Bei einer Recherche zu Quarantäne-Fällen in Schwerter Schulen und Kitas konnte der Kreis Unna keine Angaben liefern. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Meinung

Quarantäne in Schulen und Kitas: Warum gibt es keine Zahlen für Schwerte?

Bei einer Recherche zu Quarantäne-Fällen in Schwerter Schulen und Kitas konnte der Kreis Unna keine Angaben liefern. Sind Statistiken für Schwerte sinnvoll? Unser Autor ist geteilter Meinung.

Statistiken spielen bei der täglichen journalistischen Arbeit eine große Rolle. Statistiken müssen richtig gelesen, richtig wiedergegeben werden, damit sie keine verzerrte Sicht auf die Dinge liefern.

Aus Statistiken werden oft Geschichten. Andersherum brauchen Geschichten auch Statistiken – sie machen den Inhalt nachvollziehbarer und greifbarer, geben ihm eine Basis. In Schwerte ist das allerdings manchmal nicht so leicht.

Keine Aufschlüsselung für Schwerte

Für einen Artikel war unser Autor auf der Suche nach der Anzahl an Schulklassen und Kita-Gruppen, die seit dem Ende der Sommerferien in Quarantäne mussten. Da der Stadt Schwerte die Informationen dazu nicht mitgeteilt werden, wendete er sich direkt an das Gesundheitsamt des Kreises.

Dort hieß es, die Zahlen der Schüler und Kita-Kinder in Quarantäne würden nicht soweit aufgeschlüsselt, dass Zahlen für einzelnen Kommunen erkennbar seien. Kurz gesagt: Für Schwerter Schulen und Kindergärten gibt es keine genaue Statistik.

Wer in die Castroper Ausgabe der Ruhr Nachrichten schaut, findet dagegen eine Übersicht der Quarantäne-Zahlen in Schulen und Kindertageseinrichtungen. Castrop-Rauxel gehört zum Kreis Recklinghausen. Auch in den Städten Dortmund und Hagen kommt man an die nötigen Informationen.

Manchmal notwendig, manchmal nicht

Zugegebenermaßen erscheinen Statistiken für Schwerte in vielen Fällen nicht nötig. Mit weniger als 50.000 Einwohnern ist die Ruhrstadt meist keine aussagekräftige Untersuchungseinheit. So hängen etwa beschlossene Maßnahmen seit Pandemiebeginn stets von Kreis und Land und deren Inzidenz ab.

Der Unterschied ist aber: Die Infizierten-Zahlen für Schwerte werden trotzdem bekannt gegeben. In Sachen Quarantäne sieht das anders aus: Hier gibt es keine zuverlässigen Zahlen für die Stadt.

Wenn man wissen will, wie sicher Schwerter Schulen und Kitas in Bezug auf Corona sind, reicht die Kreisebene nach Meinung unseres Autors nicht aus. Dafür ist der Kreis nicht homogen genug. Kindertagestätten in Selm haben mit denen in Schwerte nur wenig gemeinsam.

Innerhalb von Schwerte stehen die Einrichtungen in direktem Zusammenhang, die Kinder der verschiedenen Tagesstätten stehen in ihrer Freizeit, beispielsweise im Sportverein, in Kontakt, können dort Infektionen weitergeben. Eine Quarantäne in einer Selmer Kita betrifft Schwerter Kinder und Eltern wohl eher nicht – deswegen sind die allgemeinen Zahlen auf Kreis-Ebene, die nur zwischendurch mal im Corona-Update auftauchen, fast uninteressant.

Fraglich bleibt vor allem, warum andere Städte diese Aufschlüsselungen wie selbstverständlich veröffentlichen, während das Gesundheitsamt des Kreises Unna scheinbar keine Möglichkeit dazu hat.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Student für Sozialwissenschaft und Philosophie – gebürtiger Schwerter und Wahl-Dortmunder. Immer interessiert an Menschen aus dem Ruhrgebiet und ihren Geschichten.
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Felix Mühlbauer

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