Musikpub, Glockenschlach, Stall, Burger-Lounge - warum wechseln hier immer die Betreiber?

dzAmerican Burger Lounge

Zuletzt warf die American Burger Lounge in Schwerte-Wandhofen nach einem Jahr das Handtuch. Auch viele Vorgänger hielten dort nicht lange durch. Was mag der Grund sein?

Wandhofen

, 20.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Rustikale Emporen aus jahrhundertealten Balken. Drumherum gediegene Einbauten aus Fachwerk mit Sprossenfenstern. Das Auge kann sich kaum sattsehen an den Details, mit denen das Innere die „Scheune“ an der Wandhofener Straße 15 so liebevoll ausgestattet ist. Das Ambiente der Lokals sucht weit und breit seinesgleichen. Trotzdem hielt dort nach den glorreichen Zeiten als Musikpub kaum ein Pächter mehr lange durch.

Zuletzt warf die American Burger Lounge Anfang Juni nach nicht mal einem Jahr das Handtuch. Als Gründe nannten die Betreiber neben Personalmangel auch die Heizkosten. Darüber hatte schon Vor-Vorgänger Reinhard Schnelle geklagt, der seinen Traum von einem Kulturzentrum Anfang 2016 nach gerade fünf Monaten begraben musste. „Das Gebäude ist wunderschön und riesengroß, aber leider auch ungedämmt“, sagte er vor seinem Abschied. Die Ausgaben für wohlige Wärme seien genauso hoch wie die Pacht gewesen.

Ursprünglich vor 150 Jahren als Scheune gebaut

Ans Beheizen hatte wohl keiner gedacht, als die Backsteinwände zwischen 1860 und 1880 als Scheune hochgezogen wurden. Ende der 1970er-Jahre wurde sie vom neuen Eigentümer Frank Goll, der sie ein paar Jahre zuvor erworben hatte, zu der einmaligen Gaststätte umgebaut. „Am Anfang hieß sie Musikpub“, erinnert er sich. Die Musikkneipe mit Live-Musik lockte junge Leute aus dem ganzen Umkreis heran.

In späteren Jahren wurde es ein wenig lauter auf den 270 Quadratmetern, als folgende Pächter das Lokal als Disco nutzten - erst als „Kuhstall“, dann als „Glockenschlach“. Bis in die Nacht getanzt wurde unter dem Dach eines alten westfälischen Backhauses, das extra an seinem früheren Standort abgebaut und über der Tanzfläche wieder aufgestellt wurde.

Die letzte Disconacht wurde 2006 gefeiert. Anschließend verpachtete Goll sein Schmuckkästchen für fünf Jahre an einen Weinhandel. Als der ins City-Centrum weiterzog, ließ sich keine Nachfolge aus dem Einzelhandel realisieren, so dass der Besitzer fast schon einen Abriss überlegte. Dem Rat seines Architekten war es zu verdanken, dass er diesen Gedanken letztlich doch verwarf.

Stattdessen wurde das Objekt renoviert, um zu einer Gaststätten-Nutzung zurückzukehren. Als erster Pächter verliebte sich Gegorio Greco in das Ambiente. Er schmiss seinen Job bei der Gießerei Hundhausen, um sich den Traum vom eigenen Lokal zu erfüllen. 2013 eröffnete er seine „Scheune“, die auch wieder Live-Musik bot. Obwohl beliebt, war damit aber schon nach zwei Jahren wieder Schluss. Schon wenige Monate später machte der Profi-Musiker Reinhard Schnelle alias Robin Stone nunmehr „Robins Scheune“ auf. Er plante eine Mischung mit Livemusik, Disco, Cocktailabend und Kinderliedermacher am Sonntagnachmittag - und gab seinen Ausflug in die Gastro-Szene schon nach fünf Monaten wieder auf. Weil es finanziell schwieriger als erwartet gewesen sei, sagte er damals. Und wegen der großen Belastung in so einem großen Betrieb.

Auch eine Nutzung als Geschäft ist wieder denkbar

Aus der „Scheune“ wurde der „Stall“, als kurz darauf Elena Laura Schröder ein Pub-Restaurant mit Musikveranstaltungen an den Wochenenden eröffnete. Über Gäste-Zuspruch wollte sie nicht klagen, als sie Ende März 2018 nach zwei Jahren ausstieg. Die Schwierigkeit, Personalmangel zu finden, sei das Problem gewesen, erklärte sie damals. Auf Dauer habe beispielsweise ihr Ehemann nicht neben seinem „normalen“ Job für den erkrankten Koch einspringen können.

Von Personalmangel hatten zuletzt auch die Betreiber der American Burger Lounge bei der Aufgabe ihrer Filiale gesprochen. Wie es mit dem Gebäude-Kleinod weitergeht, ist noch nicht bekannt. Möglicherweise wird man dort nie mehr essen und trinken können. Besitzer Frank Goll überlegt, vielleicht auch wieder zur Einzelhandelsnutzung zurückzukehren.

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