Die Stadt Hamm besitzt bereits ein Verkehrsleitsystem. So sehen die Informationstafeln in der Stadt Hamm aus. Sie wurden als Beispiel im Gutachten der Ingenieure aufgeführt. © Stadt Hamm
Politik in Schwerte

Neues Verkehrsleitsystem für Schwerte: Anzeigen gegen Stau, Ende des frei Parkens

Aktive Hinweistafeln an den Ortseingängen. Ein Parkleitsystem, das anzeigt, wie viele Parkplätze frei sind, aber auch Schluss mit frei Parken in der City: So sieht der Verkehr in Schwerte in Zukunft aus.

Ob auf der B236 oder auch den Ausfahrtstraßen: Schwerte ist die Stadt am Stau. An dem Versuch, dieses Problem zu lösen, haben sich schon etliche Politiker-Generationen versucht. Doch das System an sich ist komplex. Deshalb soll nun die ganz große Lösung her. Am Dienstagabend wurde im neuen Ratsausschuss für Umwelt und Mobilität ein Verkehrsleitsystem für Schwerte vorgestellt. Und es soll der große Wurf werden. Hier die Einzelheiten:

Was ist alles geplant?

Gesteuert durch einen Zentralrechner werden Ampeln und Anzeigetafeln bedient. Die Informationen dafür stammen auch aus einer Verkehrserfassung per Detektoren. Zusätzlich werden 34 Ampeln im Stadtgebiet erneuert. Außerdem soll ein Parkleitsystem installiert werden. Auch hier kommt ein Rechner zum Einsatz. Und die Zeit der kostenlosen Parkplätze soll beendet werden.

Warum braucht Schwerte ein Verkehrsleitsystem?

Seit Jahren sind die Stickstoffoxid-Werte in Schwerte zu hoch. Man hat schon einiges gemacht, um sie zu senken. Aber der vermehrte Autoverkehr und vor allem die Staus lassen nur begrenzten Erfolg spüren. Deshalb hatte die Stadt bereits im Juli 2019 einen Antrag auf Förderung eines solchen Systems beim Bundesverkehrsministerium gestellt. Im April 2020 wurde der Antrag genehmigt.

Die Kreuzung am Ostentor im Verlauf der B236 gilt als eine der gefährlichsten in Schwerte. Sie ist ständig verstopft. © Reinhard Schmitz (Archiv) © Reinhard Schmitz (Archiv)

Wo sollen die steuerbaren Hinweistafeln denn stehen?

Die Verkehrsinformationsanzeiger werden in den Außenbereichen des Stadtgebietes an den bedeutenden Zulaufstrecken aufgestellt. Auch auf den beiden Autobahnen, A1 und A45, soll es jeweils 1000 Meter vor der Abfahrt eine Tafel geben. Die lenken den Verkehr nach Vorgaben des Verkehrsleitrechners. Der soll in der letzten Ausbaustufe sogar die Umweltdaten mit berücksichtigen können.

Was wird aus den Ampeln, gibt es dann die grüne Welle?

34 Ampeln in Schwerte sollen erneuert werden, damit sie flexibel auf die Verkehrssituationen reagieren können. Das hat allerdings nichts mit der grünen Welle vergangener Zeiten zu tun. Auch hier soll der Verkehrsrechner helfen, den Verkehr situationsabhängig zu steuern.

Wie soll ein Parkleitsystem für Schwerte aussehen?

Auch hier soll es neben den statischen Hinweisschildern, die zu den Parkplätzen leiten, Tafeln geben, die freie Parkplätze anzeigen. Die würden für die Parkplätze Tiefgarage Zentrum (Marktplatz), Im Reiche des Wassers, Stadtbad, Bahnhof, Wilhelmsplatz und Rohrmeisterei gelten.

Warum soll ich ins kostenpflichtige Parkhaus fahren?

Mit dem Parkleitsystem wird auch das Ende der Ära „Zwei sind frei“ eingeläutet. Denn dann sollen auch die Parkplätze am Straßenrand etwas kosten. Über ein System per Smartphone-App und über einzelne Parkautomaten, die dann wieder aufgestellt werden müssten.

Wann kann das Ganze losgehen?

Wenn der Rat der Stadt zustimmt, soll a

ls erster Baustein das Parkleitsystem im Jahr 2021 umgesetzt werden. Dabei sollen auch die Verkehrsinformationsanzeiger in den Außenbereichen als begleitende Elemente errichtet und zunächst an den Parkleitrechner angeschlossen werden. Alles, was mit der B236 zusammenhängt, wäre erst nach Abschluss des Ausbaus sinnvoll.

Was kostet so ein System?

Nach den Schätzungen des beauftragten Ingenieurbüros Bramey.Bünermann Ingenieure muss man mit rund 1,85 Millionen Euro (netto) rechnen. Die Fördermittel, die der Bund zugesagt hat, betragen 70 Prozent dieser Summe.

Was sagen die Politiker im Ausschuss dazu?

Das Vorhaben wurde mit einer Mehrheit verabschiedet. Die Grünen stimmten allerdings nur dem Parkleitsystem und der Parkplatzbewirtschaftung zu. Die intelligente Verkehrssteuerung hätten sie gerne zurückgestellt. Dort sahen sie noch viele Fragezeichen. Vor allem was Elektromobilität und autonomes Fahren betrifft. Schon heute würden viele Menschen über Handy-Apps wie Google-Maps verkehrsabhängig durch die Stadt geleitet. Und der Trend ginge dahin, dass Fahrzeuge das bald selbstständig machen. Das mache ein derart teures System überflüssig. Bei der CDU gab es einige Ratsmitglieder, die gegen eine Parkraumbewirtschaftung gestimmt haben.

Ist das Verkehrskonzept damit endgültig beschlossen?

Nein, denn für die Zusage der Fördermittel braucht man einen Ratsbeschluss. Grundsätzlich sind im Rat die Mehrheiten aber nicht anders als im Umweltausschuss. Der Rat der Stadt tagt am 24. Februar.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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