht über allem.“

Neben der Einschränkung während der Fastenzeit macht Kalayci auch der Blick auf die Finanzen innerhalb der Gemeinde Sorgen. Ohne die geplanten Veranstaltungen fallen viele Spenden innerhalb der Gemeinde weg, ob Teehaus-Einnahmen oder Essensspenden für die Almosen-Ausgabe. „Wir können uns bisher noch gut über Wasser halten. Anderen Gemeinden steht das Wasser schon bis zum Hals.“

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Student für Sozialwissenschaft und Philosophie – gebürtiger Schwerter und Wahl-Dortmunder. Immer interessiert an Menschen aus dem Ruhrgebiet und ihren Geschichten.
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