Nach 50 Jahren stillschweigender Duldung müssen am Lupinenweg in Geisecke die Autos weg

dzOrder vom Kreis

Seit 50 Jahren werden am Fahrbahnrand des schmalen Lupinenwegs Autos abgestellt. Damit muss jetzt Schluss sein. Ein Anwohner und der Kreis wollen das so.

Geisecke

, 23.05.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Wohnen am Lupinenweg in Geisecke wird für Autobesitzer künftig schwieriger: Nach 50 „ruhigen Jahren“ muss die Stadt dort eingreifen und das Parken verbieten. Offenbar, weil ein Nachbar das so will und das Recht dabei auf seiner Seite hat.

Helge Paczinski wohnt in einem der zehn Häuser an der kleinen Straße, die in einen Wendehammer mündet. „Vor etwa einem Dreivierteljahr“, so berichtet er, „hat das Ordnungsamt hier plötzlich kontrolliert und an allen Autos, die am Straßenrand parkten, einen Hinweis hinterlassen, dass das Parken hier eine Ordnungswidrigkeit darstelle und künftig auch geahndet werde. Nach 50 Jahren sind wir aus allen Wolken gefallen.“

Beim Ortstermin zeigten sich Stadt und Feuerwehr großzügig

Die Anwohner wandten sich an die Stadt, und man traf sich zu einem Ortstermin. Von diesem Treffen berichtet der städtische Pressesprecher Ingo Rous: „An dem Termin waren das Ordnungsamt der Stadt Schwerte, Anwohner und die Feuerwehr beteiligt. Damals war bereits festgestellt worden, dass nur dann die notwendige Breite für Rettungsfahrzeuge gegeben ist, wenn das Schrammbord auf der linken Seite des Lupinenwegs in Fahrtrichtung Norden mitbenutzt werden kann.“

Straßenbau-Laien würden das Schrammbord wohl auch als Bordsteinkante bezeichnen.

Ohne Schrammbord beträgt nach Auskunft der Stadt die Straßenbreite 4,45 Meter. Weiter heißt es: „Bei freizuhaltender Breite von 3,05 Meter unter anderem für Rettungsfahrzeuge (2,55 Meter maximaler Fahrzeugbreite inklusive beidseitiger Sicherheitsabstand von 25 Zentimetern) verbleiben nur 1,40 Meter Restbreite, welche einem parkendem Kraftfahrzeug zur Verfügung stehen würde.“

StVO § 12

Das Parken ist unzulässig vor Grundstücksein- und -ausfahrten, auf schmalen Fahrbahnen auch ihnen gegenüber.

Selbst ein Smart sei mit 1,66 Metern breiter. Deshalb sei das Parken am Lupinenweg eigentlich nicht zulässig. Dennoch entschieden Stadt und Feuerwehr damals anwohnerfreundlich und vertraten die Auffassung, dass das Schrammbord im Einzelfall befahren werden könne.

Ein paar Monate später gab es dann doch Knöllchen

Helge Paczinski: „Wir waren sehr froh über diese Übereinkunft, denn es ist ja heutzutage meist so, dass die meisten Hausbewohner mehr Autos haben als Einstellplätze und Garagen. Aber wir hatten die Rechnung wohl ohne einen Nachbarn gemacht, der sich beim Kreis über die getroffene Regelung beschwert hat.“ Denn in der vorigen Woche sei plötzlich der Kommunale Ordnungsdienst aufgetaucht und habe Knöllchen geschrieben.

Die Stadt bestätigt das. „Aufgrund einer Beschwerde eines Anwohners, die an den Kreis Unna als übergeordnete Behörde gerichtet war, hat der Kreis Unna die Sach- und Rechtslage geprüft. Der Kreis Unna hat nun der Stadt Schwerte mitgeteilt, dass das Schrammbord nicht zur verbleibenden Straßenbreite gerechnet werden kann und somit im Lupinenweg nicht geparkt werden darf.“

Das Parkverbot in schmalen Straßen braucht keine Beschilderung

Während im Wendehammer seit jeher Schilder auf das absolute Halteverbot in diesem Bereich hinweisen, soll es an der kurzen Straße künftig keinen Schilderwald geben. Es gelte Paragraf 12 der Straßenverkehrsordnung, da bedürfe es keiner weiteren Beschilderung. Ingo Rous: „Wir werden die Anwohner und Anwohnerinnen in den nächsten Tagen schriftlich über den Vorgang informieren.“ Es sei dann Sache der Anlieger, gegebenenfalls Besucher auf das Parkverbot hinzuweisen.

Helge Paczinski und viele seiner Nachbarn sind davon überzeugt, dass es einen Verdrängungseffekt in Richtung Dorfstraße geben wird. „Dort ist auch kein Platz für weitere Fahrzeuge, und am Lupinenweg behindern parkende Wagen deutlich weniger, aber was soll man machen?“

Wie legte schon Friedrich Schiller seinem Helden Wilhelm Tell in den Mund? „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

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