Postplatz soll kein Treffpunkt sein: Stadt lässt WLAN abschalten

dzSchutz vor Corona

Freies WLAN auf dem Postplatz in Schwerte? Wenige Tage nach einer Hust-Attacke auf das Ordnungsamt ist es abgeschaltet. Die Stadt erklärt: Einen Zusammenhang gibt es nicht.

Schwerte

, 24.04.2020, 16:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Stunde freies WLAN. Das gibt es in Schwerte normalerweise an zehn öffentlichen Orten, zur Verfügung gestellt von Sparkasse, Stadtwerken und Elementmedia.

Jetzt aber sind zwei zentrale Hotspots abgeschaltet: auf dem Postplatz und auf der Bahnhofstraße in der Nähe des Stadtwerke-Kundencenters. Um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern, wie die Stadt Schwerte am Freitag mitteilte.

Die Verantwortlichen aus dem Rathaus hatten sich das temporäre Abschalten von den Unternehmen gewünscht, „um in Zeiten der Coronakrise Menschen davon abzuhalten, im öffentlichen Raum gemeinsam im Internet zu surfen“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

„Gruppenaufenthalte sind nach wie vor nicht erlaubt“

Man habe „die Sicherheit ihrer Einwohner*innen im Blick“ und wisse natürlich, dass „der Postplatz zu den beliebten Treffpunkten im Stadtgebiet“ gehöre.

Der dortige Hotspot werde stark genutzt. Damit verbunden seien aber immer wieder Verstöße gegen die in der Coronaschutzverordnung des Landes festgelegten Abstandsregeln und gegen das Versammlungsgebot. „Gruppenaufenthalte sind nach wie vor nicht erlaubt“, sagt Jenny Golombek, Leiterin des Ordnungsamtes der Stadt Schwerte. „Wir wollen nicht, dass Menschen der Verlockung erliegen, durch gute technische Voraussetzungen gemeinsam im Internet zu surfen und sich dabei zu nahe zu kommen. Deshalb haben wir den Kontakt zur Elementmedia gesucht.“

Vor kurzem: Mann hustete Ordnungsamts-Mitarbeiter an

Dass es auf dem Postplatz zu Konflikten kommt zwischen den Gruppen auf der einen und Polizei und Ordnungsamt auf der anderen Seite, zeigte sich erst vor einigen Tagen. Nachdem städtische Mitarbeiter auf die neuen Regeln hingewiesen hatten, wurden sie von einem Mann gezielt angehustet.

Das hatte nicht nur die Verantwortlichen bei der Stadt Schwerte verärgert, sondern auch den obersten Polizisten im Kreis Unna dazu bewegt, sich deutlich zur Lage zu äußern. Das sei „nicht nur ein asoziales, sondern auch strafrechtlich relevantes Verhalten, das wir aufs Schärfste verurteilen und konsequent verfolgen“, sagte Peter Schwab.

Schwertes Bürgermeister Dimitrios Axourgos hatte die Hust-Attacke als „menschenverachtend“ bezeichnet, die für Ordnung zuständige Dezernentin Bettina Brennenstuhl hatte ergänzt, das sei eine „widerwärtige Attacke“ gewesen.

Stadt: Keine Reaktion auf die Hust-Attacke

Dennoch: Eine Reaktion auf diesen konkreten Vorfall sei das Abschalten des Postplatz-WLANs nicht, erklärte Ingo Rous, Sprecher der Stadt, am Freitagmittag auf Anfrage.

Vielmehr gehe es einfach um das generelle Verhindern von Ansammlungen. Denn durch das WLAN sei die Verlockung ja groß, dass mehrere Menschen gleichzeitig auf ein Handy schauten und keinen Abstand hielten.

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