Prozess um Mord in Ergste: Michael S. will nun reden. Allerdings nicht mit dem Richter

dz10. Verhandlungstag

Was sagt Michael S.? Gibt er zu, eine 72-Jährige aus Ergste ermordet zu haben? Spricht er über ein sexuelles Motiv? Am Freitag sagt er aus. Die Öffentlichkeit erfährt davon aber erst später.

Ergste

, 10.10.2019, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Beweise sind nahezu eindeutig: An mehreren Stellen im Haus, an Halstuch, Strumpfhose, Unterhose, selbst am Körper der Toten fand man DNA von Michael S., einem verurteilten Mörder, der nach 28 Jahren Knast und drei Monaten in Freiheit den nächsten Sexualmord begangen haben soll.

Nach monatelangem Schweigen will der 50-Jährige nun über die Tatnacht sprechen, in der die 72-Jährige starb. Allerdings ist Michael S. nicht öffentlich dazu bereit, sondern nur unter vier Augen mit einem Psychologen. Der soll dann in der Gerichtsverhandlung wiedergeben, was S. ihm gesagt hat.

Dieses Gespräch soll an diesem Freitag stattfinden, am 11. Oktober. Das erklärte der Vorsitzende Richter Marcus Teich beim Verhandlungstag Nummer zehn, am Donnerstag, 10. Oktober, also dem Tag, an dem eigentlich das Urteil gefallen wäre.

Warum dieser Prozesstag nicht einfach ausfallen konnte

Doch das Ende des Schweigens von Michael S. warf auch den Zeitplan über den Haufen. Plädoyers und Urteil sind auf Anfang November verschoben. Und der eigentliche Urteils-Termin am Donnerstag war eigentlich zu einer Pflichtveranstaltung verkommen.

Ausfallen lassen konnte man ihn nicht, denn zwischen zwei Verhandlungstagen dürfen maximal drei Wochen verstreichen. Und ohne den Donnerstags-Termin wäre das der Fall gewesen.

Und ein Verhandlungstag ohne Inhalt? Quasi ein Richter, der sagt: „Ich eröffne die Sitzung. Hat jemand etwas Neues? Nein? Na dann, bis zum nächsten Mal.“? Auch das ist nicht zulässig.

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Staatsanwaltschaft wollte Zustand der Kleidung noch sehen

Die Lösung, die das Gericht fand: Staatsanwalt Michael Burggräf hatte doch darum gebeten, dass einige Kleidungsstücke der Toten noch einmal angesehen werden konnte - Unterhose und Strumpfhose. Welche DNA-Spuren dort gefunden wurden - das war alles schon bekannt. Der Zustand der Kleidungsstücke an sich aber nicht.

Interessant im Hinblick auf die Plädoyers: Ist die Kleidung zerrissen worden? Gibt es offensichtliche Spuren von Gewalteinwirkung?

Im Raum steht ja weiterhin nicht nur die Frage, ob Michael S. die Frau getötet hat. Sondern auch, ob es dann Mord oder Totschlag war und ob es ein sexuelles Motiv gab.

Richter geht auf viele Details und Spuren ein

Das Ergebnis der kurzen In-Augenschein-Nahme: Nichts war zerrissen. Dennoch: Viele Spuren waren darauf gefunden worden. Welche und wo genau - das führte Richter Teich noch einmal ausführlich aus. Ob aus Gewissenhaftigkeit oder um dem Angeklagten vor der Aussage einen Tag später noch einmal zu verdeutlichen, was das Gericht alles schon weiß - das sei dahingestellt.

Auch ob das der Grund dafür war, warum Michael S. am Ende dieses Verhandlungstages den Saal so schnell verlassen wollte wie sonst nie - das wäre reine Spekulation.

Noch zwei Prozesstage

Aussage, Plädoyers, Urteil - so geht es weiter

Am Mittwoch, 30. Oktober, ab 14 Uhr wird der Psychologe Pedro Faustmann dann im Saal vortragen, was Michael S. ihm gesagt hat. Am Mittwoch, 6. November, ab 11 Uhr sollen zunächst die Plädoyers von Staatsanwalt Burggräf und Verteidiger Martin Düerkop dran sein. Anschließend spricht das Gericht das Urteil. Das bedeutet: Das Verfahren dauert dann mehr als zwei Monate länger als geplant. Ursprünglich war das Urteil für 29. August vorgesehen gewesen.
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