Warum hängen die mysteriösen grünen Säcke an den Straßenbäumen?

dzStadt Schwerte

Als Müllsammler taugen sie nichts. Denn die grünen Säcke, die mit Spanngurten an den Straßenbäume befestigt sind, sind verschlossen. Der städtische Bauhof hat sie als Versuch aufgehängt.

Schwerte

, 18.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Banderole, mit der die Stadt bevorstehende Fällungen ankündigt, sieht irgendwie anders aus. Stimmt. Beim genauen Hinschauen zeigt sich: Es ist nur ein kräftiger roter Spanngurt, der um den Stamm der Linde gegenüber der Friedrich-Kayser-Schule geschlungen ist. Genauso wie bei der nächsten auf dem schmalen Wiesenstück, das die kleine Fußverbindung von der Eintrachtstraße in Richtung Stadtpark begleitet. Auf der vom Weg abgewandten Seite baumelt an diesen Befestigungen jeweils ein grüner Folienbeutel. Ein winziges Schildchen stellt ihn vor als: „Mobile Tröpfchenbewässerung, Watercoat III“. Also irgendsoetwas wie eine automatische Gießanlage.

Der städtische Bauhof hat einen Versuch gestartet

Es handele sich um einen Versuch, den der städtische Bauhof in diesem Jahr gestartet habe, erklärt Stadt-Pressesprecher Ingo Rous auf Anfrage: „Das soll vor allem Jungbäumen über trockene Phasen hinweghelfen.“ So ist es beispielsweise in der Friedhofstraße zu sehen, wo an einem offensichtlich nachgepflanzten Straßenbaum ebenfalls ein Bewässerungssack aufgehängt ist. „Er kann aber auch bei älteren Bäumen genutzt werden, vor allem, wenn es Trockenheitsschäden gibt.“

Ein Zettel über der Einfüllöffnung verrät: Die Kunststoffbeutel sind eine automatische Bewässerungsanlage für Bäume.

Ein Zettel über der Einfüllöffnung verrät: Die Kunststoffbeutel sind eine automatische Bewässerungsanlage für Bäume. © Reinhard Schmitz

Der Stadtsprecher kennt dieses System, hat es schon einmal in Schleswig-Holstein gesehen. Das Wasser - so wird im Internet geworben - wird durch den Bewässerungssack direkt zum Wurzelbereich des Baumes geleitet, dessen Überleben es sichern soll. Es werde langsam in das Erdreich abgegeben, damit dieses kontinuierlich durchfeuchtet wird. Tröpfchen für Tröpfchen, so ähnlich wie bei Infusionen am Krankenbett. Mit einer einzigen Füllung kann am Straßenrand allerdings fünf bis sechs Stunden lang getropft werden.

Bei trockenem Wetter muss an jedem Tag Wasser nachgefüllt werden

„Die Säcke halten einen Tag in trockenen Phasen“, bestätigt Ingo Rous: „Dann wird nachgefüllt.“ An regnerischen Tagen kann mit dieser Aufgabe natürlich pausiert werden. Ansonsten passen jeweils etwa 40 Liter in die Foliengefäße.

Zum Ausprobieren hat der Bauhof zunächst rund 20 Beutel gekauft. Zu einem Stückpreis von rund 12 Euro, wie der Stadtsprecher weiter berichtet.

Auch an einem nachgepflanzten Haselbaum an der Friedhofstraße ist ein Bewässerungsbeutel aufgehängt.

Auch an einem nachgepflanzten Haselbaum an der Friedhofstraße ist ein Bewässerungsbeutel aufgehängt. © Reinhard Schmitz

Wenn damit Bäume gerettet werden können, sicherlich eine gute Anschaffung. Denn längst nicht überall gibt es Baumpaten, die einem Stamm in der Nähe in der Haustür bei Sommerhitze hin und wieder eine Gießkanne voll Wasser spendieren. Viele sind auch nahezu rundherum von Asphalt und Pflaster umzingelt, so dass nur wenig Regen die Chance hat, über ihren Wurzeln zu versickern. Wie wirksam sich die mobile Tröpfchenbewässerung für den Bauhof erwiesen hat, steht noch nicht fest. „Die Testreihe wird noch ausgewertet“, sagt Ingo Rous.

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