Mysteriöser Fall neu aufgerollt: Theater am Fluss zeigt realen Politthriller

dzTheater am Fluss

Ein brisantes Thema hat das Theater am Fluss in seinen Spielplan aufgenommen: Das nebulöse Geschehen um den Tod des CDU-Politikers Uwe Barschel. So lief die Premiere am Samstagabend.

Schwerte

, 18.10.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das war im Jahr 1987 ein echter „Aufreger“ – langjährige Nachhaltigkeit und allerlei Verschwörungstheorien inklusive: Ein realer Politthriller der ganz besonderen Art, der dunkle Machenschaften rund um Politik und Wirtschaft verschleierte und bis heute nicht wirklich aufgeklärt wurde oder nicht aufgeklärt werden sollte.

Wurde doch der seinerzeit amtierende, schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel in der Badewanne des Hotelzimmers Nummer 317 im Genfer Hotel Beau Rivage vom damaligen Stern-Reporter Sebastian Knauer tot aufgefunden.

Das von ihm geschossene „Badewannen-Foto“ ist inzwischen eines der berühmtesten, aber auch umstrittensten Fotografien der Pressegeschichte.

Eindrucksvolle Recherche

Theater-am-Fluss-Regisseur Sven Möller hat unter Einbeziehung erdachter Figuren und Handlungen in dem von ihm selbst geschriebenen Theaterstück „Zimmer 317 – Der Fall Uwe Barschel“ die realen Vorkommnisse in das Stück eingebunden und auch die Regie geführt.

Aufwendige Recherche-Arbeiten waren hierzu erforderlich: „Weit über ein Jahr habe ich an dem 90-Minuten-Stück gearbeitet, eigene Nachforschungen angestellt und bin immer tiefer in die abgründigen Geschehnisse eingedrungen. Das war motivierend und erschreckend zugleich – die Neugier des Ungeklärten hat mich getrieben“, erklärte Sven Möller: „Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt und die Akten wurden bislang auch nach über 30 Jahren vom Bundesnachrichtendienst (BND) nicht freigegeben.“

Das Stück von Sven Möller wurde über ein Jahr lang vorbereitet.

Das Stück von Sven Möller wurde über ein Jahr lang vorbereitet. © Bernd Paulitschke

Sogar mit dem damaligen Chefermittler, Staatsanwalt Heinrich Wille, konnte sich Sven Möller zu seinen Nachforschungen mehrmals in Verbindung setzen. Und Heinrich Wille hatte sogar seine Zusage zum Besuch der ursprünglich vorgesehenen Premiere im April dieses Jahres zugesagt – aber mit Corona kam alles anders.

Ausverkauftes Haus

So durften Corona-bedingt lediglich 36 Besucher die Premiere besuchen – ausverkauft. Und die Theaterhalle 4 der Rohrmeisterei musste entsprechend umgebaut werden – Abstandsregeln, Nachverfolgungsdokumentationen und Desinfektionsvorschriften waren einzuhalten und die Sitzplätze nummeriert und personenbezogen besetzt.

Zudem kam kurzfristig die Auflage zum Tragen der Gesichts- und Nasenmasken am Besucherplatz – alles hat prima geklappt.

Fiktives und Reales geeint

Das Theaterstück um den Fall Uwe Barschel, das im Jahr 2018 spielt, also über 30 Jahre nach den ereignisreichen Vorfällen, verbindet eine fiktive Handlung in der heutigen Zeit mit den damaligen, realen Vorkommnissen.

Eine turbulente und wortgewandte Story mit „Nachdenk-Charakter“: Manipulationsversuche und Denunziationen zur seinerzeitigen Landtagswahl in Schleswig-Holstein, Schiebereien im lukrativen, aber illegalen Waffengeschäft oder mysteriöse Aktivitäten verschiedenster Geheimdienst-Organisationen – das Stück taucht in ein absolutes „Sumpfgebiet“ der bundesdeutschen Geschichte ein.

Corona-bedingt konnten nur 36 Zuschauer die Aufführung verfolgen.

Corona-bedingt konnten nur 36 Zuschauer die Aufführung verfolgen. © Bernd Paulitschke

Und wer das damalige Geschehen und den geschichtsträchtigen Barschel-Satz „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“ nicht mehr so direkt im Gedächtnis hat: Geschickt in den Vorstellungsablauf integrierte Video-Einspieler sind als Zeit-Dokumentation und Erinnerungshelfer mit dabei – ein echt informativer Regie-Einfall. „In dieser unglaublichen Geschichte um Uwe Barschel ist wirklich alles drin, was einen guten Krimi ausmachen würde“, beurteilte Sven Möller die damaligen Vorkommnisse.

Spannender Ablauf

So lernt in dem Theaterstück der junge Schriftsteller Peter Kollmann, emotional und ausdrucksvoll gespielt von Julius Hardt, seinen direkten Nachbarn Horst Kerber, einen ehemaligen BND-Mitarbeiter kennen. Kerber, inzwischen ein älterer Mann mit Geheimdienst-Vergangenheit und vermeintlicher Alzheimer-Krankheit, dargestellt von Herbert Hermes in einer wie auf ihn zugeschnittenen Paraderolle, erzählt Kollmann von dem Fall Barschel und weckt dessen journalistische Neugier.

Gemeinsam mit seinem Freund Daniel (Roman Vennemeyer) und der Haus-Mitbewohnerin Laura (Sabrina Fehring) geht Kollmann für ein neues Buch an die Aufklärungsarbeit: Immer wieder versucht Kollmann den ehemaligen Agenten Kerber auszufragen – „Sie sollten Ihr Gewissen erleichtern, bevor sie den Löffel abgeben“, so sein makabrer Rat an Kerber.

Ein nicht ungefährliches Unterfangen, wie Kollmann selbst erfahren muss: Denn offensichtlich soll die Wahrheit um das damalige Geschehen auch nach 30 Jahren auf keinen Fall an die Öffentlichkeit gelangen.

Weitere Vorstellungen

Wer erfahren möchte, wie die spannende Geschichte um Peter Kollmann und Horst Kerber weitergeht: Es finden noch weitere Vorstellungen in der Theaterhalle statt – und das mit überraschendem Ausgang, so viel sei versprochen.

Mit viel Beifall und Zuspruchs-Rufen bedankte sich das Publikum bei den Schauspielern und dem Regisseur – ein paar Mal mussten sie zurück auf die Bühne. Eine echt gelungene und zudem geschichtsinformative Vorstellung.

Weitere Aufführungen „Zimmer 317 – Der Fall Uwe Barschel“

Hier gibt es Tickets im Vorverkauf
  • Weitere Vorstellungen in der Theaterhalle 4 der Rohrmeisterei, Ruhrstraße 20 sind am Freitag, 23. Oktober, Samstag, 24. Oktober und Sonntag, 25. Oktober um jeweils 19.30 Uhr.
  • Die Karten kosten 10 Euro für Erwachsene sowie 5 Euro für Schüler, Studierende, Gleichgestellte und Schwerbehinderte im Vorverkauf.
  • Eintrittskarten sind erhältlich im Vorverkauf in der Ruhrtal-Buchhandlung, Hüsingstraße 20.
  • Reservierungen sind auch möglich im Internet unter www.theateramfluss.de
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