Die Wege am Busbahnhof am Bahnhof waren vorbildlich geräumt, aber es fuhr so gut wie kein Bus. © Reinhard Schmitz
Wintereinbruch in Schwerte

Öffentlicher Nahverkehr in Schwerte kapituliert: Nichts ging bei Bus und Bahn

„Alle reden vom Wetter, wir nicht“: So hatte die Bahn mal in Dampflokzeiten geworben. Davon ist aktuell nicht die Rede. Züge und Busse kapitulieren vor dem Winter. Wie lange soll das so bleiben?

Die Fußwege waren vorbildlich freigeräumt und abgestreut. Aber für wen? Diese Frage stellte sich am Montagmittag (8.2.) am schmucken Zentralen Omnibusbahnhof vor dem Schwerter Bahnhof.

„Sehr geehrte Fahrgäste, witterungsbedingt haben wir den Linienverkehr leider einstellen müssen“, verkündeten die Displays an allen Haltestellen. „Was machen die in Skandinavien oder in Russland nur?“, fragte sich ein Mann, der sich notgedrungen zu Fuß auf den Weg nach Ergste machen musste: „Dann dürfte da ja monatelang kein Bus mehr fahren.“

VKU fährt mindestens bis Dienstagmittag nicht

Wegen der anhaltend extremen Wetterlage mit Schnee- und Eisglätte bleibe der Busverkehr am Montag komplett eingestellt, teilte die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) auf ihrer Internetseite mit. Das gelte auch für Taxibusse: „Sicherheit von Fahrgästen und Beschäftigten steht bei der VKU an erster Stelle. Und diese sind angesichts der Wetterverhältnisse aktuell nicht zu gewährleisten.“

Am Nachmittag ging die Nachricht heraus, dass die VKU-Busse auch mindestens bis Dienstagmittag (9. Februar) um 13 Uhr nicht fahren werden.

Die Wege am Busbahnhof am Bahnhof waren vorbildlich geräumt, aber es fuhr so gut wie kein Bus.
Am Schwerter Busbahnhof fuhr am Montag so gut wie kein Linienbus. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

„Sicherheit geht vor“, sagte auch die Sprecherin von DSW21, Britta Heydenbluth: „Bei uns fahren heute überhaupt keine Busse.“ Also auch nicht die Wagen auf der Linie, die Schwerte mit Hörde verbindet und dabei über den Freischützberg führt. Spiegelglatte Straßen seien auch für Busse gefährlich.

Auch zum Start in den Dienstag bleiben die DSW21-Busse zunächst noch in ihrem Depot, wie Sprecher Frank Fligge am Montagnachmittag mitteilte. Mitarbeiter der Verkehrssteuerung und des Fahrdienstes würden mit Pkw die Buslinien abfahren, um zu prüfen, wo eventuell wieder Busse eingesetzt werden können. Am Montag sei daran laut Betriebsleiter noch nicht zu denken gewesen. Auch seien viele Haltestellen wegen aufgetürmter Schneehaufen nicht zugänglich.

Westfalenbus musste Versuch am Mittag abbrechen

Ein einziger Bus kurvte dann aber doch aus dem Busbahnhof. Es war einer roter Wagen der Linie R50, auf dessen Zielanzeige über der Frontscheibe „Sölderholz“ angegeben war. Diese Strecke wird von der dritten in Schwerte tätigen Verkehrsgesellschaft, dem Westfalenbus, betrieben. Der probierte es, musste dann aber ab Mittag auch den Versuch einstellen.

„Es ist überall kein Durchkommen mehr“, erklärte Unternehmenssprecherin Dr. Sigrun Richter (Münster). Zumindest bis Betriebsende am Montag bleibe der Verkehr eingestellt. Wie es am Dienstag aussehe, müsse man schauen. Das hänge auch davon ab, wie die kommunalen Räumdienste es schaffen, die Straßen freizumachen.

Zwölf Züge, zwölf Ausfälle meldete die Anzeigetafel im Schwerter Bahnhof am Montag.
Zwölf Züge, zwölf Ausfälle meldete die Anzeigetafel im Schwerter Bahnhof am Montag. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Wer zumindest in Richtung Ergste auf die Bahn ausweichen wollte, schaute auch in die Röhre. Ein Dutzend Züge in alle Richtungen zeigte die Leuchttafel in der Wartehalle an – alle mit dem Vermerk, dass sie heute ausfielen. Auf den frisch renovierten Bahnsteigen herrschte gähnende Leere, am Gleis 1 war kein einziger Fußabdruck im jungfräulich weißen Schnee zu erkennen.

„Es fahren keine Züge“, bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bahn (Düsseldorf): „Die Strecken sind ziemlich dicht.“ Aktuell werde aber überlegt, wie es am Spätnachmittag des Montags weitergehe. Im Internet teilte die DB mit, dass Arbeitsstäbe einberufen seien und Schneeräumtrupps im Einsatz seien. Die sichere Befahrbarkeit der Strecken werde zudem ständig durch Erkundungsfahrten überprüft.

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Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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