Panne beim Sirenen-Probealarm: Nicht alle Schwerter wurden gewarnt

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Sie sollen vor Katastrophen warnen. Um 11 Uhr heulten am Donnerstag bundesweit die Sirenen. Doch am Alten Dortmunder Weg kam kein Ton an, so Horst Brand. Auch die Warn-App im Handy streikte.

Schwerte

, 10.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es hätte es brenzlig werden können für Horst Brand. Wie gut, dass diesmal keine echte Gefahr drohte. Dass keine Giftwolke Richtung Schwerte zog und nicht einmal die Ruhr über die Ufer getreten war.

Der 71-Jährige hätte nichts unternehmen können, um sich zu retten. Denn nicht nur die Sirenen, die am Donnerstagmorgen bundesweit zum Probeblasen eingeschaltet wurden, seien in seiner Wohnung am Alten Dortmunder Weg nicht zu hören gewesen, klagt er.

Auch alle anderen Warntechniken - von der HandyApp NINA bis zum Rundfunk - hätten nicht einwandfrei funktioniert.

Radio und Fernsehen war extra nur auf Zimmerlautstärke gestellt

„Beim letzten Mal war es das Gleiche“, klagt Horst Brand. Deshalb wollte er am Donnerstag testen, ob die Alarmierung jetzt endlich besser funktionierte. Die Fragen der Quizsendung im Ersten Programm kamen nur auf Zimmerlautstärke aus dem Lautsprecher seines Fernsehers.

Genauso leise waren die WDR5-Nachrichten im Radio eingestellt, als die Sirenen um 11 Uhr losheulten. Doch der Schwerter spitzte vergeblich seine Ohren. Durch die geschlossenen Fenster des Neubaus sei nichts zu vernehmen gewesen - ganz anders, als wenn schräg gegenüber die Glocken im Turm des Johanneshauses am frühen Abend losscheppern. Auch von Unterbrechnungen der Rundfunksendungen, von denen er vorher gehört habe, sei nichts zu bemerken gewesen.

Hoch über den Dächern der Neubausiedlung am Alten Dortmunder Weg müsste der Schall der Sirenen eigentlich frei zur Wohnung von Horst Brand durchdringen. Das Geschepper der Glocken aus dem Kirchturm des Johanneshauses sei jeden Tag um 18 Uhr laut durch die Scheiben zu vernehmen.

Hoch über den Dächern der Neubausiedlung am Alten Dortmunder Weg müsste der Schall der Sirenen eigentlich frei zur Wohnung von Horst Brand durchdringen. Das Geschepper der Glocken aus dem Kirchturm des Johanneshauses sei jeden Tag um 18 Uhr laut durch die Scheiben zu vernehmen. © Reinhard Schmitz

Vergeblich hatte der Schwerter noch eine dritte Sicherheit installiert: die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes (NINA) auf seinem Handy - sogar kurz zuvor noch per Update aktualisiert.

Doch der Sirenenton, den Horst Brand als Warnton eingestellt hatte, meldete er mit großer Verspätung eine Gefahr: „Die erste Warnmeldung - Entwarnung - kam erst um 11.40 Uhr an, die zweite Meldung - Warnung - dann erst um 12.02 Uhr und die letzte Meldung - Entwarnung - um 12.05 Uhr.“

Kreis Unna: Offenbar bundesweites Problem mit Warn-App Nina

Die Handy-Panne war absolut kein Einzelfall, wie Birgit Kalle aus der Pressestelle des Kreises Unna berichtet. „Wir haben festgestellt, dass es bei der Warn-App Nina ein bundesweites Problem gegeben zu haben scheint“, sagt sie: „Der Grund ist uns nicht bekannt.“

Die Pressestelle des zuständigen Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verwies auf das Bundesministerium des Innern, von dessen Pressestelle bislang keine Antwort zum Thema einging.

21 Sirenen in Schwerte sollen das ganze Stadtgebiet abdecken

Der Kreis - so Birgit Kalle weiter - sei nur für das Auslösen der Sirenen zuständig: „Wir wissen, dass alles ausgelöst worden ist.“ In Schwerte gibt es nach Auskunft von Stadt-Pressesprecher Ingo Rous insgesamt 21 Sirenen. „Sie sind so angelegt, dass die Schwerter überall die Sirenen mitkriegen“, sagt er.

Im Lob- und Beschwerdemanagement des Rathauses seien bislang keine weiteren Beschwerden eingegangen.

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