Neuer Bürgermeister: Iserlohner (46) besiegt erst SPD, dann CDU

dzHauchdünner Vorsprung

Paukenschlag in Iserlohn: Dort stellt weder die SPD noch die CDU den neuen Bürgermeister. Am Ende einer knappen Stichwahl hieß es am Ende 50,08 zu 49,92 Prozent für den 46-jährigen Sieger.

Schwerte

, 28.09.2020, 14:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nur 36 Stimmen Unterschied – knapper als bei der Bürgermeister-Stichwahl in Iserlohn geht es kaum. 12.007 Menschen votierten für Michael Joithe, 11.971 für Eva Kirchhoff, die Kandidatin der CDU.

Joithe (46) war für die recht neue Wählergemeinschaft „Die Iserlohner“ angetreten, die sich als Farbe das Waldgrün und das Gelb gegeben hat, die man auch von der alten Iserlohner Brauerei her kennt.

Bürgermeister Ahrens (SPD) war im Mai 2019 zurückgetreten

Die Wählergemeinschaft war in dieser Form 2020 erstmals angetreten. Gegründet wurde sie unter anderem als Reaktion auf enorm gestiegene Kosten bei einem Schulbau. Zulauf erhielten sie aber auch als Folge der Abfindungsaffäre.

Die gipfelte im Mai 2019 darin, dass der amtierende Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens (SPD) nach zehn Jahren im Amt und im Alter von 69 Jahren zurücktrat. Im Kern ging es um 250.000 Euro, die ein Mitarbeiter nach elf Jahren bei der Stadtverwaltung Iserlohn als Abfindung erhalten hatte.

Eine Summe, für die es auch deshalb so laute Kritik gegeben hatte, weil politische Gremien nicht eingebunden wurden. Ahrens, der 1999 als Bürgermeister-Kandidat in Schwerte angetreten war und gegen Heinrich Böckelühr verloren hatte, erklärte bei seinem Rücktritt: Er übernehme die Verantwortung und habe die politische Dimension offenbar unterschätzt. Dennoch kritisierte er die heftige Art der Auseinandersetzungen, die teils „ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Maß und ohne jeglichen Respekt“ geführt worden seien und ihn nahe an die Grenze seiner persönlichen Belastbarkeit geführt hätten.

Große Verluste für die SPD, Gewinne für „Iserlohner“

Seit Ahrens‘ Rücktritt führt der Erste Beigeordnete und Stadtkämmerer Michael Wojtek die Geschäfte der Stadt Iserlohn. Drei ehrenamtliche Stellvertreter von CDU und SPD nehmen seitdem die repräsentativen Aufgaben des Bürgermeisters wahr.

Die reine Bürgermeisterstelle ist aber seit mehr als einem Jahr vakant und sollte erst nach der Kommunalwahl wieder besetzt werden.

Im ersten Wahlgang hatte CDU-Kandidatin Kirchhoff 39,75 Prozent erreicht. Iserlohner-Kandidat Joithe hatte 15,79 Prozent erreicht und somit knapp mehr als Martin Luckert, der für die SPD angetreten war (15,02 Prozent).

Auch bei der Stadtratswahl hatte die SPD in Iserlohn stark verloren, war von 32,36 auf 19,07 Prozent gesunken. Die CDU war mit leichten Verlusten auf nun 35,56 Prozent gekommen, „Die Iserlohner“ waren mit 13,23 Prozent drittstärkste Kraft vor den Grünen, Linke, AfD und FDP geworden.

Gelernter Bankkaufmann, Unternehmer, für Schüler engagiert

Bei der Stichwahl am Sonntag konnte Joithe seine Stimmen mehr als verdoppeln. Als er am Ende der Auszählung bei 50,08 Prozent lag, kannte der Jubel bei den „Iserlohnern“ keine Grenzen mehr.

Joithe ist gelernter Bankkaufmann, seit 25 Jahren Unternehmer und aktuell Geschäftsführer einer Firma in Letmathe. Er engagierte sich über Jahre bei Wirtschaftsjunioren und im Bildungsbereich, kam auch über die Stadtelternschaft in Berührung mit politischen Themen.

Bei einer Podiumsdiskussion der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer vor der Wahl 2020 hob Joithe zudem hervor, er habe für die junge Wirtschaft sechs Jahre im Rundfunkrat des WDR gesessen: „Da konnte ich sehr gut die Abläufe in großen Verwaltungen studieren.“

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