Oliver Kaczmarek ist in der Arbeitersiedlung Kalthof in Kamen aufgewachsen. In dem Haus hinter ihm hat er einst mit seinen Eltern und seinem fast zehn Jahre älteren Bruder gewohnt. © Stefan Milk
Bundestagswahl 2021

Oliver Kaczmarek (SPD): Passionierter Politiker und Patchwork-Papa

Oliver Kaczmarek war der Erste aus einer Bergarbeiter-Familie, der studierte. Im Wahlkreis ist er nach zwölf Jahren im Bundestag ein bekanntes Gesicht. Was viele nicht wissen: Er lebt in einer Patchwork-Familie.

Die Tochter von Oliver Kaczmarek ist sechs Jahre alt. Natürlich weiß sie, dass ihr Papa Politiker ist. Zurzeit sieht sie ihn auf vielen Wahlplakaten. Und stellt ihm dann Fragen wie diese: „Darfst du alles bestimmen in Deutschland?“ Ihr Papa erklärt ihr dann, dass er nicht allein bestimme, aber schon mitbestimmen dürfe in diesem Bundestag, dem er für die SPD und den Wahlkreis Unna I seit immerhin zwölf Jahren angehört.

Freilich: Das sind noch lange keine Schäuble-Dimensionen, aber doch immerhin drei volle Wahlperioden. Seit 2009 pendelt der Kamener zwischen seinem Wahlkreis und Berlin, wo er für die Sitzungswochen eine 35-Quadratmeter-Wohnung zum Schlafen angemietet hat.

Den Wahlkreis hat er stets direkt gewonnen – und ist noch lange nicht amtsmüde. Sicher habe er, der Bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, schon einiges mit anschieben können, sagt er mit Blick auf den Digitalpakt Schule oder die Mindestausbildungsvergütung. Aber es gebe weiterhin große Baustellen, etwa das Bafög, das trotz Novelle noch nicht so viele junge Menschen bekommen, wie es laut Kaczmarek eigentlich nötig wäre.

Seine Eltern hätten ihn gerne bei der Sparkasse gesehen

Der 51-Jährige ist kein „Platz da, hier komm ich“-Typ und kein Lautsprecher, sondern wirkt bodenständig, bescheiden, besonnen. Vielleicht liegt das an seinem Elternhaus. Kaczmarek kommt aus einfachen Verhältnissen, wuchs in der Arbeitersiedlung Kalthof in Kamen auf. Sein Vater war Bergmann, die Mutter Hausfrau, das Zimmer teilte er sich mit dem fast zehn Jahre älteren Bruder. Urlaub wurde im Ruhrkohle-Erholungshaus im sauerländischen Willingen gemacht.

Die Eltern hätten ihn nach einem Praktikum bei der Sparkasse gerne dort eine Ausbildung machen sehen, doch der Filius hatte andere Pläne. Er wollte Abi machen und studieren. „Ich wusste gar nicht genau was“, gibt Kaczmarek zu. An der Ruhr-Uni in Bochum wählte er schließlich seine Lieblingsfächer, Geschichte und Sozialwissenschaften, auf Lehramt. Doch ins Referendariat ging er nicht.

Kaczmarek arbeitete im Schulministerium des Landes NRW, bevor er 2009 erstmals in den Bundestag gewählt wurde.

Oliver Kaczmarek ist Bundestagsabgeordneter, nimmt aber auch seine Rolle als Vater einer Sechsjährigen intensiv wahr. Er sagt: „Es war mir wichtig nach der Trennung, dass ich im Alltag meiner Tochter bleibe, und ich spüre, dass es uns beiden gut tut.“ © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Bildungs-, Arbeits- und Sozialpolitik sind bis heute seine Schwerpunkte, mit dem „Roten Rucksack“ und bemerkenswerter Präsenz auch außerhalb des Wahlkampfes erarbeitete sich Kaczmarek über die Jahre eine große Bekanntheit.

Bei seinen Gesprächen mit den Menschen an den Haustüren spüre er viel Rückhalt, sagt er. Bis zu 10.000 Haushalte wird er bis zum Ende des Wahlkampfes besucht haben.

Er nimmt sich trotzdem viel Zeit für seine Tochter

Bleibt bei so viel Politik, so viel Arbeit überhaupt noch Zeit für die Tochter? Ja, sagt Kaczmarek. Von der Mutter der Sechsjährigen lebt er schon seit über vier Jahren getrennt, bezeichnet sich als „getrennt erziehend“. Wenn er nicht in Berlin ist, wohnt seine Tochter bei ihm, im Reihenhaus in Kamen. „Wir teilen uns das auf, wechseln wochenweise, auch im Wahlkampf“, erklärt Kaczmarek. Seine Tochter solle von beiden Elternteilen etwas haben. Er macht keinen Hehl daraus, dass sein Terminkalender eine große Herausforderung darstellt. Gerade jetzt, mit den vielen Abendterminen, ist er auf Unterstützung angewiesen. Und bekommt sie aus seiner Patchwork-Familie, zum Beispiel von seiner Lebensgefährtin, die selbst einen 13-jährigen Sohn hat, oder von der Oma.

„Es war mir wichtig nach der Trennung, dass ich im Alltag meiner Tochter bleibe, und ich spüre, dass es uns beiden gut tut“, sagt Kaczmarek ganz offen. Mit ihr und ihren Barbie-Puppen, Bauernhof- und Stofftieren zu spielen, „das erdet ungemein“.

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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