Dicke rote Punkte, ähnlich wie Windpocken, aber ein freundliches Gesicht: So stellt sich die fünfjährige Tochter unseres Autors das Coronavirus vor. © Kevin Kohues
Kolumne, Teil 1

Quarantäne-Tagebuch: Der Tag, an dem Corona ein Gesicht bekam

Ein Corona-Fall in der Kita zwingt die ganze Familie in Quarantäne: Eine lang gehegte Sorge unseres Autors ist wahr geworden. Einblicke in ein Leben, das sich nur noch in den eigenen vier Wänden abspielt.

Die Nachricht, die wir so lange befürchtet hatten, kommt übers Telefon. Nicht übers private oder dienstliche Mobiltelefon, sondern über das gute alte Festnetz. Wenn das überhaupt nochmal klingelt, ist das für sich genommen schon etwas Besonderes.

Als ich hingehe, beschleicht mich bereits ein ungutes Gefühl. Wer ruft so früh morgens bei uns auf dem Festnetz an? Die Nummer im Display kenne ich. Unsere Kita. Das ungute Gefühl wird stärker. Und es bestätigt sich. „Bevor Sie losfahren“, beginnt die Erzieherin das Gespräch, „muss ich Ihnen leider mitteilen, dass wir einen Corona-Fall haben.“ In der Gruppe unserer Kinder.

Arbeit und Betreuung waren trotz Lockdown zu organisieren – bis jetzt

Sie müssen am nächsten Tag zum Corona-Test – und ab sofort in Quarantäne. Die Nachricht trifft mich mit voller Wucht. Genau diesen Moment haben meine Frau und ich – beide berufstätig – seit Monaten befürchtet. Besonders in den letzten Wochen, in denen es für Pandemie-Maßstäbe trotz aller Lockdown-Einschränkungen eigentlich richtig gut lief.

Alle waren gesund, und der „eingeschränkte Pandemiebetrieb“, in den das Land die Kitas geschickt hat, ermöglichte unseren beiden Kindern weiterhin eine Betreuung. Anders als im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 konnten wir unsere Arbeit um die eingeschränkte Betreuungszeit herum organisieren, das schlimmste aller Schreckensszenarien – Homeoffice mit Kleinkindern – blieb uns erspart. Bis jetzt.

„Haben wir jetzt das Coronavirus? Bekommen wir jetzt eine Spritze?“

Nun also Quarantäne. Die kleine Tochter (1) geht gleich zum Tagesgeschäft über und schnappt sich das nächstbeste Spielzeug. Die große Tochter (5) ist sichtlich irritiert. „Haben wir jetzt das Coronavirus? Bekommen wir jetzt eine Spritze? Mir tut auch schon seit Tagen alles weh“, sprudelt es aus ihr heraus.

Ich versuche sie bestmöglich zu beruhigen, während ich hastig ein paar Anrufe tätige. Informiere die Arbeitskollegen, zum Glück hatte ich dank Homeoffice in letzter Zeit eh kaum Kontakte. Rufe natürlich meine Frau an, die zu nachtschlafender Zeit nichtsahnend zur Arbeit gefahren ist. Und die nach dem ersten Schock ankündigt, schnell noch einen Großeinkauf zu erledigen, ehe sie nach Hause kommt.

Das darf sie, weil die Quarantäne nur für die Kinder gilt. Und das kann sie etwas beruhigter tun, weil sie auf der Arbeit einen Schnelltest macht, der zum Glück negativ ausfällt.

Dieser Einkauf dürfte in die Geschichtsbücher eingehen

Ihr Einkauf dürfte in die familieninternen Geschichtsbücher eingehen, das Auto ist voll wie vor einer Urlaubsreise, als sie nach Hause kommt. Ich schätze, wir können nun locker zwei Wochen überstehen, ohne Hunger und Durst zu leiden.

Aber die Hoffnung, dass es darauf nicht ankommen wird, ist da. Der letzte Kontakt zur infizierten Person liegt fast eine Woche zurück, die Quarantäne wird entsprechend „nur“ für die nächsten acht Tage festgesetzt.

Diese Bögen müssen ausgefüllt zum Corona-Test mitgebracht werden. © Kevin Kohues © Kevin Kohues

Und das Wichtigste: Niemand von uns hat Symptome, die Kinder fegen durch die Bude wie immer. Wir warten gespannt auf den PCR-Test, den das Gesundheitsamt am nächsten Tag in Unna angesetzt hat.

Die Fünfjährige hat in der Zwischenzeit ein Bild gemalt. Es zeigt ein Mädchen mit langen blonden Haaren und großen, knallroten Punkten am Körper. So stellt sie sich also Corona vor. Die bisher unsichtbare Bedrohung hat in unserer Familie jetzt ein Gesicht. Es lacht.

  • In der Kolumne „Quarantäne-Tagebuch“ schildert unser Autor Kevin Kohues, wie seine Familie die häusliche Quarantäne nach einer Corona-Infektion in der Kita seiner Kinder erlebt.
  • Hier geht es zu Teil 2:
  • Hier geht es zu Teil 3:
  • Hier geht es zu Teil 4: (ab Freitagnachmittag)
Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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