Urlaub - macht man ihn besser mit der eigenen Familie, oder ist es schöner, wenn man gemeinsam mit anderen Familien verreist? Unsere Kollegen Martina Niehaus und Daniel Claeßen sind sich da nicht einig. © Grafik Klose
Urlaub

Pro und Contra: Urlaub mit befreundeten Familien – oder lieber allein?

Wird der Familienurlaub zur Katastrophe, wenn man mit Freunden und deren Kindern gemeinsam fährt? Oder wird er dann erst richtig schön? Unsere Autoren sind da unterschiedlicher Meinung...

Daniel Claeßen: „Urlaub mit Freunden macht vieles einfacher“

Seit einigen Jahren fahren wir regelmäßig mit befreundeten Familien in den Urlaub. Der Vorteil liegt auf der Hand: Auch dann, wenn man mal nicht auf einem Campingplatz verweilt, haben die Kinder sofort Kontakt zu Spielkameraden, die sie in der Regel auch bereits kennen und wo es keine Aufwärmphase braucht. Für die Erwachsenen heißt das im Gegenzug: Man kann sich in Ruhe mit den Dingen beschäftigen, die im Urlaub wichtig sind. Und das ist in der Regel man selbst.

Ausspannen, ein gutes Buch lesen (oder auch zwei), entspannte Gespräche führen – das alles ist einfacher, wenn man sich um die Kinderbetreuung keine Sorgen machen muss. Die Tatsache, dass Freundinnen und Freunde des Nachwuchses sofort am Start sind, führt zudem dazu, dass sich unsere Kinder wiederum a) besser benehmen als sonst und b) auch deutlich selbstständiger entscheiden, was sie tun wollen (anstatt von den Erziehungsberechtigten ein Unterhaltungsprogramm einzufordern).

Abenteuer mit guten Freunden teilen

Eine Sache ist für den gemeinsamen Familienurlaub jedoch ungemein wichtig: Alle Beteiligten müssen sich darüber klar sein, dass man nicht 24 Stunden am Tag etwas zusammen unternimmt. Natürlich will man auch mal für sich sein, vielleicht haben die Kinder bei aller Freude unterschiedliche Interessen und Rituale.

Der gemeinsame Urlaub verpflichtet nicht dazu, auf die Gewohnheiten der jeweils anderen Familie Rücksicht zu nehmen – jeder darf sein (oder besser ihr) Ding durchziehen, genießt aber den netten Nebeneffekt, dass alles andere im (Urlaubs)Alltag wie von allein läuft.

Zugegeben: Jeden Urlaub würde ich nicht mit anderen Familien verbringen wollen. Aber ich freue mich jedes Jahr darauf, wenigstens ein Abenteuer mit guten Freunden (und deren Kindern) zu teilen.

Martina Niehaus: „Urlaub mit einer anderen Familie? Keine Chance!“

Sie fragen uns seit Jahren. Immer wieder, obwohl wir jedes Mal „Nein“ sagen. Meistens, wenn die Kinder dabei sind. „Habt ihr nicht Lust, mal mit uns zusammen Urlaub zu machen?“

Die Kinder schreien dann immer Hurra. Na klar, unsere Freunde haben ein Mädchen und einen Jungen, die ebenfalls 12 und 14 sind. Wie unsere Jungs. Die Kinder mögen sich. Wir mögen unsere Freunde.

Aber wir wollen nicht mit ihnen in den Urlaub fahren!

Mein Mann und ich erklären dann geduldig, dass Urlaub für uns eine Auszeit bedeutet. Vom Rest der Familie, von den Nachbarn. Und ja, auch von den Freunden. Wir wollen einfach mal unter uns sein.

Dann moppern alle Kinder, dass wir langweilig seien. „Wir könnten SO SCHÖN zusammen spielen“, sagen sie. Und unsere Freunde lächeln dazu mit hochgezogenen Augenbrauen. Ihr Argument ist immer gleich: Wenn die Kinder sich gegenseitig beschäftigen, haben wir Erwachsenen mehr Zeit für uns, können gemütlich sitzen, quatschen und Cocktails schlürfen. Klingt verlockend.

Vergesst es. Für unsere Solo-Urlaube gibt es mehrere Gründe.

Erstens: Sind wir unterwegs, geschieht bei uns ein großes Wunder. Wir reden miteinander. Auf dem Weg vom Strand zum Restaurant, beim Warten aufs Essen. Auf der Autofahrt, bei einer Wanderung. Oder abends auf dem Hotelbalkon.

Das sind keine tiefgehenden Gespräche. Aber schöne Momente, die im Alltag oft zu kurz kommen. Und die wir nicht hätten, wenn die Jungs mit ihren Freunden um den Block ziehen würden. Mal ganz abgesehen davon, dass ich auch nicht entspannt beim Weinchen mit meinem Mann quatschen würde, sondern mit meiner Freundin. Und mein Liebster mit deren Mann.

Zweitens: Mahlzeiten wären eine Qual. Sobald andere Kinder mit am Tisch sitzen, sind wir für unsere pubertierenden Jungs nur noch peinlich. Es ist nicht etwa so, dass wir nichts anhätten oder auf dem Tisch tanzend mit rohen Eiern jonglierten. Es reicht, wenn mein Mann mich „Schatz“ nennt – schon verdrehen die Kinder die Augen. Brauche ich nicht.

Sind wir allein mit der Familie, quatschen wir einfach gemütlich. Niemand muss cool sein, und peinlich ist gar nichts. Selbst über meine ewigen Flachwitze wird gnädig gelacht. Manchmal.

Drittens: Unsere Kinder treffen sich zu Hause mit ihren Freunden. Machen ihr Ding, getrennt voneinander. Weil Brüder sich eben auch oft auf den Wecker fallen. Völlig normal, und okay für uns.

Im Urlaub ist das anders: Plötzlich unterhalten sich die beiden, die sich sonst gegenseitig mit knallenden Türen aus dem Zimmer werfen. Gehen beim Spaziergang vor uns her, völlig ins Gespräch vertieft. Manchmal legt sogar einer dem anderen unbewusst den Arm um die Schulter. Wie sie es früher oft gemacht haben. Das passiert heute nur noch, wenn sie völlig ungestört sind.

Ich liebe diesen Anblick. Und fürchte, es wird nicht mehr lange dauern, bis die Jungs allein in den Urlaub fahren möchten. Dann verreise ich gern mit meinen Freunden.

Meinen Cocktail bekomme ich bis dahin auch so. Reichst du ihn mir rüber? Schatz?

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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