Weithin sichtbar ragen die Werksanlagen der Gießerei Walter Hundhausen hinter dem Schwerter Bahnhof auf. © Reinhard Schmitz
Gießerei Hundhausen

Neuer Investor für Hundhausen: „Standortgarantie für 380 Arbeitsplätze in Schwerte“

Kurz vor Weihnachten erhielt die Hundhausen-Belegschaft die gute Nachricht: Für ihre insolvente Gießerei ist ein neuer Investor gefunden. Es handelt sich um eine Firma, die bisher Kunde war.

Mit einem Lichtblick endet das Corona-Jahr für die Belegschaft der Walter Hundhausen GmbH. Nachdem sich die Übernahme der insolventen Gießerei durch eine Finanz-Beteiligungsgesellschaft vor einigen Wochen zerschlagen hatte, ist ein neuer Investor aus der Autozulieferer-Branche gefunden worden. Es handelt sich um einen Kunden, mit dem das Traditionsunternehmen vom Ostendamm schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet.

Übertragung an Beinbauer Group im ersten Quartal 2021 geplant

„Die Beinbauer Group, einer der führenden Anbieter von bearbeiteten Gussteilen für die Nutzfahrzeugindustrie in Europa, übernimmt den gesamten Geschäftsbetrieb der Walter Hundhausen GmbH“, lässt Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres (Düsseldorf) über seinen Pressesprecher Thomas Feldmann mitteilen: „Die Transaktion bietet eine sichere Perspektive und Standortgarantien für rund 380 Arbeitsplätze in Schwerte.“

Die Übertragung an das im bayerischen Büchlberg bei Passau ansässige Unternehmen werde „unter Einhaltung verschiedener Bedingungen und Fristen sowie der Zustimmung der zuständigen Behörden“ im Laufe des ersten Quartals 2021 erwartet.

Für die Firma Hundhausen hinter dem Schwerter Bahnhof war im Mai ein Insolvenzverfahren beantragt worden, das Anfang August vom Amtsgericht Hagen eröffnet worden war.
Für die Firma Hundhausen hinter dem Schwerter Bahnhof war im Mai ein Insolvenzverfahren beantragt worden, das Anfang August vom Amtsgericht Hagen eröffnet worden war. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

„Das sind noch ein paar Formalitäten, keine großen Hürden mehr“, schätzt Betriebsrats-Vorsitzender Reinhard Pilk. Er sei richtig erleichtert, wenn alle Unterschriften unter den Verträgen seien. Diesmal seien sich die Verhandlungspartner auch über den Verkauf des Betriebsgrundstückes einig geworden, das bei dem ersten, gescheiterten Investorenprozess offensichtlich noch ein Knackpunkt gewesen war: „Das Grundstück wird verkauft.“ Bislang gehört es nicht Hundhausen, sondern dessen bisheriger Konzernmutter Georgsmarienhütte.

Die gesamte Wertschöpfungskette bleibt künftig in einer Hand

„Wir sind froh, noch vor Weihnachten die gute Kunde kundtun zu können“, sagt Reinhard Pilk. Bisher habe man Gussteile an Beinbauer zum Bearbeiten gegeben, die dann an MAN, den Hauptkunden von Hundhausen, weiterverkauft worden seien. Künftig bleibe diese gesamte Wertschöpfungskette in einer Hand.

„Die Beinbauer Group vereint zwei Unternehmen der Zulieferindustrie unter einem Dach und bietet ihren Kunden ganzheitliche Lösungen in der Bearbeitung und Logistik von Guss- und Schmiedekomponenten“, berichtet Thomas Feldmann: „Hersteller der Nutzfahrzeug-, Agrar-, Baumaschinen-, Schienenfahrzeug- und Pkw-Industrie profitieren von der umfassenden Kompetenz des deutschlandweit größten unabhängigen Bearbeiters.“

Am Standort Schwerte sind kräftige Investitionen gefragt

Beinbauer gehört mehrheitlich zu der weltweit tätigen Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Capital mit Sitz in Miami. Diese werde sich als finanzstarker Gesellschafter für die weitere Entwicklung der neuen Gruppe einsetzen, kündigt Thomas Feldmann an. Angestrebt würden „Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe am Standort“. Finanzstarke Rückendeckung ist dort laut Betriebsratschef Reinhard Pilk auch wichtig, um den Investitionsstau der vergangenen Jahre abzubauen.

Aggregate müssten instand gesetzt werden, um das Ziel zu erreichen, auf lange Sicht auch wieder mit einer dritten Schicht zu produzieren. Im Blick hat er dabei unter anderem das Herzstück des Betriebs, die sogenannte Comessa-Trommel, die die fertigen Gussteile „auspackt“. Bei diesem Vorgang werden sie von ihren Formen aus Sand befreit.

„Wir freuen uns, dass wir nach einem herausfordernden Investorenprozess jetzt mit der Beinbauer Group einen idealen Partner für Walter Hundhausen gefunden haben“, sagt Sanierungsexperte Dr. Dirk Andres. Die internationale Investorensuche sei von der Beratungsgesellschaft Starkpartner Consulting GmbH aus Meerbusch geführt worden.

Über den Kaufpreis und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten Käufer und Verkäufer Stillschweigen vereinbart. Für ihre konstruktive Unterstützung danke er der Belegschaft, der Arbeitsagentur sowie dem Betriebsrat und der Industriegewerkschaft (IG) Metall.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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