In der Coronapandemie fällt an vielen Schulen das Radfahrtraining aus. Doch es gibt Alternativen zum Verkehrssicherheitstraining. © picture alliance/dpa
Radfahrtraining

Ohne Schüler keine Fahrradprüfung – was kann man tun?

Im Distanzunterricht fallen auch Fahrradprüfungen aus. Grundschulleiter aus Schwerte improvisieren – Polizei und ADFC geben Eltern außerdem wichtige Tipps zur Sicherheit beim Radeln.

Fragt man Martin Krämer nach den aktuellen Fahrradprüfungen für Viertklässler, kommt vom Schulleiter der Schwerter Lenningskampgrundschule als erste Reaktion ein halb amüsiertes, halb frustriertes Schnauben. „Solange keine Kinder hier sind, gibt es auch kein Radfahrtraining“, sagt Krämer.

Der Schulleiter ist gerade dabei, Matheaufgaben zu korrigieren. Trotzdem macht er sich auch schon Gedanken darüber, ob und in welcher Form das Verkehrssicherheitstraining an seiner Grundschule durchgeführt werden kann. „Wenn alles normal liefe, dann wären wir jetzt dran“, sagt Krämer. Aber wegen Corona läuft gerade eben nichts normal.

„Das Zeitfenster ist relativ eng.“

Von Schule zu Schule ist die Situation unterschiedlich – je nachdem, ob man die Termine zur Prüfung gerade glücklicherweise in einer Woche hatte, in der Präsenzunterricht stattfinden konnte. „Mit der Polizei Unna stehen wir in engem Kontakt“, sagt Martin Krämer.

Der Schulleiter hat selbst eine Ausbildung zum Verkehrsfachberater. „Und die Materialien, die die Kinder im Sachunterricht besprechen, sind ebenfalls geschickt.“ Sobald wieder Unterricht stattfinde, könne es losgehen: „Wir sind bereit, die Prüfungen durchzuführen. Aber das Zeitfenster ist relativ eng.“

„Keine einfache Situation“

Auch Tobias Köhle von der Evangelischen Grundschule in Schwerte-Ergste ist im Terminstress. „Wir werden alles daran setzen, um das hinzukriegen“, sagt er. Auch er wünscht sich, dass die Mädchen und Jungen gerade vor dem Wechsel zur weiterführenden Schule sicher unterwegs seien. „An unserer Schule gibt es viele Kinder, die schon gut Rad fahren“, betont er. Trotzdem sei das gemeinsame Training mit der Polizei doch noch etwas anderes.

„Wir befinden uns gerade in keiner einfachen Situation“, bestätigt Christian Stein von der Pressestelle der Kreispolizei Unna. Zurzeit stehe man in Kontakt mit 51 Schulen, die man betreue. „Dass Kinder Verkehrssicherheit bekommen, ist uns wichtig. Gerade ist es schwierig, aber wir versuchen, die Radprüfungen weiter zu gewährleisten.“

Schulhöfe sind nicht freigegeben

Zu den Schwierigkeiten gehöre auch, dass die Schulgelände wegen der Coronapandemie grundsätzlich nicht für die Übungen freigegeben seien. „Man benötigt aber räumliche Voraussetzungen“, so der Pressesprecher.

Um die eingeschränkten Möglichkeiten abzufedern, bieten Polizei und Deutsche Verkehrswacht aktuell mehrere Videos an. Dort werden Verkehrsschilder und Vorfahrtsregeln erklärt – aber auch, was zu einem verkehrstauglichen Rad gehört und wie der Helm sitzen sollte. „Auch beim Facebookauftritt der Polizei kann man viele Videos finden“, sagt Christian Stein.

Gemeinsames Üben fängt schon früh an

Ludger Vortmann kann seit dem Alter von vier Jahren Rad fahren. Er ist Pressesprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs NRW. Auch der ADFC bietet Radfahrkurse an – mitunter sogar für Erwachsene. „Es gibt viele Erwachsene, die nicht Rad fahren können“, sagt der 52-Jährige.

Die Trainingseinheiten seien wichtig, sagt Vortmann. Gleichzeitig betont er, dass das Üben in der vierten Klasse nie das gemeinsame Üben mit den Eltern ersetzen könne. „Die erste Verkehrsschule ist das Elternhaus“, sagt Vortmann. „Jeder Tag, an dem man mit den Kindern unterwegs ist, ist Training. Und wenn man nur zum Bäcker fährt.“

„Vieles bleibt auf der Strecke.“

Gerade zu Coronazeiten sei die gemeinsame Radtour mit der Familie auch eine Chance. „Es kostet nicht viel Geld, es macht Spaß – und die Kinder lernen unheimlich viel.“

Trotzdem wäre es natürlich ideal, wenn beides stattfinden könnte. Tobias Köhle von der Evangelischen Grundschule hofft jedenfalls, dass man das Training noch anbieten kann. „Wegen Corona bleibt gerade so viel auf der Strecke“, bedauert er. „Schwimmen, Radfahren, AGs, Messdiener – alles, was unser Schulleben gerade ausmacht.“

Die Krise als Chance begreifen – und mal eine ausgedehnte Radtour fürs Wochenende zu planen – kann aber eine Möglichkeit sein. Und Spaß macht es auch.

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus

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