Schulleiter Heiko Klanke hat in einem Video gesprochen, das jetzt auf einer Pädagogikkonferenz in Havanna gezeigt wurde. © Christoph Harmata
Schüleraustausch

Per Videokonferenz nach Kuba: So geht Schüleraustausch in Pandemie-Zeiten

Als erste deutsche Schule hat ein Schwerter Gymnasium ein Austauschprojekt mit einer Schule in Havanna gestartet. Das steht jetzt zu Corona-Zeiten vor großen Herausforderungen. Aber es geht – wie ein Video zeigt.

Schüleraustausch – dieser Begriff steht für Treffen mir Freunden, Leben in Gastfamilien, Reisen in andere Länder. Alles Dinge, die gerade wegen der Corona-Pandemie nicht möglich sind. Doch die Schulen finden andere Lösungen, um den Kontakt zu ihren Partnerschulen aufrecht zu erhalten. Ein Gymnasium in Schwerte geht dabei besondere Wege.

Aus einer „fixen Idee“ wird Wirklichkeit

Vor rund fünf Jahren hatte der Schulleiter des Friedrich-Bährens-Gymnasiums Heiko Klanke eine „fixe Idee“, wie er es nennt. Er wollte einen Schüleraustausch mit einer Schule auf Kuba ins Leben rufen.

Aus der Idee mit der Partnerschule in Mittelamerika ist Wirklichkeit geworden: Klanke bekam politische Unterstützung. „Die kubanische Botschaft in Berlin hat großes Interesse an dem Austausch.“ Auch die Dortmunder Kuba-Hilfe unterstützt das Projekt. „Es ist ein Glücksfall, dass wir so gute Kontakte haben“, erzählt er.

Partnerschule mit klingendem Namen

Im September 2019 wurde es ernst für die Schwerter Gymnasiasten: Eine Delegation von rund zwölf Schülern, drei Lehrern und einem Elternteil reiste nach Kuba und besuchte dort die Partnerschule mit dem klingenden Namen „Instituto Preuniversitario José Miguel Pérez Pérez“ – als erste deutsche Schülergruppe überhaupt.

Volleyball auf Kuba: Solche unbeschwerten Momente erleben die Kinder gerade nicht.
Volleyball auf Kuba: Solche unbeschwerten Momente erleben die Kinder gerade nicht. © FBG © FBG

Der Besuch in Havanna hat bei Jugendlichen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Für die Schüler war es ein wahnsinniges Erlebnis“, freut sich Heiko Klanke.

Kein Gegenbesuch: „Wir waren alle traurig“

Im darauffolgenden Herbst sollten auch kubanische Schüler nach Schwerte kommen. Dafür hatte man bereits Geld gesammelt. „Es gibt Fördermittel, mit denen wir die Reise ermöglichen wollten“, erzählt Heiko Klanke. Denn die meisten Kubaner können sich mit ihrem geringen Einkommen eine Reise nach Deutschland nicht leisten. „Hier hätten sie dann in Gastfamilien gelebt.“

Hätten. Wenn die Corona-Pandemie nicht gekommen wäre. So musste der Gegenbesuch auf unbestimmte Zeit verschoben werden. „Wir waren alle sehr traurig, und die Schüler aus Kuba erst recht“, erzählt der Schulleiter. „Für sie wäre es der erste Auslandsaufenthalt überhaupt gewesen.“

Der Kontakt zu Havanna bleibt intensiv. Die Schüler haben vor allem über Facebook oder über verschiedene WhatsApp-Gruppen Kontakt. „Auch über Facebook kommunizieren wir oft“, erzählt Klanke.

Die Partnerschaft zwischen dem FBG und der Schule aus Havanna ist noch nicht alt. Trotzdem halten alle fest zusammen - auch in Coronazeiten.
Die Partnerschaft zwischen dem FBG und der Schule aus Havanna ist noch nicht alt. Trotzdem halten alle fest zusammen – auch in Corona-Zeiten. © FBG © FBG

So ist man in Schwerte immer über die Situation der Freunde informiert. Dort sei die Infektionslage gerade wieder etwas gestiegen. „Bei elf Millionen Einwohnern gab es zuletzt 1000 Neuinfektionen“, erzählt Klanke. Das sei relativ wenig, aber es gebe dort auch nicht so viele Intensivbetten. Die Kubaner, so der Schulleiter, hielten die strengen Regeln dort sehr diszipliniert ein. Deshalb seien auch die Schulen seit Längerem geschlossen.

Video auf Spanisch

Über den „kurzen“ Dienstweg halten auch die Lehrer Verbindung: „Fast täglich führen meine Kollegen Svenja Sens und Neda Nikpour, die Spanisch unterrichten, oder ich Telefonate mit der Botschaftsrätin.“

Wobei Klanke zugibt, dass seine Spanischkenntnisse eher begrenzt seien. Trotzdem telefoniert er auch mit der Schulleitung in Havanna. Das seien dann mitunter unfreiwillig komische Telefonate – die aber dem wichtigen Zweck dienen, Kontakt zu halten. Mittlerweile hat die Schule einen offiziellen Vertrag mit dem kubanischen Erziehungsministerium abgeschlossen, um die Verbindung weiter zu festigen.

(Video: Christoph Harmata)

Eine besondere Aktion ist ein Video auf Spanisch, das Lehrer des FBG aufgenommen haben. „Dieses Video ist am Donnerstagabend auf der internationalen pädagogischen Tagung ,Pedagogia 2021‘ gezeigt worden, und es ist sehr gut angekommen“, erzählt der Schulleiter stolz.

Und auch wenn es momentan noch nicht möglich ist: Das FBG hat den Besuch der Schüler aus Havanna weiter auf dem Schirm. „Die Fördermittel sind da, eine erhebliche Summe. Die liegt jetzt auf einem Konto, bis sie abgerufen wird.“

Schüler aus Schwerte tanzen mit ihren kubanischen Partnerschülern. Diese Bilder stammen aus dem Herbst 2019. Jetzt sehnen sich alle nach einem Gegenbesuch ihrer Freunde.
Schüler aus Schwerte tanzen mit ihren kubanischen Partnerschülern. Diese Bilder stammen aus dem Herbst 2019. Jetzt sehnen sich alle nach einem Gegenbesuch ihrer Freunde. © privat © privat
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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus

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