Polizeikontrolle am Freischütz: Handy am Steuer und abgeklemmte Bremse

dzHörder Straße

Jeder sechste Fahrer am Handy. Ein Lastwagen mit abgeklemmter Bremse. Kein Gurt, keine Pause, kein Führerschein – die Polizei war erschrocken, was sie bei Kontrollen in Schwerte herausfand.

Schwerte

, 07.09.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Schwerpunkteinsätze zur Überprüfung der Einhaltung der Sozialvorschriften am Parkplatz Freischütz an der Hörder Straße“, waren es. So zumindest lautet die behördlich genaue Formulierung der Polizei.

Am Mittwoch und Donnerstag, 2./3. September, standen die Beamten kurz hinter der Stadtgrenze von Dortmund nach Schwerte. Die Bilanz dessen, was sie dort fanden, liest sich erschreckend. Und auch die Polizisten selbst finden im Nachklang deutlichen Worte.

? Wer wurde kontrolliert? Wie viele Fahrzeuge waren betroffen?

127 Fahrzeuge seien kontrolliert worden, teilte die Polizei am Montag mit. Sowohl Autos als auch Lastwagen habe man dabei unter die Lupe genommen. Insgesamt 75 Maßnahmen habe man treffen müssen.

? Was war der häufigste Verstoß?

20 Anzeigen wegen Handynutzung am Steuer habe es gegeben, heißt es. Umgerechnet auf die 127 Kontrollen also: Fast jeder Sechste, den sich die Polizei genauer anschaute, hatte das Smartphone in der Hand.

? Wie beurteilt die Polizei das?

„Es ist eine schockierende Erkenntnis, dass viele Verkehrsteilnehmer immer noch nicht verinnerlicht haben, dass die Handynutzung am Steuer tödliche Folgen haben kann“, unterstreicht Polizeioberrat Stephan Werning, Leiter der Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde Unna: „Besonders erschreckend war auch die Vielzahl der LKW-Fahrer, die das Handy während der Fahrt bedienten.“ Zumal sich bei Lastwagen der Bremsweg noch deutlich mehr verlängere als bei den viel leichteren Autos.

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? Waren das die einzigen Verstöße von LKW-Fahrern?

Nein, ganz im Gegenteil. 16 LKW-Fahrer hatten Pausen- und Ruhezeiten nicht eingehalten. In fünf Fällen gab es einen Verstoß gegen die Gefahrgutverordnung, also falsch deklarierte oder falsch beförderte gefährliche Güter. Bei vier Lastwagen war die Ladung nicht korrekt gesichert. Vier Mal gab es technische Mängel am Fahrzeug. Ein LKW war überladen.

? Wie viele wurden aus dem Verkehr gezogen?

Sechs Fahrzeuge durften nicht weiterfahren. Zwei Mal musste die Polizei Mängelkarten ausstellen, also gewissermaßen eine gelbe Karte für den Straßenverkehr. Zwei Fahrer mussten Sicherheitsleistungen zahlen, einer davon war der Polizei noch weitere Erläuterungen wert.

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? Wieso? Was war das für ein Fall?

Es ging um einen LKW aus Bulgarien mit „erheblichen technischen Mängeln“. „Unter anderem war ein Bremszylinder des Aufliegers ohne jegliche Bremswirkung, da die Bremsleitungen vorsätzlich abgeklemmt worden waren, um ein Festsetzen der Bremse zu verhindern.“ Bei der Dekra-Begutachtung wurden weitere Dinge deutlich, unter anderem mehrere Achslagerschäden. Der Fahrer musste 800 Euro Strafe zahlen. Weiterfahren durfte er natürlich trotzdem nicht.

? Das war dann aber alles, was die Polizei herausfand?

Nein, immer noch nicht. Drei Fahrer hatten keinen Führerschein. Zwei Mal fanden die Beamten Urkundenfälschung heraus. Und in sieben Fahrzeugen waren Menschen nicht angeschnallt.

? Wer kontrolliert eigentlich genau am Freischütz? Und wieso genau dort?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits fließt der Verkehr an der B236 stadteinwärts nach Schwerte wieder etwas schneller. Was auch bedeutet: Bei möglichem Tempo 50 ist die funktionierende Bremse noch wichtiger als bei Stop-and-Go. Außerdem waren neben den Beamten aus dem Kreis Unna noch solche eingesetzt, die am LAFP in Selm sind, also am Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW. Am Freischütz lernen sie in der Praxis, wie solche Kontrollen durchgeführt werden.

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